Ärzte Zeitung online, 30.01.2017
 

KBV-Qualitätsbericht

Immer mehr Patienten nehmen an DMP mit Erfolg teil

6,6 Millionen Patienten waren Ende 2015 in Disease-Management-Programme eingeschrieben, 100.000 mehr als ein Jahr zuvor. Mit zunehmender Teilnahmedauer verbessert sich die Ergebnisqualität.

Von Helmut Laschet

Immer mehr Patienten nehmen an DMP mit Erfolg teil

Besonders erfolgreich scheint es zu sein, mit Diabetikern persönliche HbA1c-Werte zu vereinbaren.

© pittawut / fotolia.com

BERLIN. Patienten mit chronischen Krankheiten profitieren von der Teilnahme an Disease-Management-Programmen. Das bestätigt der Ende vergangener Woche publizierte Qualitätsbericht 2016 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Ende 2015 waren 6,6 Millionen Patienten in DMP eingeschrieben, ein Zuwachs von 100.000 oder 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit 2008 hat die Zahl der Teilnehmer um 1,6 Millionen oder 32 Prozent zugenommen. Ein Teil der Patienten nimmt an mehreren DMP gleichzeitig teil, sodass die Zahl der Einschreibungen bei 7,7 Millionen liegt (plus 2,3 Prozent im Vergleich zu Ende 2014).

Eine Verlaufsanalyse ausgewählter Qualitätsziele zeigt eine teils deutliche Verbesserung der Parameter.

DMP

7,725 Millionen Einschreibungen in DMP gab es Ende 2015, manche Patienten waren in mehrere DMP einschrieben.

Das DMP Diabetes Typ 2 ist mit einem Anteil von 52,3 Prozent der Teilnehmer das größte, gefolgt von KHK mit 23,2 Prozent.

Im DMP Koronare Herzkrankheit nimmt der Anteil der Patienten mit normotensiven Blutdruckwerten (unter 140/90 mmHg) von 58 auf 64,1 Prozent zu; die Verbesserung im ersten halben Jahr nach Start im DMP ist besonders ausgeprägt, weitere kleine Erfolge sind aber auch im weiteren Verlauf der Teilnahme zu beobachten.

Ähnliches gilt für Typ-2-Diabetiker: Hier verbessert sich der Anteil von Patienten mit normotensiven Blutdruckwerten im DMP Diabetes-Typ-2 von 46,5 auf 55,6 Prozent.

Etwas anders sieht der Verlauf der Blutzuckerwerte bei Typ-2-Diabetikern aus: In den ersten sechs Monaten nach Start ins DMP verringert sich der Anteil der Patienten mit einem HbA1c-Wert von über 8,5 Prozent sehr ausgeprägt von 12,4 auf 8,1 Prozent, steigt aber mit zunehmender Teilnahmedauer kontinuierlich an und liegt nach dreieinhalb Jahren bei 10,7 Prozent.

Besonders erfolgreich scheint es zu sein, mit Diabetikern persönliche HbA1c-Werte zu vereinbaren. Das zeigt eine Verlaufsreihe von 2008 bis 2014: Anfänglich erreichten 56,7 Prozent der Typ-2-Diabetiker ihren persönlich mit dem Arzt vereinbarten Wert; sechs Jahre später lag der Anteil bei 64,7 Prozent. Bei den Typ-1-Diabetikern stieg der Anteil derer, die den persönlich vereinbarten Zielwert erreichten, von 36,6 Prozent im Jahr 2008 auf 45,3 Prozent.

In einem weiteren Punkt hat es für Typ-1-Diabetiker in den Jahren zwischen 2008 und 2014 beachtliche Fortschritte gegeben: Der Anteil der Patienten, bei denen jährlich die Nierenfunktion überprüft worden ist, stieg von 70,5 Prozent auf 90 Prozent. Bei Typ-2-Diabetikern liegt der Anteil in den vergangenen Jahren stets bei etwa 95 Prozent und erreichte zuletzt 95,6 Prozent.

Kontinuierliche Verbesserung zeigt sich auch bei der Umsetzung leitliniengerechter Arzneiverordnungen: Der Anteil der Typ-2-Diabetiker, die Metformin erhalten, stieg von 72,4 Prozent (2008) auf 81,9 Prozent (2014).

Bei Patienten, die im DMP Koronare Herzkrankheit eingeschrieben sind, erhöhte sich vor allem der Anteil derer, die Statine erhielten, von 68,1 auf 74,7 Prozent. Auf einem hohen Niveau von nahezu 84 Prozent liegt der Anteil derjenigen Patienten, die Thrombozytenaggregationshemmer erhalten.

[30.01.2017, 18:43:25]
Henning Fischer 
wieder mal ein DMP-Märchen

bei einem Patienten wird ein Diabetes mellitus diagnostiziert: reflexartige Einschreibung ins DMP (bringt ja ein paar zusätzliche Kröten), Beratung, Schulung, medikamentöse Einstellung: HbA1c wird besser.

Und was wäre ohne DMP anders gewesen? NICHTS!

Wir erinnern uns an die Aussage des ehemaligen KV-Vorsitzenden Thamer: erfreulicherweise konnte der Honorarrückgang durch DMP-Gelder zum Teil ausgeglichen werden.

Aha, ohne DMP-Geld sähen die von der KBV verhandelten Honorare noch deutlich schlechter aus. Manche Praxis würde wohl ohne nicht überleben.

Und die Kassen freuen sich über zusätzliches Geld aus dem Risikostrukturausgleich.

Also: DMP's MÜSSEN gut sein.


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