Ärzte Zeitung online, 19.12.2018

Bayern

Ärzte fordern mehr Geld für Leichenschau

MÜNCHEN. Bayerische Ärzte fordern eine bessere Vergütung der ärztlichen Leichenschau, wie die Bayerische Ärztekammer und der Ärztliche Kreis- und Bezirksverband München mitteilten. „Die Leichenschau ist in der gültigen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) gnadenlos unterbewertet“, so Ärztekammer-Präsident Dr. Gerald Quitterer. Derzeit könne Ziffer 100 mit 14,52 Euro angesetzt werden, dazu die Wegegebühren. Nacht- oder Wochenendzuschläge gebe es nicht. Für diese Leistung solle ein neuer Rechtsrahmen außerhalb der GOÄ geschaffen werden.

München habe auf Initiative des Ärztlichen Kreis- und Bezirksverbandes einen Forensischen Leichenschau-Dienst eingerichtet. Die Ärzte würden am Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität fortgebildet. Das Angebot habe sich bewährt. „Das verringert in diesen Fällen die sonst häufig langen Wartezeiten für die Polizei und gewährleistet einen hohen Qualitätsstandard der Leichenschau, die meist unter sehr schwierigen Umständen und zu ungünstigen Zeiten stattfindet“, so Dr. Christoph Emminger, Vorsitzender des Ärztlichen Kreis- und Bezirksverbandes. (cmb)

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[19.12.2018, 11:52:31]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Leichenschau: Dauer-Streitthema
Der "Forensische Leichenschau-Dienst" am Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität ist nach meiner persönlichen Kenntnis eine hervorragende Initiative!

Das Bundesland Bremen will eine vergleichbare "qualifizierte Leichenschau" einführen, um einen Beschluss der Bürgerschaft aus dem Jahr 2014 umzusetzen. Nach dem Bericht des "Weser Kurier" sollen alle ca. 8.000 Gestorbene/Jahr künftig von Ärzten des Rechtsmedizinischen Institutes am Klinikum Bremen Mitte (KBM) angesehen werden. https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/berufspolitik/article/912360/beschluss-bremen-plant-neuregelung-leichenschau.html

Doch wann gibt es in Deutschland endlich ein generelles System mit amtlichen Leichenbeschauern wie das "Coroner"-System in den USA?

Ärztinnen und Ärzte müssen hierzulande unter dem Druck einer vollen Sprechstunde bzw. einer umfassenden Kliniktätigkeit zusätzlich "unverzüglich" tagsüber/nachts zur Leichenschau: Dabei sollten die Lebenden aber nicht im Stich gelassen werden, und gesicherte Todesursachen können unter Zeitdruck nicht konkretisiert werden.

Die Inspektion bzw. Untersuchung eines vollständig entkleideten, gut ausgeleuchteten und ggf. nach Fotodokumentation des Auffindungsortes von Verschmutzungsspuren gereinigten Leichnams gemeinsam mit Assistenzpersonal ist uns Niedergelassenen nicht möglich. Nur dabei könnten tatsächlich versteckte Injektions-, Stich- oder Schusswunden unter den Haaransätzen, diskrete Strangulationsspuren, Erstickung durch äußere Einwirkungen, Schädelbasis-Frakturen, verdächtige Hauteffloreszenzen, aber auch Beibringung von tödlich wirkenden Mitteln in Körperöffnungen, Vergiftungen etc. bzw. auch natürliche Todesursachen detektiert werden.

Im Beisein von trauernden, wehklagenden, verstörten, in seltenen Fällen innerlich frohlockenden Angehörigen ist die korrekte Leichenschau insbesondere im häuslichen Milieu unter den kritischen Blicken einer sich stetig vergrößernden Trauergemeinde ein fast undurchführbares „Public Viewing“.

Ein staatlich vereidigter, medizinisch qualifizierter und beamtenbesoldeter „Coroner“, wie z. B. in allen Bundesstaaten der USA für 330 Millionen Menschen gesetzlich geregelt und jetzt in Bremen ab 2017 vorgesehen, würde als neutraler, rechtsmedizinisch geschulter Untersucher, Sachverständiger und Amtsperson mit Unterstützung von Hilfskräften das ihm fremde Terrain eines häuslichen oder öffentlichen Auffindungsortes inspizieren und die Trauergemeinde mit der ihm eigenen Professionalität und Autorität in die Schranken weisen. Suspekte, möglicherweise strafrechtlich relevante Umstände würden eher aufgedeckt und hinzukommenden Ermittlungsbehörden gegenüber kommuniziert werden.

Heraus käme für Deutschland eine exaktere, differenziertere, belastbarere und glaubhaftere Todesursachenstatistik, als es sie bisher gibt! Diese könnte man sogar für krankheitsepidemiologische Forschungen verwerten.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »

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