Ärzte Zeitung, 03.12.2012

Mecklenburg-Vorpommern

Zoff um ambulante Versorgung

In Mecklenburg-Vorpommern schwillt ein Streit zwischen der KV und der Krankenhausgesellschaft über die ambulante Versorgung. Von "Märchen" und "falscher Rechnerei" ist die Rede.

Von Dirk Schnack

Zoff um ambulante Versorgung

Schießt gegen die KGMV: KV-Vorstand Fridjof Matuszewski.

© KV Mecklenburg-Vorpommern

SCHWERIN. Zwischen den Organisationen von Kliniken und Ärzte in Mecklenburg-Vorpommern herrscht dicke Luft. Jüngstes Beispiel: Die KV ist verärgert über eine Darstellung der Krankenhausgesellschaft (KGMV) zur ambulanten Versorgung.

"Märchen", "fragwürdige Zahlen", "falsche Rechnerei": Mit solchen Vokabeln reagierte der Schweriner KV-Vorstand auf den Anspruch der KGMV, eine starke Rolle in der ambulanten Versorgung des Landes spielen zu wollen.

2011 hatten die Kliniken laut KGMV 840.000 Menschen ambulant behandelt. Die KV versucht nun, die Zahl zu relativieren. Insgesamt registrierte sie mehr als 12,4 Millionen ambulante Behandlungsfälle für 2011 - auf die Kliniken entfielen somit unter sieben Prozent.

Diesen Anteil erreichen sie aber nur, weil KGMV-Geschäftsführer Wolfgang Gagzow laut KV auch die Behandlungsfälle in Klinik-MVZ und von ermächtigten Ärzten mitgerechnet habe.

KV: Keine großzügigen Geschenke

"Herr Gagzow schreibt sich Fälle auf den Rechnungsblock, die kein Klinikarzt behandelt hat", sagte KV-Vorstandsmitglied Fridjof Matuszewski.

Er verwies darauf, dass alle im MVZ praktizierenden Ärzte KV-Mitglieder seien. Ähnlich sei es mit ermächtigten Ärzten, die für die Behandlungen KV-Mitglieder seien.

Auch die Frage nach gleich langen Spießen zwischen Kliniken und Praxen treibt beide Organisationen um.

Die Kliniken verweisen auf hohe Vorhaltekosten und Hygieneanforderungen, die KV spricht von "stattlichen Förderungen" für Modernisierungen in Kliniken - immerhin rund 76,5 Millionen Euro in 2011.

Die KV hierzu: "Die niedergelassenen Ärzte können mitnichten auf solch großzügige Geschenke zurückgreifen. Sie müssen alle notwendigen Praxisumbauten und medizinische Neuanschaffungen aus eigner Kraft erwirtschaften."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
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