Ärzte Zeitung online, 07.07.2017
 

Notfälle in Hamburg

KV setzt auf Beratung per Telefon

Die Entlastung der Notfallambulanzen an den Krankenhäusern: Das ist Kernziel einer Reform des Bereitschaftsdienstes der KV Hamburg.

HAMBURG. Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg reformiert ihren Bereitschaftsdienst und wird ab 2018 mehr Service für die Patienten bieten. Die Notfallambulanzen an den Krankenhäusern sollen damit entlastet werden.

"Es gibt kein Notfallproblem, sondern ein Problem der veränderten Erwartungshaltung", stellte KV-Vorstandschef Walter Plassmann bei der jüngsten Vertreterversammlung klar.

Damit widersprach er dem öffentlich erzeugten Eindruck, es gäbe eine Explosion an Notfallzahlen. Richtig sei vielmehr, dass immer mehr Patienten auch bei medizinischen Anlässen unterhalb eines Notfalls und außerhalb der Sprechstunden sofort einen Ansprechpartner erwarten.

Fakt sei aber auch, dass die Politik Handlungsbedarf sieht. Bevor ein dritter Sektor entsteht und flächendeckend nicht zu finanzierende Portalpraxen gefordert werden, will die KV eine Lösung schaffen, deren Grundzüge Plassmann vorstellte und für die er von den Vertretern einstimmig grünes Licht für eine Weiterentwicklung erhielt. Die Reform läuft derzeit unter dem Titel "Arztruf", der unter der schon eingeführten Nummer 116 117 mehrere Module umfassen wird.

» Telefonberatung: Anrufer können sofort mit einem Arzt sprechen. Die KV erwartet, dass damit viele Besuche von Notfallambulanzen unterbleiben, weil das Informationsbedürfnis gestillt wird. Bestückt werden soll die Telefonberatung mit einem Pool von rund 50 Hausärzten.

» Portalpraxen: An ausgewählten Standorten sollen diese in Hamburg entstehen – die erste im Oktober in Harburg. Weitere sind am UKE und am Bundeswehrkrankenhaus geplant. Anrufer können auf diese Portalpraxen verwiesen werden.

» Der Arztruf vermittelt auch Termine beim Arzt. Dafür müssen die Ärzte in Hamburg der KV zusätzliche freie Kapazitäten melden.

» Der bewährte fahrende Bereitschaftsdienst nach Praxisschluss wird beibehalten. Der seit Jahren genutzte Dienst umfasst Rettungssanitäter und Arzt.

» Bei Notfällen wird der Rettungsdienst eingeschaltet.

Damit der Andrang in den Notfallambulanzen abnimmt, muss der Arztruf in der Bevölkerung bekannt gemacht werden. Die KV will dies über verstärkte Öffentlichkeitsarbeit erreichen. Nach einer groben Schätzung wird die Reform rund drei Millionen Euro kosten. Details sollen Ende September beschlossen werden, damit 2018 der Vollbetrieb starten kann. (di)

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