Ärzte Zeitung, 18.04.2011

Weiterbildung für Notfallmediziner verkürzt

Mangel macht erfinderisch: Die saarländische Ärztekammer verkürzt die Weiterbildung für Notfallmediziner. Neu ist, dass praktische Fertigkeiten statt im Notarztwagen oder Rettungshubschrauber nun im Simulator trainiert werden können.

Weiterbildung für Notfallmediziner verkürzt

Schneller zum Arzt für Notfallmedizin: Das Saarland modernisiert die Weiterbildung.

© C. Pueschner / ZEITENSPIEGEL

SAARBRÜCKEN (kin). Die saarländische Ärztekammer macht die Zusatz-Weiterbildung zum Notfallmediziner attraktiver: Der Weg bis zur Zusatzbezeichnung wird verkürzt. Die Hälfte der Einsätze im Notarztwagen kann künftig auch am Simulator absolviert werden.

Das geht aus der Novelle der Weiterbildungsordnung hervor, die die Vertreterversammlung der Kammer in Saarbrücken beschlossen hat. Anlass der Änderung bei der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin ist der Nachwuchsmangel. Ärztekammer-Geschäftsführer Michael Hoffmann berichtete, die Krankenhäuser hätten immer mehr Probleme, die Notarztwagen zu besetzen.

Nach der neuen Weiterbildungsordnung ist Voraussetzung zum Erwerb der Zusatzbezeichnung nur noch eine 18-monatige Weiterbildung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung im stationären Bereich. Bisher waren es 24 Monate.

Zur eigentlichen Weiterbildung müssen nach wie vor sechs Monate in Intensivmedizin, Anästhesiologie oder in der Notfall-Aufnahme sowie ein 80-Stunden-Kursus in allgemeiner und spezieller Notfallbehandlung absolviert werden.

Neu ist außerdem, dass die Hälfte der 50 vorgeschriebenen Einsätze im Notarztwagen oder Rettungshubschrauber künftig auch am Simulator erbracht werden können. "Dabei soll ja der Einsatz lebensrettender Maßnahmen gelernt werden", erläuterte Kammer-Geschäftsführer Hoffmann. Diese Maßnahmen seien aber längst nicht immer nötig, wenn der Notarzt gerufen wird.

Am Simulator kann dagegen genau geübt werden, was für die Weiterbildung wichtig ist. Das Training soll in der Rettungsschule des Roten Kreuzes in St. Ingbert stattfinden. "Dort ist alles machbar", äußerte sich Hoffmann begeistert, "die haben sogar Puppen, die reden mit ihnen".

"Das dürfte eine deutliche Verbesserung der Ausbildung bringen", äußerte sich auch Kammer-Präsident Dr. Josef Mischo optimistisch. Das Training am Simulator sei bundesweit etwas Besonderes. Daher wolle man die neue Ausbildungsweise auch evaluieren und bei Bewährung auf Bundesebene vorschlagen.

Kleinere Änderungen gibt es bei der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin. Es bleibt bei der Weiterbildungszeit von fünf Jahren. Bei den drei Jahren stationärer Basis-Weiterbildung in der Inneren Medizin können künftig aber 18 statt 12 Monate Tätigkeit in der unmittelbaren Patientenversorgung auch im ambulanten Bereich angerechnet werden.

Bei den zwei Jahren Weiterbildung in der ambulanten hausärztlichen Versorgung ist neu, dass dabei sechs Monate Tätigkeit in der Chirurgie angerechnet werden. Bei der internistischen Weiterbildung wurden die hausärztlichen Elemente gestrichen.

Für Diskussionen sorgte, dass das Thema "Impfen" aus den allgemeinen Inhalten der Weiterbildung gestrichen wurde. "Das ist absolut kontraproduktiv und qualitätsmindernd", meinte etwa der St. Ingberter Allgemeinmediziner Dr. Bernhard Leyking. Die Merziger Kinderärztin Dr. Sigrid Bitsch beklagte "ausgeprägte Defizite" bei den Kenntnissen der aktuellen Impfempfehlungen.

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