Ärzte Zeitung, 02.07.2012

Pädiater beklagen schlechte Situation armer Kinder

BERLIN (ras). Die Entwicklungschancen von Kindern, die in prekären Lebenslagen und in bildungsfernen Familien leben, sind in Deutschland schlechter als in anderen EU-Staaten.

Beratungsangebote allein reichten nicht aus, um ungleiche Gesundheitschancen zu kompensieren, sagte Dr. Ulrich Fegeler, Pädiater aus Berlin-Spandau und Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), beim Kinder- und Jugendärztetag in Berlin.

Dies habe sich beispielsweise bei einer Studie in Berlin gezeigt, die die Effekte von Beratung auf die Unfallprävention ermittelt hat.

42 Prozent der gut gebildeten Eltern hätten von der Beratung profitiert, dagegen sei bei bildungsfernen Eltern der Effekt nahezu verpufft, berichtete er.

Laut Fegeler könnten bildungsferne Familien mit Gesundheitsangeboten nur dann erreicht werden, wenn diese mit Unterstützungs- und Beratungsleistungen verknüpft wird.

So sei eine Adipositas-Beratung in der Arztpraxis nur dann effektiv, wenn sie von Maßnahmen in der Schule (Schulfach Gesundheit) oder Angeboten in Sportvereinen flankiert werde.

Nach seiner Ansicht sollten Pädiater diese Herausforderung einer "politischen Kindermedizin" stärker annehmen und Druck auf Entscheidungsträger auf allen Ebenen ausüben.

Topics
Schlagworte
Berufspolitik (19226)
Pädiatrie (9044)
Organisationen
BVKJ (459)
Krankheiten
Adipositas (3360)
Personen
Ulrich Fegeler (51)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Ärzte gehen auf Gegenkurs zu Schokoriegel und Cola

Pädiater sind alarmiert: Adipositas bei Kindern wird zunehmend zu einem sozialen Problem. Jetzt setzen sie ihre eigene Agenda und gehen auf Distanz zur Ernährungsindustrie. mehr »

Debakel für ASS

Acetylsalicylsäure schützt ältere Menschen nicht vor Herz-Kreislauferkrankungen - im Gegenteil: Ihr Sterberisiko ist erhöht. Dieses überraschende Ergebnis offenbart die ASPREE-Studie. mehr »

Doktor THC und Mister Cannabidiol

Cannabis steht im Verdacht, Psychosen durch den Wirkstoff THC auszulösen. Die Pflanze enthält aber auch antipsychotische Substanzen, die die Hirnfunktion in kritischen Bereichen normalisiert. mehr »