Ärzte Zeitung online, 04.04.2017

Positionspapier der FES

Eine radikale Veränderung

Ein Kommentar von Wolfgang van den Bergh

Es knirscht in der Versorgung. Jeder hat seine Claims abgesteckt: Praxen, Krankenhäuser, Reha- und Pflege-Einrichtungen. Die Schnittstellen zwischen den Sektoren sollen überwunden werden, heißt es seit Jahrzehnten. Das hat sich die Friedrich-Ebert-Stiftung auf ihre Fahne geschrieben und dazu ein Papier erarbeitet. Beteiligt daran waren Wissenschaft, Politiker, Ärzte und Krankenkassenvertreter.

Auch wenn nicht alle Empfehlungen neu sind, zeigt das Papier einmal mehr die Schwachstellen des Systems auf. Zugleich enthält es radikale Forderungen. Die reichen von einer neuen Bedarfsplanung über ein einheitliches Vergütungssystem bis hin zu einer besseren Kommunikation. Voraussetzung dazu sind eine einheitliche Qualitätssicherung und Telematikinfrastruktur sowie die Entwicklung einer sektorübergreifenden gemeinsamen Klassifikation aller Leistungserbringer.

Es stellt sich die Frage, ob die Selbstverwaltung in der Lage ist, dieses Brett zu bohren, oder ob sich der Gesetzgeber zum Handeln verpflichtet fühlt. Die Erfahrungen haben leider gezeigt, dass trotz gesetzlicher Vorgaben die unsichtbaren Mauern zwischen den Sektoren eher höher geworden sind. Von einem "Erdbeben" zu sprechen, wie es der neue KBV-Hausarzt-Vorstand tut, zeigt den Rückfall in alte Reflexmuster.

Lesen Sie dazu auch:
Aktuelle Studie: Experten wollen Sektorengrenzen schnell einreißen

Topics
Schlagworte
Berufspolitik (18993)
Organisationen
KBV (7052)
Personen
Wolfgang Van Den Bergh (560)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Zufallsbefunde – Wer sucht, der findet

Bei der bildgebenden Diagnostik kann es vorkommen, dass unerwartet ein Befund jenseits des eigentlichen Anlasses auftaucht. Das sollte man den Patienten klarmachen – vorher. mehr »

Alternativszenario voller Sprengkraft

Bei einem Modellprojekt in Baden-Württemberg ist die sektorenübergreifende Versorgung durchgespielt worden. Der Abschlussbericht enthält Empfehlungen, die es in sich haben - und das Konfliktpotenzial deutlich machen. mehr »

Streit um "Strafgebühr" im Krankenhaus

KBV-Chef Gassen fordert für Patienten, die mit Bagatellerkrankungen in die Notfallambulanz der Kliniken kommen, eine Gebühr. Das hält die DKG für "schlicht falsch". Die Linke mutmaßt: "Notaufnahmen nur für Reiche"? mehr »