Ärzte Zeitung, 06.03.2011

Hausärzteverband stärkt seine Service-Gesellschaft

AG statt Genossenschaft, statt 8000 Euro eine Million Euro Eigenkapital: Die Hausärztliche Vertragsgemeinschaft kommt auf solide Füße.

BERLIN (HL). Der Hausärzteverband hat die Hausärztliche Vertragsgemeinschaft, deren Hauptaufgabe das Management der Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung ist, auf ein solides Fundament gestellt.

Anlass dafür war die fristlose Kündigung der 73b-Verträge durch die Kassen in Bayern, die zu einem Rückgang der Honorarvolumina von knapp 1,1 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf etwa 380 Millionen Euro in diesem Jahr führt.

Die Genossenschaftskonstruktion hat sich dabei in zwei Punkten als unbefriedigend und fragil erwiesen. Gebildet war die Genossenschaft aus den Landesverbänden und einzelnen natürlichen Personen, jeweils mit gleichem Stimmrecht. Eine Gewichtung nach Größe der Landesverbände ist nach Genossenschaftsrecht nicht möglich.

Als Risiko erwies sich die knappe Eigenkapitalausstattung der HÄVG: nur 8000 Euro. Unter diesen Bedingungen gilt eine Gesellschaft nach den Bedingungen von Basel II als nicht kreditwürdig.

Mit der fristlosen Kündigung der 73b-Verträge durch die bayerischen Kassen im Dezember 2010 wurde ein harter Restrukturierungsprozess notwendig: Zwar gelang es nach Darstellung von Eberhard Mehl, Hauptgeschäftsführer des Hausärzteverbandes, Liquiditätseinbrüche noch aus Rückstellungen abzufedern. Gleichwohl müssen auch bis zu 40 Mitarbeiter entlassen werden; das ist ein Drittel der HÄVG-Angestellten.

Mit der Umstrukturierung zur Aktiengesellschaft wird die HÄVG mit einem Eigenkapital von einer Million Euro ausgestattet. Große Landesverbände sind dann stärker, aber nicht ganz proportional zu ihrer Größe repräsentiert. Ferner wird die AG kreditwürdig; eine Bankenzusage liege bereits vor, so Mehl.

Das eigentliche Risiko seien aber politische Rahmenbedingungen: die fehlende saubere sozialdatenrechtliche Grundlage für die Abrechnung der Hausarztverträge und die unangemessen enge Sicht des Bundesversicherungsamtes, wonach neu abgeschlossene Verträge bereits nach einem Jahr ihre Wirtschaftlichkeit nachweisen müssen.

Topics
Schlagworte
Berufspolitik (19460)
Personen
Eberhard Mehl (162)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So hoch ist die Lebenserwartung in der Welt

Wer als Junge in Deutschland geboren wird, darf sich im Schnitt auf 78 Jahre freuen. Wie hoch ist die Lebenserwartung in anderen Ländern der Welt? Wir geben die Antwort. mehr »

Pflege-Eigenanteil deckeln!

Viele Bundesbürger klagen darüber, dass die Pflegeheime teuer seien, berichtet die DAK in ihrem Pflegereport. Kassenchef Storm schlägt nun vor, den Eigenanteil für Pflegebedürftige zu beschränken. mehr »

Der Gesundheitsminister will das E-Rezept

Krankenkassen, Ärzte und Apothekerschaft sollen in ihren Rahmenverträgen das elektronische Rezept ermöglichen. Eine gesetzliche Verpflichtung soll bis 2020 stehen. mehr »