Ärzte Zeitung online, 15.05.2017

Marburger Bund

Einheitliche Triage für Notfallversorgung

Der Marburger Bund will die Notfallversorgung neu aufstellen: Einheitliche Standards zur Ersteinschätzung gehören ebenso dazu wie eine einzige Rufnummer für alle Notfalle.

Von Susanne Werner

BERLIN. Der Marburger Bund (MB) fordert in einem aktuellen Eckpunktepapier, die medizinische Notfallversorgung neu aufzustellen. Nötig sei dazu, ein einheitliches Triage-System für die gesamte Notfallversorgung zu entwickeln, eine einzige Rufnummer für den Notfall einzurichten sowie die IT-gestützte Vernetzung voranzutreiben.

MB-Vorsitzender Rudolf Henke kritisierte in diesem Zusammenhang die neue "Abklärungspauschale". Seit Anfang April können Kliniken 4,74 Euro pro Patient abrechnen, wenn dieser keine Notfallbehandlung benötigt und in der regulären Praxissprechstunde weiter versorgt werden kann. Die darin kalkulierte Zeit für die ärztliche Ersteinschätzung an der Klinik von rund zwei Minuten gehe am Bedarf vorbei, erklärte Henke. Er kündigte an, beim Bundesgesundheitsministerium vorstellig zu werden, falls Krankenkassen und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hier nicht nachbesserten.

Das nun vorgelegte Eckpunktepapier sei aber "keineswegs als Kampfansage an die KBV" zu verstehen, betonte Henke. Zentraler Baustein der MB-Vorschläge ist ein Triage-System, das für die gesamte Notfallversorgung gleich ist. "Die Dringlichkeit einer Behandlung lässt sich mit einheitlichen Standards besser einschätzen – egal, ob sich der Patient zuerst an den ärztlichen Bereitschaftsdienst, an eine Notaufnahme in der Klinik und an den Rettungsdienst wendet", erklärte Dr. Susanne Johna vom MB-Bundesvorstand. Auch sollten Notdienstpraxen, die von Vertragsärzten betrieben werden, künftig nur an ausgewählten Standorten eingerichtet werden: "Dazu brauchen wir Zielgrößen. Beispielsweise nur an Kliniken mit mindestens 20.000 Notfällen pro Jahr", betonte Johna. Sie sprach sich wie Henke dafür aus, die ambulante und stationäre Notfallversorgung in einem eigenen Sektor zusammen zu legen. Das Budget veranschlagte Henke auf "mindestens 500 Millionen Euro". Nur so ließe sich die Angst der verschiedenen Akteure mindern, dass eine Neuregelung in der Notfallversorgung zu finanziellen Einbußen im jeweils eigenen Sektor führe.

KBV-Chef Andreas Gassen hat unterdessen den MB sowie die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) zu einem Dialog über die Notfallversorgung aufgefordert: "Das Thema ist zu wichtig, als dass es auf die Forderung nach mehr Geld für eine bestimmte Interessensgruppe reduziert werden sollte." Dies begrüßt auch der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum: "Wir nehmen gerne den Ruf nach einer besseren Abstimmung und Zusammenarbeit auf. Denn ein funktionierendes Patientensteuerungssystem ist dringend erforderlich."

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