Ärzte Zeitung, 23.09.2011

Bremen geht dem MRSA-Keim an den Kragen

Geld fürs MRSA-Screening: Niedergelassene Ärzte in Bremen erhalten bald ein Extrahonorar, wenn sie Patienten auf den Krankenhauskeim untersuchen. Wie viel, steht noch nicht fest - KV und Kassen verhandeln eifrig.

Von Christian Beneker

Ambulantes MRSA-Screening nimmt in Bremen Fahrt auf

Zur Risikogruppe für eine MRSA-Besiedlung gehören vor allem ältere Menschen.

© Blue-Fox / Fotolia

BREMEN. Bremen hat den MRSA-Keimen den Kampf angesagt. Patienten elf verschiedener Risikogruppen sollen von niedergelassenen Ärzten ab Januar 2012 vor einer Klinikeinweisung auf MRSA-Besiedelung gescreent werden.

Die dafür notwendige Vergütungsregelung für ambulant versorgte MRSA-Patienten soll nach dem Willen des Gesetzgebers ab dem 1. Januar 2012 gelten.

Derzeit wird ambulantes Screenen und die Behandlung nicht vergütet. Über die neue Abrechnungsmöglichkeit sollen auch Daten über die betroffenen Patienten gesammelt werden.

"Patienten bringen Keime schon mit in die Klinik"

Gescreent und gegebenenfalls behandelt werden sollen in Bremen unter anderem Patienten mit bekannter MRSA-Anamnese, Brandverletzte, Patienten aus Altenpflegeheimen oder mit chronischen Wunden sowie dialysepflichtige Patienten, teilte die AOK Bremen/Bremerhaven mit.

"Rund 80 Prozent aller Krankenhauspatienten mit MRSA haben die Keime schon mit in die Klinik gebracht", beschreibt Dr. Axel Kappler vom Hygiene-Institut am Bremer Klinikum Mitte das Problem. Bisher übernehmen es die Bremer Kliniken, die Patienten auf MRSA zu untersuchen und zu sanieren.

"Drehtüreffekt" soll vermieden werden

Aber diese Praxis hat Grenzen. Denn oft werden Patienten vor dem Ende der MRSA-Behandlung entlassen, weil sie von ihrer Grunderkrankung geheilt wurden, erklärt Kappler, "sie kommen also mit den Keimen aus der Klinik".

An dieser Stelle würden künftig niedergelassene Ärzte Verantwortung übernehmen, die Patienten schon vor der Einweisung auf MRSA screenen und behandeln, um einen späteren "Drehtüreffekt" zu verhindern.

Höhe der Vergütung nicht geklärt

Über die Höhe der Vergütung schweigen sich die KV Bremen und die Krankenkassen aus. "Wir sind in Verhandlungen", sagte der Chef der KV Bremen, Dr. Jörg Hermann.

Die ambulante Versorgung sei in jedem Fall billiger als in der Klinik, so Hermann. Bis Ende Oktober soll die Bremer Vereinbarung stehen, hieß es.

Bremen ist schon sehr weit

Im Vergleich zu anderen Bundesländern sei der Prozess in Bremen sehr weit gediehen, erklärte Jörn Hons, Sprecher der AOK Bremen/ Bremerhaven.

Im Jahr 2006 hat die Gesundheitsministerkonferenz der Länder beschlossen, dass regionale Netze zur MRSA-Prävention geschaffen werden sollen. 2008 gründete Bremen dann den Runden Tisch zur MRSA-Prävention.

AOK hat Vorarbeit geleistet

Im August 2009 schließlich unterzeichneten alle Bremer Krankenhäuser und viele Labors eine Selbstverpflichtung mit Mindestanforderungen zum MRSA-Screening und gründeten damit das "MRSA Netzwerk Land Bremen".

Die AOK habe zur jetzigen Regelung "massive Vorarbeit" geleistet, sagte Hons. So könne man etwa nach Gesprächen mit mehreren Unternehmen ein "MRSA-Kit" eines Herstellers anbieten.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »