Ärzte Zeitung, 08.06.2012

Verliert die Ärztegenossenschaft an Bedeutung?

Politische Weichenstellungen, Geschäftszahlen und aktuelle Projekte: Die jährliche Generalversammlung der Ärztegenossenschaft Nord ist ein wichtiger Termin. Doch diesmal besuchten nur 50 der über 2000 Mitglieder die Veranstaltung. Ein schlechtes Omen?

Von Dirk Schnack

RENDSBURG. Politische Weichenstellungen, Geschäftszahlen und aktuelle Projekte: die jährliche Generalversammlung der Ärztegenossenschaft Nord ist ein wichtiger Termin, dem Aufmerksamkeit gebührt.

Und wenn 2235 Ärzte freiwillig einer Organisation angehören, für die sie auch noch Anteile kaufen, darf zur Jahresversammlung mit Interesse gerechnet werden.

Im großen Saal des Rendsburger Arsenals blieben aber auch in diesem Jahr viele Stühle unbesetzt - maximal 50 Teilnehmer waren gekommen, unter ihnen auch eine Reihe von Gästen, die nicht zu den 2235 Mitgliedern zählen. Die Interpretationen über den mäßigen Andrang gingen auseinander.

Bittmann: Mehrzahl der Mitglieder zufrieden

Fest steht für Genossenschaftschef Dr. Klaus Bittmann: "Die Genossenschaft war und ist der richtige Weg für die Ärzte." Doch warum interessieren sich so wenige Ärzte für die wichtigste Versammlung der Organisation? Ein Besucher rätselte: "Täusche ich mich oder schläft die Genossenschaftsidee langsam ein?"

Davon kann nach Ansicht Bittmanns keine Rede sein. Er verwies auf die gute Resonanz der Ärzte auf die Genossenschafts-Dienstleistungen und die zahlreichen Anfragen von Ärzten zu vielen Fragen rund um die Praxisführung.

Dass die Genossen schon längst keine Säle mehr füllen, könnte laut Bittmann auch als Zeichen, dass die Mehrzahl der Mitglieder zufrieden ist, gewertet werden.

Zugleich beobachtet er eine "schleichende Gewöhnung ans System". Menschenmassen aber konnte die Genossenschaft immer dann mobilisieren, wenn Proteststimmung herrschte.

Derzeit erfordert die politische Wetterlage nach Einschätzung Bittmanns eben keine Proteste und Grundsatzdiskussionen, sondern eine Umsetzung der bestehenden Kooperationsmöglichkeiten.

Genossenschaft strickt Konzept zur ambulanten Versorgung

Ärzte verkennen dabei nach Beobachtung Bittmanns bisweilen, dass sie ihre Chancen jetzt nutzen müssen, weil andere Akteure sich längst auf den Weg gemacht haben, um in der ambulanten Versorgung Fuß zu fassen.

Die Genossenschaft feilt derzeit an einem Konzept zur ambulanten Versorgung auf dem Land, das zunächst noch hinter den Kulissen mit den Akteuren vor Ort besprochen wird.

Ob dies als Erklärung für den mäßigen Andrang reicht? Vielleicht war Bittmann selbst nicht ganz unschuldig. Im ersten Satz der von ihm unterzeichneten Einladung zur Generalversammlung hieß es: "Unsere Tagesordnung ist zwar nüchtern und spröde und folgt den Regularien des Genossenschaftsrechtes." Für diesen Einstieg war der Besuch doch noch ganz ordentlich.

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