Ärzte Zeitung, 11.05.2015

KBV-Chef Gassen

Zwischen Appell und Vorwärtsverteidigung

Kein leichter Job für KBV-Chef Dr. Andreas Gassen: Vor der KBV-VV wurde intern vor allem übereinander geredet. Auf der Veranstaltung selbst hat Gassen den Spagat zwischen politischem Appell und Verteidigung in eigener Sache versucht.

Von Florian Staeck

FRANKFURT/MAIN. Der KBV-Vorsitzende Dr. Andreas Gassen hat nach den internen Zerwürfnissen der vergangenen Wochen die Delegierten der KBV-Vertreterversammlung vor politischem Bedeutungsverlust gewarnt.

"Wir werden vor allem als Blockierer gesehen, die sich in Besitzstandswahrung üben", sagte er zum Auftakt der Vertreterversammlung am Montag in Frankfurt.

Das mit Spannung erwartete Treffen der 60 Delegierten war im Vorfeld von vielen Indiskretionen begleitet worden. Es handele sich "nicht um einen Routine-Termin", sagte Gassen.

Vielmehr gehe es um eine "Positionsbestimmung der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen".

Die Gesetzgebung zum Versorgungsstärkungsgesetz "lässt uns kaum noch Spielräume, eigene Lösungen anzubieten", so Gassen. Die KBV müsse "raus aus der Defensivrolle".

Eigentlich besitze das KV-System alle Voraussetzungen, "selbst Schrittmacher für die Politik zu sein", da man, anders als andere Player, alle Segmente der Versorgung abdecke.

Im Modus der Selbstverteidigung

Wie weit der augenblickliche Zustand der KBV von dieser Idealbeschreibung entfernt ist, wurde dadurch deutlich, dass Gassen einen großen Teil seines Auftritts für die Selbstverteidigung reservierte.

Taktisch geschickt nahm er in einer "persönlichen Erklärung" zu den Vorwürfen Stellung, er habe seine Position im Spitzenverband der Fachärzte mit seinem Amt als KBV-Vorsitzender vermengt.

Er habe seit Amtsantritt sein Amt im SpiFa ruhen lassen. Da er aber weiter im Vereinsregister eingetragen gewesen sei, habe er, um den SpiFa nicht handlungsunfähig zu machen, einzelne Vorgänge mitzeichnen müssen.

Seine Gegner konnten oder wollten in öffentlicher Sitzung nicht zu den Vorwürfen Stellung nehmen, nur die Sichtweise Gassens wurde so öffentlichkeitswirksam präsentiert.

Gassen wies insbesondere Vorwürfe zurück, er habe mit der von ihm befürworteten Streichung des Kriteriums "schwere Verlaufsform" in der Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) die Öffnung der Krankenhäuser provoziert, und zwar ohne gleiche Wettbewerbsbedingungen.

Er konnte damit nicht alle Delegierten überzeugen. Er gönne jedem Kollegen die ASV, so ein KBV-Vertreter, "aber nicht zu Lasten der fachärztlichen Grundversorgung".

Neue Honorarstrategie

Vor dem Hintergrund des internen Zwists um die ASV ging fast unter, dass die KBV mit einer veränderten Strategie in die Honorarverhandlungen mit den Kassen gehen möchte.

Dazu wurde bereits ein Katalog von Versorgungszielen verarbeitet, die aus Sicht der KBV besonders gefördert werden sollten. Dazu gehört

- Sicherstellung der ärztlichen Versorgung beim Älterwerden

- Förderung der Versorgung beim Aufwachsen

- Förderung in der Grundversorgung in der Psychiatrie und Psychotherapie

- Verbesserung der Schnittstelle zwischen konservativer und ambulant operativer Versorgung

- Schaffung bundeseinheitlicher Vergütungen in besonderen Leistungsbereichen.

Imagekampagne geht weiter

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Der besondere Versorgungsaufwand bei diesen Patientengruppen sei bisher nicht im EBM abgebildet, sagte Gassen. Dazu gehöre beispielsweise die kontinuierliche Beratung der Betroffenen und ihrer Angehörigen oder die Koordination ärztlicher und pflegerischer Maßnahmen.

Gassen kündigte an, dass jenseits interner Scharmützel das Bild der ambulant tätigen Ärzte in Deutschland weiter von der KBV-Imagekampagne "Wir arbeiten für Ihr Leben gern" poliert werden soll. Man werde den Kurs beibehalten, die Kampagne angesichts des Versorgungsstärkungsgesetzes politisch zuzuspitzen.

Ab Ende Mai sollen die Plakate in 80 Städten zu sehen sein. In Frankfurt wurde das vor dem Tagungshotel schon einmal geprobt mit Plakaten wie: "Kommt ein Mann zum Arzt. Keiner da."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Compliance und Professionalität

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