Ärzte Zeitung, 06.10.2011

Versorgungs-Beirat soll Kirchturmpolitik verhindern

In Baden-Württemberg nimmt ein Landesbeirat im Sozialministerium die Versorgung in Klinik und Praxis unter die Lupe. Kritiker zweifeln am Sinn des neuen Gremiums.

STUTTGART (fst). Ein neuer Landesbeirat bei der baden-württembergischen Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) soll helfen, die Gräben zwischen ambulanter und stationärer Versorgung kleiner zu machen.

Vertreten in dem Gremium sind Krankenkassen, KV, Zahnärzte, Landeskrankenhausgesellschaft und die kommunalen Landesverbände.

Der Beirat biete allen Teilnehmern die Möglichkeit, "sich über neue und flexiblere Formen der Versorgung und der Bedarfplanung auszutauschen", sagte Altpeter nach der konstituierenden Sitzung am Mittwoch.

Arbeitsprogramm des Bereits noch nicht festgelegt

Bisher verläuft die Bedarfsplanung in der ambulanten und stationären Versorgung in separaten Verfahren - obwohl die Überschneidungen zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten zunehmen.

Dies verdecke, wo regional für die Versorgung noch Ressourcen gehoben werden könnten. Arbeitsprogramm und Tagungsrhythmus des Beirats seien noch nicht festgelegt, sagte eine Ministeriumssprecherin der "Ärzte Zeitung".

Notfallversorgung auf der Agenda

Auf der Agenda steht zunächst die Notfallversorgung im ambulanten Bereich. Die KV Baden-Württemberg begrüßt das neue Forum im Sozialministerium, sagte ihr Sprecher Kai Sonntag.

Man stehe mit den anderen Akteuren wie beispielsweise dem Landkreistag ohnehin permanent im Gespräch. Der Beirat ändere die gesetzlichen Zuständigkeiten und Rahmenbedingungen allerdings nicht, stellte Sonntag fest.

Baden-Württemberg sieht sich in Vorreiterrolle

Baden-Württemberg sieht sich mit dem Beirat in einer Vorreiterrolle, da ein derartiges sektorenübergreifendes Gremium auch im geplanten Versorgungsgesetz vorgesehen ist.

Kritiker wenden ein, es fehle im Gesundheitswesen nicht an Arbeitskreisen. Ob die Versorgung durch die Arbeit des neuen Beirats tatsächlich positiv beeinflusst werde, sei zweifelhaft, zudem binde er Zeit und Geld.

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