Ärzte Zeitung online, 19.09.2017
 

Mammographie-Screening

Licht und Schatten im Norden

Die Teilnahmequote muss verbessert werden, dennoch hat sich das vor zehn Jahren eingeführte Mammographie-Screening in Schleswig-Holstein bewährt.

Von Dirk Schnack

Licht und Schatten im Norden

Zufrieden nach zehn Jahren Mammographie-Screening in Schleswig-Holstein und bereit, sich der Herausforderung „Teilnahmequote“ zu stellen: Thomas Haeger (AOK Nordwest), Patientin Cornelia Wulff, Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg, Ärztin Dr. Susanne Wulff, Dr. Monika Schliffke (KVSH, von links).

© Dirk Schnack

LÜBECK. Zum zehnjährigen Jubiläum des Mammographie-Screenings in Schleswig-Holstein haben Politik, Krankenkassen und Ärzte ein positives Fazit gezogen. Zugleich hoffen sie, die Teilnahmequote von zuletzt 47 Prozent noch steigern zu können.

"Ich möchte alle Frauen bitten – nicht auffordern –, davon Gebrauch zu machen, weil es Leben retten kann", sagte Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg (FDP) anlässlich der Bilanz. Die Programmverantwortliche Ärztin Dr. Susanne Wulff, niedergelassene Gynäkologin aus Lübeck, betonte: "Ich hatte anfangs viele Fragezeichen. Heute stehe ich voller Überzeugung hinter dem Programm." Auch die KV-Vorstandsvorsitzende Dr. Monika Schliffke und Thomas Haeger, Landesdirektor der AOK Nordwest, gaben dem Screening zum Jubiläum Rückendeckung. Die Zahlen geben ihnen recht: In zehn Jahren gab es 851.366 Untersuchungen. 94,6 Prozent der Röntgenaufnahmen waren unauffällig. Bei 6169 Frauen wurde ein Tumor entdeckt – oft in einem frühen Stadium. 36 Prozent der Karzinome waren kleiner als zehn Millimeter, 58 Prozent kleiner als 15 Millimeter.

Damit übererfüllt Schleswig-Holstein deutlich die Sollwerte. Dies gilt auch für den Anteil der entdeckten Karzinome, bei denen noch keine Lymphknoten befallen sind: Diese Relation beträgt im Norden 78 Prozent.

"Wir könnten besser werden"

Die Kosten für das Mammografie-Screening in Schleswig-Holstein bezifferte Haeger auf 7,8 Millionen Euro im Jahr 2016 – Geld, das er für sinnvoll investiert hält. Allerdings wünschen sich die Beteiligten, dass künftig wieder mehr Frauen der Einladung zum Screening folgen. Von 51 Prozent im Jahr 2014 fiel die Teilnahme auf zuletzt 47 Prozent. "Wir könnten besser werden", räumte Haeger ein. Helfen könnte eventuell das Ministerium: Garg zeigte sich interessiert an einer Ursachenanalyse. Warum jede zweite eingeladene Frau nicht zum Screening kommt, ist bislang Spekulation. Am Rande der Veranstaltung wurde darüber gerätselt, ob etwa das Einladungsschreiben alle Frauen anspricht oder ob eine permanente Aufklärung in den Praxen dem Screening zusätzliche Teilnehmerinnen bescheren könnte. Nach Beobachtung der KV stehen die Frauenärzte hinter dem Screening. Wesentlich ist, dass es wohnortnah angeboten wird.

Sechs stationäre Zentren

Landesweit gibt es sechs stationäre Screening-Zentren und vier mobile Röntgenstationen ("Mammobile"), die 83 verschiedene Standorte ansteuern. Die 50- bis 69-jährigen Frauen in diesen Regionen werden gezielt eingeladen, wenn die mobilen Einheiten in ihrer Nähe sind. Die Befunde werden ausschließlich von speziell geschulten Ärzten vorgenommen – in aller Regel Radiologen und Gynäkologen. Für die ärztliche Mitarbeit sind 5000 Befundungen Voraussetzung, jährliche Schulungen sind verpflichtend. Landesweit gibt es 31 Ärzte, die diese Qualifikation erfüllen und Befundungen vornehmen. Von den Patientinnen erhalten diese in aller Regel positives Feedback. Wulff berichtete: "Ich habe in den zehn Jahren Begeisterung und Dankbarkeit erlebt."

Erfolgreiche Zwischenbilanz

- 1,728 Millionen Einladungen wurden in zehn Jahren Mammographie-Screening in Schleswig-Holstein verschickt.

- 851 366 Untersuchungen wurden durchgeführt, davon 324.982 Erst- und 526.384 Folgeuntersuchungen.

- Bei 6169 Frauen wurde ein Tumor entdeckt. 94,6 Prozent der Röntgenaufnahmen waren unauffällig.

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