Direkt zum Inhaltsbereich

BVKJ-Kongress in Weimar

Jugendärzte fordern erneut Impfpflicht

Bisherige Beratungen zu Impfungen reichen offensichtlich nicht aus. Daher dringen Jugendärzte auf Einführung einer gesetzlichen Impfpflicht.

Veröffentlicht:

WEIMAR. Anlässlich der zur Zeit grassierenden Keuchhustenwelle und der erneut vermehrt auftretenden Masernfälle hat der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) seine Forderung nach Einführung einer gesetzlichen Impfpflicht bekräftigt.

"Ohne Impfpflicht insbesondere für Kinder und Jugendliche, die öffentlich geförderte Betreuungseinrichtungen besuchen, geht es nicht," stellte BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach beim 23. bundesweiten Jugendmedizin-Kongress in Weimar am Wochenende klar. Notwendig sei daher ein Gesetz, das den Impfschutz aller Kinder und Jugendlichen sicherstellt.

Gegen Fake-Kampagnen

Die derzeit gültige Regelung, nach der eine Impfberatung beim Arzt erfolgen muss und dafür eine Bescheinigung ausgestellt wird, reiche nicht aus, weil auf diese Beratung hin Impfungen viel zu häufig unterblieben. Dies trifft vor allem auf solche Eltern zu, die sich "durch Anti-Impf-Ideologen falsch beraten lassen," kritisierte Fischbach. Mit einer verbindlichen Impfpflicht könnte diesen Desinformations-Kampagnen begegnet werden. Zudem wäre es dann auch für Ärzte leichter, ihren Beitrag zu leisten, Masern und Röteln bis 2020 auszurotten, wie es der Nationale Aktionsplan vorsieht.

Fischbach forderte in Weimar aber auch höhere Impfvergütungen für Ärzte, weil diese selbst bei neuen Vorsorgen, die mit den neuen Kinderrichtlinien in Kraft getreten sind, immer noch zu niedrig seien. Ansonsten würden sich die stärker primärpräventiv und apparativ ausgerichteten Vorsorgen in den Praxen bewähren, hieß es.

Auf kein Verständnis stößt beim BVKJ jedoch die Weigerung der Kassen, die von Kinder- und Jugendärzten als notwendig erachtete psychosoziale Anamnese mit den dafür bewährten Fragebögen zu etablieren und zu finanzieren. Nach Darstellung Fischbachs sei es zum Beispiel nur mit dem "Mannheimer Elternfragebogen" möglich, die emotionale und die kognitiv-perzeptive Entwicklung entwicklungsgefährdeter und sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher frühzeitig zu erkennen.

"GBA hat eine Chance verpasst"

Der Gemeinsame Bundesausschuss habe daher eine Chance verpasst, die Kinderrichtlinien zu einem "Meilenstein für die Früherkennung" weiter zu entwickeln, bedauerte Dr. Hermann Josef Kahl, Pressesprecher des BVKJ, in Weimar. Nach elfjährigen Verhandlungen sei das Ergebnis deshalb so enttäuschend, weil die eigentlichen Potenziale von knapp sechs Millionen Kindervorsorgen im Jahr – etwa bei Ernährungs- oder Suchtberatungen oder bei Problemen der Sexualität im Jugendalter – nach wie vor bei weitem nicht ausgeschöpft werden könnten.(ras)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Christoph Luyken 06.03.201719:34 Uhr

Impfpflicht wichtig - wenn''s sein muß durch die Hintertür

Als Hausarzt und Familienmediziner unterstütze ich die Ansicht der Kinderärzte. Da die Einführung einer Impfpflicht anscheinend aus ideolog. Gründen politisch nicht gewünscht ist, würde uns Folgendes dem gewünschten Ziel einen Schritt näher bringen:
Ein Verbot der Teilnahme an sämtlichen Gemeinschaftseinrichtungen wie Krabbelgruppe, Sportverein, Kindergarten, Schulen jeder Art, wenn keine Impfungen nachgewiesen werden können. Die Betreiber solcher Einrichtungen müßten verpflichtet werden, das Vorhandensein eines Impfschutzes für jeden Teilnehmer anhand des vorgelegten Impfpasses oder einer ärztl. Bescheinigung zu überprüfen und zu dokumentieren.

Die Vergütung der Impfungen halte ich für ausreichend. Was allerdings fehlt ist eine gut dotierte und auch im Verlauf mehrfach ansetzbare Leistungsziffer für Gespräche zur Impfmotivation - unabhängig von einer tatsächlich durchgeführten Impfung. Ermüdet von den Widerständen und durch die unheimlichen Aktivitäten der Impfgegner geben nämlich viele Kollegen zu früh auf in dem Bemühen, die Eltern, neudeutsch: "die primären Bezugspersonen" ;-( , zur Zustimmung zu Impfungen zu überzeugen...

Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Vorteile von Vamorolon

© Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, modifiziert nach [3−5, 6]

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD)

Neue Perspektiven für die Versorgung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, München
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Typische Körperumrisse bei Achondroplasie

© BioMarin

Achondroplasie

Gezielte Therapie: erste Lebensjahre sind entscheidend

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioMarin Deutschland GmbH, Frankfurt am Main
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Dreidimensionale medizinische Illustration des Varicella-Zoster-Virus, einem Virus das Windpocken, Hautblasen, Nesselsucht, Wunden und Gürtelrose verursacht.

© Corona Borealis / stock.adobe.com

Atypische Symptome

Kasuistik: Periphere Fazialisparese mit erstaunlicher Ursache

MRT-Bild eines Schädels, das im linken Auge eine Netzhautablösung zeigt.

© James Cavallini / Science Photo Library

Aufklärung zu Risikogruppen essenziell

Netzhautablösung: Warnzeichen rechtzeitig erkennen