Ärzte Zeitung, 03.07.2009

Mit Steuerzuschuss gegen den Kindermangel

IGES-Institut stellt Studie zur In-vitro-Fertilisation vor / Mit einem Zuschuss könnte es in Deutschland bis zu 8000 Geburten mehr geben

BERLIN (gvg). Der Einsatz von Steuergeldern als Zuschuss zu den Kosten reproduktionsmedizinischer Maßnahmen könnte die Zahl der in Deutschland geborenen Kinder um fast 8000 erhöhen. Das ergibt zumindest eine Hochrechnung des Berliner IGES-Instituts.

Seit 2004 zahlen GKV-Versicherte bei der Reproduktionsmedizin die Hälfte der Kosten der ersten drei Zyklen selbst. Der vierte und fünfte Zyklus wird komplett aus eigener Tasche bezahlt (wir berichteten). Aus den Kosten von je 3200 Euro für die ersten drei und 3600 Euro für jeden weiteren Zyklus errechnet sich eine Zuzahlung von 4800 Euro für drei und 12 000 Euro für fünf Zyklen. Bis 2003 zahlte die GKV die ersten vier Zyklen dagegen komplett. Der Rückzug aus der Finanzierung ließ die Zahl der Kinder durch In-vitro-Fertilisation (IvF) im Jahr 2004 um die Hälfte zurückgehen. So waren es im Jahr 2003 noch 18 591 Geburten, die nun auf 9972 zurückgingen.

Der Staat müsste 56 Millionen Euro investieren.

Die Frage der Finanzierung halte viele GKV-Versicherte von der IvF ab, sagte IGES-Geschäftsführer Professor Bertram Häussler. Durch einen Steuerzuschuss könne das geändert werden. Im Auftrag des Pharma-Unternehmens Merck hat das IGES durchgerechnet, was ein 50-prozentiger Steuerzuschuss zum Selbstbehalt für bis zu fünf Zyklen bedeuten würde.

"Unter der konservativen Annahme, dass der IvF-Bedarf nur auf das Niveau von 2003 steigt, würde es zu 4309 zusätzlichen Geburten deutschlandweit kommen. In einem realistischeren Szenario sind es sogar 7871", so Häussler. Der Steuerzahler würde das bis zu 9526 Euro pro zusätzlichem Kind kosten, das wäre eine Gesamtsumme von bis zu 56,1 Millionen Euro pro Jahr. "Das halte ich für sehr kosteneffizient", so der Experte.

Unterstützung kam vom KKH-Allianz-Vorstand Rudolf Hauke, der sogar eine Vollfinanzierung von fünf Zyklen forderte. Dazu könne beispielsweise der Gesundheitsfonds aufgestockt werden, so Hauke.

Erste Erfahrungen mit Steuerzuschüssen sammelt man derzeit in Sachsen, wo seit März 2009 ab dem zweiten Zyklus auf Antrag Zuschüsse von bis zu 900 Euro und beim vierten Zyklus bis 1800 Euro gezahlt. Die Unterstützung gibt es allerdings nur unter Auflagen (wir berichteten).

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