Ärzte Zeitung, 25.04.2013
 

Nordrhein

Junge Ärzte sehen ihre Kammer kritisch

Die Ärztekammer Nordrhein schaut sich über die eigene Schulter - und mit einer Befragung unter ihren Mandatsträgern. Heraus kam: Wer jung und weiblich ist, bewertet die Kammer besonders kritisch. Der Vorstand verspricht Konsequenzen.

Von Ilse Schlingensiepen

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Mandatsträger bewerten die Kammer als "begrenzt mitgliederorientiert" - das soll sich ändern.

© schuckart / fotolia.com

DÜSSELDORF. Ärzte, die sich ehrenamtlich in der Ärztekammer Nordrhein (ÄKNo) engagieren, sind im Wesentlichen mit der Kammer zufrieden, aber insbesondere junge Ärzte sehen Verbesserungspotenzial.

Das zeigt eine Befragung der ÄKNo. Der Kammervorstand will jetzt Konsequenzen aus den Ergebnissen ziehen - und fasst langfristig eine Erhebung unter allen Mitgliedern ins Auge.

Die Kammer hatte gemeinsam mit der Deutschen Hochschule für öffentliche Verwaltung in Speyer einen umfassenden Fragebogen entwickelt und online an 300 ehrenamtliche Mandatsträger aus der Kammerversammlung sowie den Kreisstellen geschickt.

213 Ärzte beteiligten sich an der anonymisierten Umfrage, das waren 71 Prozent. Sowohl Frauen als auch jüngere Ärzte sind im Ehrenamt und deshalb auch in der Befragung unterrepräsentiert.

Wahlbeteiligung ist im Sinkflug

Bei den vergangenen Kammerwahlen sei die Wahlbeteiligung kontinuierlich zurückgegangen, insbesondere bei den jüngeren Ärzten, skizzierte der stellvertretende Geschäftsführer Ulrich Langenberg auf der Versammlung der Kammer Nordrhein in Düsseldorf den Hintergrund der Aktion.

"Der Vorstand hat sich gefragt, wie wir die Identifikation der Kammermitglieder mit der Kammer steigern können." Von der Befragung der ehrenamtlichen Mandatsträger erhoffte sich die ÄKNo erste Erkenntnisse.

Auf einer Notenskala von 1 (sehr gut) bis 5 (mangelhaft) haben die Teilnehmer der ÄKNo im Durchschnitt eine Gesamtbewertung von 2,4 gegeben. Deutlich höher ist die Zufriedenheit mit den Kreis- und Bezirksstellen, die auf eine 1,8 kommen.

Überdurchschnittlich gute Einzelnoten erhalten die Gutachterkommission, das Meldewesen und die Kammer-Homepage. Die Erreichbarkeit, der Service und die Beratung durch die Kammer-Mitarbeiter schneiden in den Augen der Ehrenamtler gut ab.

Eher unzufrieden sind viele Ärzte dagegen mit der Verständlichkeit, der Begründung und der Schnelligkeit von Entscheidungen, berichtete Langenberg.

"Die Kammer wird überwiegend als eher bürokratisch, wenig flexibel, eher konservativ und begrenzt mitgliederorientiert gesehen." Deutliches Verbesserungspotenzial sehen die Befragten bei Information und Kommunikation.

Umfrage unter allen Mitgliedern

Die Öffentlichkeitsarbeit und die Interessenvertretung schneiden mit einer Note von 2,8 etwas schlechter ab als andere Tätigkeitsfelder der Kammer. Auch die Bereiche Finanzen, Berufsaufsicht und Weiterbildung werden kritisch gesehen.

Besonders skeptisch fällt die Bewertung der ÄKNo durch die jüngeren Mediziner aus, berichtete Langenberg. Zwar kommen nach Angaben der Wissenschaftler aus Speyer generell mehr Kritik von Jüngeren als von Älteren.

"Aber sie haben uns darauf hingewiesen, dass die Unterschiede hier deutlich stärker sind als sonst." Die Frauen sehen tendenziell mehr Mängel als die Männer.

Die Kammer müsse jetzt Konsequenzen aus den Ergebnissen der Befragung ziehen, sagte ÄKNo-Präsident Rudolf Henke. "Es bleibt nicht bei der bloßen Kenntnisnahme dieser Befunde", versprach er.

Im Bereich der Weiterbildung habe die Kammer bereits die Anstrengungen intensiviert, nach und nach würden weitere Bereiche in Angriff genommen.

Langfristig plane die ÄKNo auch eine Umfrage unter allen Mitgliedern, sagte Henke. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es dafür aber noch zu früh. Die Kammer will erst einmal die Anregungen umsetzen, die sie aus der Befragung der ehrenamtlichen Mandatsträger erhalten hat.

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