Ärzte Zeitung, 02.05.2016

Honorare

Laborärzte fordern Reform

Die Volllabore der spezialisierten Laborärzte stehen abrechnungstechnisch in Konkurrenz zu den Praxislaboren der Haus- und Fachärzte. Die Laborärzte fordern nun eine Entwirrung der ins Kraut geschossenen Regulierung.

Von Anno Fricke

BERLIN. Mit der steigenden Morbidität in der Bevölkerung steigt die Masse der Laborleistungen zwangsläufig an.

Für rund 400 von 1000 Patienten würden in Prävention, Diagnosefindung und Therapiekontrolle labormedizinische Parameter angefordert, umschreibt der Vorsitzende des Berufsverband Deutscher Laborärzte, Dr. Andreas Bobrowski, das Ausmaß anfallender Arbeit.

An der Sicherung von 65 bis 70 Prozent aller Diagnosen hätten die Ergebnisse der Laboratoriumsmedizin entscheidenden Anteil. Knapp 900 Millionen Datensätze verarbeiten und versenden die medizinischen Laboratorien dafür jedes Jahr.

Die wachsende Bedeutung des Fachs und die rasanten Strukturveränderungen spiegeln sich nach Ansicht Bobrowskis in der Vergütung nicht wider. Zentrale politische Forderungen des Verbandes sind daher die Aufgabe von Kappungen und Quoten im EBM, die Anhebung des kalkulatorischen Arztlohns für die Fachärzte für Labormedizin auf ein allgemeines Niveau, generell eine Anhebung der Honorare für laborärztliche Leistungen und zusätzliche Vergütungen für den einsendenden Arzt, um die Qualität der Proben anzuheben.

Eine solche Präanalytik-Pauschale sollte an die Stelle des Wirtschaftlichkeitsbonus von 290 Millionen Euro im Jahr treten, der für Haus- und Fachärzte um so höher ist, je weniger Laborleistungen sie veranlassen.

Neue Honorierungssystematik erarbeitet

Im Auftrag des BDL hat das Institut für Mikrodaten-Analyse (IfMDA) in Kiel die aktuelle Situation der Laborärzte analysiert und Vorschläge für eine zielgenauere Honorierungssystematik erarbeitet.

2013 erhielten die spezialisierten Laboratoriumsmediziner demnach 1,12 Milliarden Euro an GKV-Honoraren. Das waren 3,38 Prozent der Gesamtvergütung von 33,142 Milliarden Euro.

Haus- und Fachärzte erzielten aus ihren Praxis- und Teillaboren Umsätze in Höhe von 1,07 Milliarden Euro. Laborleistungen schlugen im Berichtsjahr also mit insgesamt rund 2,2 Milliarden Euro bei der GKV zu Buche.

Die höchsten Umsätze wurden mit der Laborgrundpauschale (GOP 12220) und quantitativen Bestimmungen (GOP 32460) erzielt, die zusammen für annähernd 100 Millionen Euro an Mittelzuflüssen verantwortlich zeichneten.

Der Untersuchung von IfMDA-Leiter Dr. Thomas Drabinski zufolge ist eine Reform der Labor-Vergütung durch die Kassenärztlichen Vereinigungen überfällig.

Grund: Alle Arztgruppen nehmen an der Labor-Vergütung teil. Entstanden sei ein umfangreiches Regulierungskonstrukt mit den unterschiedlichsten Anreiz-, Budget- und Mengenmechanismen. Zudem stehe die Labor-Vergütung in Konkurrenz zur haus- und fachärztlichen MGV-Vergütung.

Die Anteile der Laborarbeit am Honorarumsatz je Behandlungsfall differierten in den Versorgungsbereichen jedoch erheblich, sagte Drabinski bei der Vorstellung des Gutachtens.

So erreiche der Anteil bei den Hausärzten kaum fünf Prozent und bei den Fachärzten zwischen fünf und 75 Prozent. In den Volllaboren der Laboratoriumsmediziner erreiche der Anteil jedoch regelmäßig mehr als 75 Prozent des Umsatzes je Behandlungsfall.

Mehrere Reformoptionen

Drabinski schlägt in seinem Gutachten acht Reformoptionen vor, um einen Ausgleich zwischen den Spezialisten für Laboratoriumsmedizin und den Haus- und Fachärzten zu schaffen, die Laborleistungen veranlassen oder in geringerem Umfang als Spezialisten selbst erbringen.

- Extrabudgetäre Vergütung der Honorare für die Spezialisten; das Volumen lag 2013 bei rund 52 Millionen Euro für die 1140 Laboratoriumsmediziner (andere Zählweisen möglich).

- Aussetzung oder Neu-Kalibrierung der Abstaffelungsquote von derzeit 91,7 Prozent.

- Abschaffung des Wirtschaftlichkeitsbonus für Haus- und Fachärzte; Volumen 290 Millionen Euro im Jahr.

- Anhebung des kalkulatorischen Arztlohns auf die von der KBV geforderten 133.000 bis 157.000 Euro im Jahr.

- Bereinigung der Honorarverteilung; Pauschalen für E-Health, Präanalytik, Notfälle, Mitarbeit an Leitlinien und Regionale Besonderheiten.

- Versorgungsanreize durch Labor-Pauschalbudgets für Haus- und Fachärzte.

- Neubewertung der Laborleistungen im EBM (Kapitel 32.2 und 32.3).

- Zielgenauere Steuerung der Abrechnung zwischen Spezialisten, Haus- und Fachärzten über die Gebührenordnungs-Positionen.

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