Ärzte Zeitung, 21.03.2017
 

KV Bayerns

Honorar für 2017 legt um 150 Millionen Euro zu

Knapp drei Prozent mehr als 2016: Kassen und KV Bayerns haben sich auf ein Honorarpaket geeinigt, das für Ärzte und Psychotherapeuten ein Plus von rund 150 Millionen Euro bedeutet.

Von Christina Bauer und Anne Zegelman

MÜNCHEN. Vertragsärzte und -psychotherapeuten in Bayern erwartet im laufenden Jahr ein Honorarplus von 150,22 Millionen Euro. Das ist ein Zuwachs von 2,96 Prozent. Diese Zahlen präsentierte der KVB-Vorstand bei der Vertreterversammlung am Samstag und zeigte sich damit zufrieden. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte der KV-Vorstand für die rund 25.000 Ärzte und Psychotherapeuten in Bayern ein Plus von 3,51 Prozent erzielt.

Zwei Drittel des Zuwachses resultieren aus Änderungen auf Bundesebene. So bedeutet die Anhebung des Orientierungspunktwerts auf 10,53 Cent für Bayern ein Plus von 51,50 Millionen Euro. Die Veränderungsraten von 1,006 Prozent für Diagnosen und von 0,088 Prozent für Demografie bringen nochmals 21,60 Millionen Euro. Neue EBM-Leistungen wie Medikationsplan und elektronischer Arztbrief bedeuten weitere 27,17 Millionen Euro. Sie werden außerhalb der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung gezahlt.

Die verbleibenden knapp 50 Millionen Euro holte die KVB in den Verhandlungen für Bayern heraus. Das sind 20 Millionen Euro für förderungswürdige Leistungen und 28,46 Millionen Euro für den Bereitschaftsdienst. Zudem bleiben 1,5 Millionen Euro für den Hygiene-Kostenersatz in den Kassen, die 2016 nicht ausgegeben wurden.

Notdienstreform für Nachwuchs

Eines der zentralen Themen bei der VV war zudem die Weiterentwicklung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Bereits 2013 hatte die KVB aus der Not heraus eine Reform angestoßen, die flächendeckende Umsetzung soll bis Ende 2018 abgeschlossen sein. Ziel ist eine flächendeckende Einrichtung von Bereitschaftspraxen durch die KV an oder in Krankenhäusern. Krombholz unterstrich, dass die Weiterentwicklung des Bereitschaftsdienstes von zentraler Bedeutung sei, um den Nachwuchs zu stärken.

Wie die KV mitteilte, beendeten im Vorjahr über 400 Hausärzte in Bayern ihre Praxistätigkeit. 320 Kassensitze konnten nachbesetzt werden, in 80 Fällen fehlte ein Nachfolger – trotz zum Teil aufwendiger Suche.

Eine "spürbare Verringerung der Dienstbelastung im Bereitschaftsdienst" ist laut Krombholz ein wesentlicher Faktor, um junge Ärzte vom Konzept Niederlassung überzeugen zu können. Außerdem wichtig sei eine adäquate Vergütung und der Schutz vor Regressen.

Rund ein Fünftel des erzielten Honorarplus', also rund 30 Millionen Euro, sei für den weiteren Ausbau des Bereitschaftsdienstes mit eigenen Bereitschaftspraxen an oder in unmittelbarer Nähe von Kliniken sowie der Einrichtung eines separaten Fahrdienstes vorgesehen, so die KV.

Die Pilotphase läuft bereits, bei der Vertreterversammlung im Dezember 2016 hatte Krombholz Zahlen genannt: Bayern habe 76 neue Bereitschaftspraxen, davon 56 private und 20 über die KVB organisierte, hieß es damals. Als Ziel für 2018 wurde 110 Praxen ausgegeben.

Positive Zwischenbilanz

Die KVB evaluiere kontinuierlich, welche Auswirkungen die Neustrukturierung des Bereitschaftsdienstes in den jeweiligen Regionen habe. Eine erste Zwischenbilanz fiel im Dezember positiv aus: In den seit 2015 ausgewählten, ländlichen Pilotregionen zeige die Neustrukturierung Erfolge, inzwischen würden weniger Patienten die Notfallambulanzen der Kliniken auf, hat der KV-Chef damals gesagt.

Mit Blick Richtung Berlin und das Konzept "KBV 2020" sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dr. Pedro Schmelz, der Leitsatz "ambulant vor stationär" müsse mit Leben erfüllt werden: "Die Politik muss den Mut aufbringen, den Erhalt wirtschaftlich nicht tragfähiger Krankenhäuser zu überdenken, anstatt diese auf Kosten der ambulanten Vergütung zu sanieren", so Schmelz.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Vom Sinn und Unsinn medikamentöser Arthrose-Therapien

Arthrosebeschwerden sind weit verbreitet und nur begrenzt medikamentös behandelbar. Ein Update zur Evidenzlage medikamentöser Therapien wurde nun präsentiert. mehr »

"Gelegenheits-Chirurgie ist nicht akzeptabel"

Die Risiken, direkt im Zusammenhang mit einer Op im Krankenhaus zu sterben, sind in Häusern mit geringen Fallzahlen höher als in spezialisierten Kliniken. mehr »

Diesen Effekt haben Walnüsse auf Lipide

Die Lipidsenkung durch den täglichen Verzehr von Walnüssen stellt sich offenbar unabhängig davon ein, ob man dabei auf Kohlenhydrate oder Fette oder auf beides verzichtet. mehr »