Ärzte Zeitung online, 02.03.2017
 

Gehaltsranking 2016

Gassen und TK-Chef Baas sind Spitzenverdiener in der GKV

Der Gesetzgeber zwingt KBV und Kassen zur Transparenz: Danach führte KBV-Chef Gassen im Vorjahr mit 344.000 Euro das Gehaltsranking an. Bestbezahlter Kassenmanager ist TK-Chef Baas mit 314.000 Euro. Das geht aus der Pflichtveröffentlichung im Bundesanzeiger hervor.

Von Florain Staeck

So viel verdienen Arztfunktionäre und Kassen-Chefs

Gehaltssteigerungen zwischen 6000 und 48.000 Euro konnten etliche KV- bzw. Kassenchefs im vergangenen Jahr verbuchen im Vergleich zum Vorjahr.

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BERLIN.  Zum 1. März sind KBV, GKV-Spitzenverband und Kassen angehalten, die Saläre ihres Spitzenpersonals zu veröffentlichen. Im vergangenen Jahr wurde Gassen eine Grundvergütung von 344.260 Euro gezahlt. Hinzu kamen variable Gehaltselemente von knapp 30.500 Euro. Das sind 8000 Euro mehr als 2015. Die bisherige KBV-Vize Regina Feldmann verdiente knapp 13.000 Euro weniger und ging mit 331.884 Euro nach Hause.

Auf Seiten der Kassen bleibt Dr. Jens Baas, Vorstand der Techniker Krankenkasse, der am besten bezahlte Manager. Sein Job war im Vorjahr mit 314.560 Euro dotiert, das sind rund 9000 Euro mehr als 2015. Baas verantwortet die Geschäfte der mit 9,8 Millionen Versicherten größten Kasse innerhalb der GKV. Kassen- und KV-Chefs in einer Liga Die Dotierung der Vorstände anderer Kassen orientiert sich in der Regel an der Versichertenzahl der Kassen. Folgerichtig liegt Barmer-Chef Dr. Christoph Straub im Gehaltsranking auf Platz 2. Seine Tätigkeit wurde im Vorjahr mit 280.434 Euro honoriert, etwa 8000 Euro mehr als im Jahr zuvor.

 Vorstand der DAK-Gesundheit ist bis Ende vergangenen Jahres Herbert Rebscher gewesen. Sein Job war mit 264.829 Euro dotiert, hier betrug der Gehaltsaufschlag im Vergleich zum Jahr zuvor rund 14.000 Euro. Die Vorstände der großen Versorgerkassen spielen gehaltstechnisch in der gleichen Liga wie mehrere KV-Chefs. Bayerns Vorstandschef Dr. Wolfgang Krombholz führt die Liste mit 286.292 Euro an, rund 6000 Euro mehr als im Jahr zuvor. Nicht immer korrelieren in den KV-Regionen die Vorstandsvergütungen mit der Zahl der repräsentierten Vertragsärzte und Psychotherapeuten. So sticht etwa im Saarland die Vergütung von KV-Chef Dr. Gunter Hauptmann hervor. Sie erhöhte sich laut den Angaben im Bundesanzeiger von 222.000 (2015) auf 270.000 Euro im vergangenen Jahr.

Unverändert mit 264.000 Euro dotiert ist der von Dr. Klaus Heckemann bekleidete Vorstandsposten der KV Sachsen. Knapp dahinter folgt mit 262.500 Euro Mark Barjenbruch als Vorstandschef der KV Niedersachsen, auch seine Bezüge blieben konstant. Gleiches gilt für die Dotierung von Baden-Württembergs KV-Chef Dr. Norbert Metke. Er erhielt 2016 – wie im Jahr zuvor – eine Grundvergütung von 180.000 Euro sowie eine variable Dotierung von 78.800 Euro.

Die Dotierungen von Vorstandschefs weiterer KV-Regionen sind weitgehend vergleichbar: In Westfalen-Lippe ging Dr. Wolfgang-Axel Dryden mit 255.000 Euro nach Hause (plus 7500 Euro), in Nordrhein der ehemalige Vorstandschef Dr. Peter Potthoff mit 248.000 Euro (plus 7000 Euro). Der Posten der – nicht wiedergewählten – KV-Chefin Dr. Sigrid Ultes-Kaiser in Rheinland-Pfalz war im Vorjahr mit 245.000 Euro vergütet, unverändert im Vergleich zu 2015.

Rote Laterne im Nordosten

Wie 2015 hat der KV-Vorstand in Mecklenburg-Vorpommern die rote Laterne im Gehaltsranking. Axel Rambows Vergütung betrug im Vorjahr knapp 185.000 Euro plus 18.500 Euro variabler Gehaltsbestandteil, rund 5000 Euro mehr als 2015. Die Dotierung der Kassenverbands-Chefs auf Bundesebene ist weitgehend vergleichbar.

Die Arbeit von Martin Litsch, Vorstand des AOK-Bundesverbands, wurde im Vorjahr mit 203.000 Euro entlohnt. Seine Kollegin Ulrike Elsner vom Ersatzkassenverband vdek erhielt die gleiche Summe. Besser dotiert ist der höchste Posten im GKV-Spitzenverband. Dr. Doris Pfeiffer wurde im Vorjahr für ihre Dienste mit 247.500 Euro bezahlt, 2500 Euro mehr als 2015.

Die Saläre der AOK-Chefs in den Regionen rangieren in ihrer Höhe meist etwas unter der von großen Ersatzkassen. So ging etwa Frank Michalak, Chef der AOK Nordost, mit knapp 181.000 Euro nach Hause. Hinzu kamen variable Gehaltselemente von knapp 49.000 Euro. Sein Kollege von der AOK Rheinland-Hamburg, Günter Wältermann, erhielt rund 184.000 Euro sowie eine variable Dotierung von rund 39.000 Euro. Der Chef der AOK Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann, bekam 200.000 Euro Grundvergütung und 55.500 Euro variable Dotierung.

Die Selbstverwaltung hat bei der Festsetzung von Vorstandsgehältern grundsätzlich einen großen Handlungsspielraum. Doch das für die bundesweiten Kassen zuständige Bundesversicherungsamt (BVA) hat als Disziplinierungsinstrument die durchschnittliche Grundvergütung von Vorständen in Abhängigkeit von der Zahl der Versicherten in Diagrammen erfasst. Wird diese Trendlinie stark überschritten, so hieß es in einem BVA-Rundschreiben, könne dies "einen Indikator für unwirtschaftliches Verhalten" darstellen. "Die Krankenkasse darf einem Vorstand nur ein Gehalt in notwendiger Höhe anbieten", heißt es in einem im Juli 2016 veröffentlichten Papier der Aufsichtsbehörden der Sozialversicherungsträger. Notwendig sei ein Gehalt, das unter Marktbedingungen angeboten werden muss, um "qualifiziertes Personal zu gewinnen und zu halten". Das gelte auch für K(Z)Ven und den MDK, heißt es im Papier.

Kein Wunder also, dass bei den Betriebskrankenkassen die Vergütungshöhe deutlich mit der Zahl der Versicherten variiert. Sie liegt bei mittelgroßen BKKen meist zwischen 100.000 bis 150.000 pro Jahr. Bei sehr kleinen Kassen gehen Chef oder Chefin auch mal mit fünfstelligen Gagen nach Hause. Dafür sind die nicht-monetären Anreize einfallsreicher als anderswo.

So weist die Metzinger BKK mit rund 27.000 Versicherten einen Zusatzbeitrag von nur 0,3 Prozent auf. Wirtschaftlichkeit scheint dort Programm zu sein: Einen Dienstwagen fährt der Vorstand nicht, ein E-Bike aber schon.

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