Ärzte Zeitung, 15.01.2018

Kommentar

Leichenschau besser in Expertenhand

Von Rebekka Höhl

Der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer hat es auf den Punkt gebracht: Es ist nachvollziehbar, dass niedergelassene Ärzte nicht aus ihrer Sprechstunde rennen und ihre Patienten einfach sitzen lassen, um nur ja zeitnah für eine Leichenschau bereit zu stehen.

Vielleicht auch noch bei einem ihnen unbekannten Verstorbenen. Lange Wartezeiten in unklaren Todesfällen, bei denen der Verdacht auf ein Tötungsdelikt besteht, sind nicht nur für die Ermittlungen schlecht. Sie sind auch für Angehörige eine Belastung. Aber gewiss macht sich kein Arzt, in dessen Praxis Patienten mit akuten Leiden sitzen – und auch warten –, die Entscheidung leicht, wo er nun die Prioritäten setzt.

Doch das ist gar nicht das einzige Problem: Niedergelassene Ärzte sollen unter oft nicht einfachen Bedingungen vor Ort mal eben die Todesursache feststellen und amtlich dokumentieren. Ja, mehr und eine bessere Fortbildung wären hilfreich.

Aber auch hier gilt: Die Aufgabe des Hausarztes besteht vor allem in kurativen Leistungen. Und diese erfordern bereits einiges an Fortbildungsbereitschaft, um auf dem aktuellen medizinischen Stand zu sein.

Pilotprojekte, wie jenes in Frankfurt, bei denen Geld für die Leichenschau durch Experten in die Hand genommen wird, sollten daher von der Ausnahme zur Regel werden.

Lesen Sie dazu auch:
Pilotprojekt: Frankfurt wird Vorreiter bei Leichenschau

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Hunde im MRT hygienischer als bärtige Männer

Ist es hygienisch, Hunde in MRT-Scanner zu legen, mit denen primär Menschen untersucht werden? Ja, legt eine Studie nahe: Bärtige Männer bergen höhere Kontaminationsrisiken. mehr »

Starke Konzentration wird im Fall Valsartan zum Klumpenrisiko

Noch ist die Risikobewertung im Fall Valsartan nicht abgeschlossen. Aber der Vorgang zeigt die Risiken der starken Marktkonzentration. mehr »

Die Gesundheit der Bombenkinder

Seit Jahrzehnten berichten viele Hibakusha – so nennt Japan seine Atombombenopfer – regelmäßig vor Schülern und Interessierten aus dem In- und Ausland von dem Grauen, das sie und ihre Angehörigen erlebten. mehr »