Ärzte Zeitung online, 03.07.2019

Spahn im Dialog

"Jesus hat Wasser zu Wein gemacht und nicht Gras zum Schwarzen Afghanen"

Locker präsentierte sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn an der Düsseldorfer Uni, um mit Studierenden zu diskutieren. Er forderte unter anderem mehr Pflichtzeiten im niedergelassenen Bereich. Zur Cannabisdebatte griff der Minister auf eine Anekdote aus der Bibel zurück.

Von Ilse Schlingensiepen

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verrät Studierenden, dass er gerne 105 Jahre alt werden möchte.

© Ilse Schlingensiepen

DÜSSELDORF. Mit schlechter Laune und Weltuntergangsstimmung lässt sich nicht gut Politik machen, findet Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Er wünscht sich mehr Optimismus und Zuversicht bei den großen gesellschaftlichen Themen wie der Demografie oder der Digitalisierung. Im Hörsaal 3A der Düsseldorfer Universität geht der Minister mit gutem Beispiel voran. „Ich möchte gerne 105 Jahre werden“, erzählt er. „Auf das autonome Fahren habe ich richtig Lust.“

Der CDU-Politiker ist auf Einladung der unionsnahen Studierendenorganisation RCDS und der Jungen Union nach Düsseldorf gekommen, um mit rund 400 Studierenden über Gesundheitspolitik zu diskutieren. Spahn präsentiert sich dem jungen Publikum locker und gut gelaunt. Den Schlips hat er abgelegt, ein Mikrofon braucht er nicht.

Am Beispiel der Gesundheitspolitik zeigt der Minister den nötigen „Dreiklang“ auf, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Am Anfang müsse eine breite und gut geführte Debatte stehen, die geprägt ist von der Bereitschaft, auch konträre Meinungen zuzulassen, Beispiel Organspende.

Konrete Schritte gegen Vertrauensverlust

In einem zweiten Schritt sind Entscheidungen gefragt, Beispiel Masern-Impfpflicht. Wenn Debatten immer wieder neu geführt werden, ohne dass etwas passiert, gehe Vertrauen verloren, wie sich in der Pflege gezeigt habe. Spahn will das Vertrauen mit konkreten Taten Schritt für Schritt wiedergewinnen und den Arbeitsalltag für die Pflegekräfte spürbar verbessern.

Bei der Verbesserung der ärztlichen Versorgung ist für ihn die entscheidende Frage, ob die teuer ausgebildeten Ärzte auch dort ankommen, wo sie gebraucht werden. „Ich möchte bei der Überarbeitung der Approbationsordnung mehr Pflichtzeiten im niedergelassenen Bereich.“ Dazu gehöre auch ein Pflichtstadium in der Allgemeinmedizin. Das hören manche im Publikum gar nicht gern. „Da müsst Ihr durch“, betont der Minister.

Nach den gut geführten Debatten und den konkreten Veränderungen sollte der dritte Teil des politischen Dreiklangs kommen. „Daraus folgt hoffentlich die Zuversicht, dass man auch die großen Zukunftsprobleme lösen kann.“ Herausforderungen wie die Demografie oder die Digitalisierung eben.

Bei den Fragen aus dem Publikum bleibt Spahn keine Antwort schuldig, er weiß die Zuhörer zu gewinnen. Es gibt eine Ausnahme: Eine Psychologie-Studentin beklagt sich darüber, dass die derzeit Studierenden nicht von der geplanten besseren Bezahlung der Psychotherapeuten in Ausbildung profitieren. Man werde während der Sommerpause nach einer Lösung suchen. „Ihr habt alle die Ausbildung und den Studiengang unter den gegebenen Umständen angefangen“, sagt Spahn aber auch. Das kommt nicht gut an.

Jesus und Cannabis verglichen

Das Thema Legalisierung von Cannabis nimmt er ernst, weil es viele junge Leute beschäftige. „Ich bin kein Ideologe.“ Für die Ungleichbehandlung von Cannabis und Alkohol seien nicht zuletzt kulturelle Gründe entscheidend. „Jesus hat Wasser zu Wein gemacht und nicht Gras zum Schwarzen Afghanen.“

Als er zum Schluss zu Maßnahmen im Kampf gegen Krebs gefragt wird, wird Spahn noch mal leidenschaftlich. Am Ziel, die Krankheit in 20, 30 Jahren beherrschbar zu machen, hält er fest. Ganz oben auf der Agenda steht dabei für ihn der Kampf gegen zu viel Zucker, zu viel Salz und zu viel Fett. „Ich bin da relativ ziemlich wild entschlossen“, sagt er, korrigiert sich dann lachend, „Ich bin wild entschlossen.“

Zunächst setzt er auf die freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie. „Wenn die Industrie dem nicht nachkommt, werde ich einer der ersten sein, der über gesetzliche Maßnahmen redet“, kündigt Spahn an. Das Publikum bedankt sich für seinen Auftritt mit großem Applaus – und der Veranstalter mit einer Schachtel Pralinen.

Jesus hat Wasser zu Wein gemacht und nicht Gras zum Schwarzen Afghanen.

Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister zur Ungleichbehandlung von Cannabis und Alkohol.

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[04.07.2019, 15:01:25]
Jürgen Zante 
Anekdote - Wunder
Da verdrehen Sie mir das Wort. Ich habe eben NICHT vorgeschlagen, die Wandlung als Wunder zu bezeichnen, sondern zitiert, dass man die entsprechenden biblischen Geschichten traditionell gemeinhin so nennt und SIE gebeten, sich um einen passenderen Ausdruck als ausgerechnet den begriff "Anekdote" zu bemühen. Wenn Sie in der von Ihnen zitierten Definition von Anekdote einmal weiterlesen, wird Ihnen auffallen, dass er nicht gut zutrifft. Aber fragen wir den Duden - immer noch DIE Institution der deutschen Sprache: "Bedeutung: kurze, meist witzige Geschichte, die eine Persönlichkeit, eine soziale Schicht, eine Epoche u. Ä. treffend charakterisiert. BEISPIELE: eine kleine, hübsche, wahre Anekdote erzählen, sie gab eine Anekdote zum Besten".
Übrigens würden moderne Bibelwissenschaftler eher den Begriff "Legende" oder "nach biblischer Überlieferung" verwenden. Sorry, aber ich wollte Ihnen ja Ihre Arbeit eigentlich eben nicht abnehmen!
PS: auch der Große Brockhaus in 12 Bänden definiert die Anekdote so, dass sie auf die überlieferten Wunder der Bibel nicht anwendbar ist. Das Zitat opfere ich dem Platz.  zum Beitrag »
[04.07.2019, 14:40:48]
P.-A. Oster 
Wenn man schon an Gott glaubt ....
und ein gewisser Herr Spahn meint, Jesus dümmlich zu zitieren, dann muss dem allerwertesten Spaahn widersprochen werden: Jesus hat nicht nur Wasser zu Wein verwandelt, sondern er, respektive sein Vater, kann auch aus Gras einen 'Schwarzen Afghanen'machen!!!!

'Natürlich'[Cave: soll als Wortspiel gesehen werden]
non smokly yours >P,-A. Oster< zum Beitrag »
[03.07.2019, 16:41:52]
Ärzte Zeitung 
Anekdote
Hallo Herr Zante, laut Digitalem Wörterbuch der deutschen Sprache ist eine Anekdote eine "kurze (unbeglaubigte) Erzählung, die eine historische Persönlichkeit durch eine Begebenheit charakterisiert" (https://www.dwds.de/wb/Anekdote). Genau das ist die beschriebene Geschichte. Ob man dies "Wunder" nennt, wie Sie vorschlagen, ist eine persönliche Frage des Glaubens. Wir bemühen uns allerdings immer um nicht wertende Formulierungen. zum Beitrag »
[03.07.2019, 06:59:50]
Jürgen Zante 
Die Evangelien - Anekdotensammlung?
Was um alles in der Welt hat Sie bewogen, die biblische Überlieferung von der Hochzeit zu Kana als Anekdote zu bezeichnen? Gemeinhin bezeichnet man die überlieferten Taten Jesu in der Bibel, soweit sie sich mit der damaligen allgemeinen Erfahrung nicht erklären ließen, als Wunder. Die Umwandlung von Wasser zu Wein war darunter das Erste überlieferte. Einem kindlichen Wunderglauben müssen Sie nicht anhängen, ich will dem auch nicht das Wort reden. Der Begriff "Anekdote" ist jedoch diffamierend und verletzt überdies religöse Gefühle. Ein wohlverstandener guter Journalismus hätte sicher einen adäquaten Begriff gefunden, diese Arbeit will ich Ihnen gar nicht abnehmen. Wikipedia schreibt zur Anekdote: "Die drei wichtigsten Merkmale sind: die Pointe, die Reduktion auf das Wesentliche und die scharfe Charakterisierung einer oder auch mehrerer Personen." zum Beitrag »

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