Ärzte Zeitung, 15.01.2013

Managed Care

Mehr Delegation wagen

Wie können Patienten in ländlichen Regionen künftig versorgt werden? Experten sehen die Notwendigkeit für mehr Delegation - weil hausärztliche Arbeit zu teuer wird.

Von Thomas Trappe

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Gespräch zwischen Gemeindeschwester und Patientin: In schwer zu versorgenden Regionen kann die Delegation eine Chance sein.

© Christian Thiel / imago

LEIPZIG. Um die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen sicherzustellen, sind berufsgruppenübergreifende Modelle unausweichlich, und damit auch die Substitution ärztlicher Leistungen.

Davon zeigte sich Dr. Jürgen Faltin, Referatsleiter für Gesundheitsrecht im rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium, bei der jüngsten Tagung des Bundesverbands Managed Care (BMC) in Leipzig überzeugt.

Beim Workshop "Berufsübergreifende Lösungen für schwer zu versorgende Regionen" zog Faltin sein Fazit: "Hausärztliche Arbeitskraft ist zukünftig zu knapp und auch zu teuer, um alle heute von einer hochwertigen Hausarztversorgung zu erbringenden Leistungen sicherstellen zu können."

Obwohl der demografische Wandel und seine Auswirkungen für die Ärzte bekannt ist, seien Ärzte noch nicht genügend darauf vorbereitet, "die Versorgung einer großen Zahl alter, zum Teil multimorbider Patienten zu organisieren und zu gewährleisten". Das sei weniger eine fachliche als organisatorische Herausforderung.

Faltin warb zunächst für die Delegation ärztlicher Leistungen. Diese müsste sowohl im ambulanten wie auch stationären Bereich ausgeweitet werden - was wiederum Kosten senke, Ärzte entlaste und nicht zuletzt "pflegerische Tätigkeit aufwertet".

Neue Berufsfelder entwickeln

Allerdings bedeute Delegation immer auch, dass der Arzt weiterhin involviert sei und so Arbeitszeit investiert werden müsse. Deswegen sei Substitution unabdingbar, vor allem im Sinne der unterversorgten Regionen mit vielen älteren Patienten.

Faltin verwies darauf, dass das Versorgungsstrukturgesetz es grundsätzlich ermögliche, die Übertragung ärztlicher Tätigkeiten auf Alten- und Krankenpfleger in Modellprojekten zu erproben.

"Auf Basis dieser Richtlinie können neue Berufsbilder entstehen, die ähnlich den Hebammen selbstständig Patienten betreuen und versorgen." Zum Beispiel in der Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden oder von Schmerzpatienten in der Geriatrie oder bei Hypertonie.

Neue Berufsfelder im Pflegebereich könnten so entstehen, sagte Faltin. Dabei gehe es allerdings nicht alleine um Substitution, sondern um den Abbau von Grenzen - sowohl zwischen pflegerischer und medizinischer Versorgung, als auch zwischen Praxis- und Klinikärzten.

"Bei häufig auftretenden Erkrankungen älterer Menschen ist konsequente Vernetzung zwischen Krankenhaus, niedergelassener Ärzteschaft und Pflegeanbietern sinnvoll."

Leider würden aber "Ansätze zur Bildung übergreifender Teams, zum Beispiel bei der Betreuung an Demenz erkrankter Menschen im Versorgungsgesetz nicht ausreichend berücksichtigt".

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