Nord-KV: Note 3- für das Versorgungsgesetz

Veröffentlicht:

Die KV Schleswig-Holstein hält das Landarztgesetz nur für "befriedigend", sieht aber positive Entwicklungen.

Von Dirk Schnack

KIEL. Befriedigend bis ausreichend - für eine bessere Note reicht es beim Versorgungsstrukturgesetz nicht, meint Schleswig-Holsteins KV-Vorsitzende Dr. Ingeborg Kreuz. Immerhin erkennt sie an: "Die Richtung stimmt."

Kreuz sieht im Gesetz eine Stärkung der Freiberuflichkeit und der Selbstverwaltung. Konkrete Fortschritte, die Ärzte flächendeckend in die Landarztpraxen locken könnten, sind nach ihrer Ansicht aber nicht enthalten. Positive Ansätze für den Norden sind etwa:

Aufhebung der Residenzpflicht: Damit könnten Ärzte, die in Hamburg wohnen, etwa in die nahe gelegenen Kreise Steinburg oder Dithmarschen pendeln. In beiden Regionen wollen viele Ärzte demnächst Praxen abgeben.

Erschwerte Verlegung aufgekaufter Praxen durch MVZ: In den vergangenen Jahren hatten mehrere Klinikträger im Norden Sitze übernommen und zum Teil an ihre Zentren verlegt. Dies soll künftig vom Zulassungsausschuss nur noch erlaubt werden, wenn die Versorgung vor Ort nicht leidet.

Regionalisierung: Honorarverhandlung und -verteilung liegen künftig wieder bei der Selbstverwaltung vor Ort. Davon verspricht man sich in Schleswig-Holstein einiges, weil auch die Kassen vor Ort besser erkennen, welche regionalen Versorgungsdefizite durch gezielte Förderung ausgeglichen werden können.

Abwarten auf den GBA

Die Flexibilisierung und Regionalisierung der Bedarfsplanung dagegen kann für den Norden keine Wirkung entfalten, so lange für den Begriff der Unterversorgung noch die alte Definition gilt.

Danach gibt es im Norden keine Unterversorgung - und damit keine neuen Unterstützungen. Kreuz wartet auf eine Konkretisierung durch den GBA.

So lange die neue Bedarfsplanung nicht steht, trifft der Begriff strukturschwaches Gebiet in Schleswig-Holstein auf keine Region zu.

Damit kann auch die von vielen kritisierte Abstaffelung für Landärzte nicht ausgesetzt werden und die Selbstverwaltungspartner können keine besonders förderungsfähigen Leistungen und Leistungserbringer unterstützen.

Glücklich über den Fonds

Froh ist man im Norden, dass schon in diesem Jahr mit den Krankenkassen ein Fonds vereinbart wurde, aus dem Landärzte unabhängig von den Begriffsbestimmungen der geltenden Bedarfsplanung unterstützt werden.

In diesem Jahr wurden daraus 50 Landarztpraxen mit insgesamt 1,05 Millionen Euro gefördert. Im kommenden Jahr stehen zwei Millionen Euro zur Verfügung.

Kaum Interesse, Praxen aufzukaufen

Wenig Interesse hat die Nord-KV an der mit dem Gesetz geschaffenen Möglichkeit, Praxen aufzukaufen. Kreuz bezeichnete dies als "letztes Mittel", weil das hierfür aufgewendete Geld aus der Gesamtvergütung abgezweigt werden muss.

Denkbar wäre eine solche Lösung für Kreuz etwa, um die Versorgung auf kleinen Inseln zu gewährleisten.

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

KV Thüringen

Akutpraxis in Gera: Praxismodell gegen den Ärztemangel

Systematisches Review

Kortikosteroide bei schwerer Pneumonie wahrscheinlich nützlich

Lesetipps
Nie wieder spritzen? Small Molecules wie Orforglipron (C48H48F2N10O5) haben viele Vorteile gegenüber herkömmlichen Inkretinmimetika, etwa orale Einnahme, leichtere Lagerung und niedrigere Kosten.

© Kassandra / stock.adobe.com

Innovative Diabetestherapie

Nicht-peptidische GLP-1-Rezeptoragonisten am Start

Eine Frau sitzt einem älterem Arzt gegenüber.

© Jonas Glaubitz / stock.adobe.com

Nachsorge

Welche Unterstützung Krebspatienten von ihren Hausärzten erwarten

Eine Frau fässt sich mit den Händen an die Brust

© Art_Photo / stock.adobe.com

Unterschiede der Geschlechter

Herzinfarkte und Ischämie bei Frauen: Was ist wirklich anders?