Ärzte Zeitung, 28.09.2010

Behandlung von Süchtigen soll für Hausärzte leichter werden

Hausärzte sollen bei Suchtberatungsstellen verlässliche Ansprechpartner bekommen. Zudem will die BÄK ihnen mehr Kompetenzen bei der Suchttherapie einräumen.

Behandlung von Süchtigen soll für Hausärzte leichter werden

Etwa 1,3 Millionen Menschen in Deutschland sind alkoholabhängig.

© areafoto / fotolia.com

BERLIN (af). Hausärzte sehen täglich drei bis fünf suchterkrankte oder suchtgefährdete Menschen in ihren Praxen. Eine gemeinsame Tagung der Bundesärztekammer (BÄK) und des Fachverbandes Sucht in Berlin hat gezeigt, dass die Früherkennung von Alkoholkrankheit und die Kurzintervention durch Vertragsärzte dringend verbessert werden müssen.

Die Rolle der Hausärzte bei der Suchtbekämpfung soll einem Positionspapier der BÄK und des Fachverbandes zufolge ausgebaut werden. Substanzbezogene Störungen sollten demnach in der Aus- und Fortbildung von Ärzten eine stärkere Rolle spielen.

Außerdem sollten die Vertragsärzte leicht erreichbare Ansprechpartner bei den Suchtberatungsstellen haben und verlässliche und rasche Rückmeldungen aus dem Suchthilfesystem erhalten, wie der Patient weiter betreut werden sollte.

Entsprechend qualifizierte Ärzte sollten befugt sein, Leistungen zur medizinischen Reha von Abhängigen leichter und schneller als bisher einzuleiten. Das Vergütungssystem sollte Anreize schaffen.

Da bei Suchterkrankungen das Gespräch zwischen Arzt und Patient das Mittel der Wahl sei, sollte der damit verbundene Aufwand adäquat vergütet werden.

Vor dem Gespräch sorgen schon die Kurzdiagnostik und die Frühintervention für Arbeit in der Praxis. Die deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie hält es für unerlässlich, alle Patienten bei der Aufnahme nach ihrem Trink- und Rauchverhalten zu befragen.

Kurzinterventionen durch Beratungen oder Broschüren wirkten vor allem bei denjenigen, die riskant tränken. Fachleute schätzen die Zahl alkoholabhängiger Erwachsener in Deutschland auf 1,3 Millionen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »