Ärzte Zeitung, 22.01.2010

Hilfe für Haiti: Ein US-Lazarett auf See

Aufbau einer notfallmedizinischen Infrastruktur / Unverändert chaotische Verhältnisse in Port-au-Prince

PORT-AU-PRINCE (dpa). In dem vom Erdbeben verwüsteten Haiti schwindet mit jeder Stunde die Chance, weitere Überlebende unter den Trümmern zu finden. Tausende Helfer suchen unermüdlich und verzweifelt nach Verschütteten. Inzwischen ist auch das US-Lazarettschiff "Comfort" eingetroffen.

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Hilfe im Hafen: Das US-Lazrarettschiff "Comfort" kann die Versorgung von 1000 Patienten sicherstellen. i© dpa

In Port-au-Prince richtete ein Nachbeben der Stärke 6,1 am Mittwoch offensichtlich keine zusätzlichen schweren Schäden an. Allerdings ist die haitianische Hauptstadt schon zu großen Teilen zerstört. Bislang gibt es immer noch keine genauen Angaben über die Lage außerhalb von Port-au-Prince nach dem neuen Beben. Auch am neunten Tag nach dem Jahrhundertbeben herrschten in Port-au-Prince chaotische Zustände.

Abertausende Menschen irrten noch immer durch die Trümmer, viele warten seit Tagen auf medizinische Erstversorgung. Die Notfallzentren sind überfüllt. Ärzte, Krankenschwestern und Sanitäter aus aller Welt arbeiten rund um die Uhr bis zur völligen Erschöpfung.

Ein mobiles Krankenhaus des Deutschen Roten Kreuzes sei bereits auf dem Weg. Seit Mittwoch hat auch die Gesundheitsstation des DRK den Betrieb aufgenommen. "Die ersten Patienten wurden behandelt. Meist waren es Leute mit Knochenbrüchen und Quetschungen, die seit dem Beben überhaupt noch nicht versorgt worden waren", sagte die Sprecherin.

Der Fokus der Helfer liege jetzt auf der Versorgung mit Wasser und Nahrungsmitteln, sagte UN-Koordinator Holmes. "Das ist nach wie vor ein Problem, weil Kraftstoff für Tankwagen und andere Lastwagen fehlt und der Flughafen der Stadt völlig überlastet ist. Wir nutzen jetzt auch den Flughafen von Santo Domingo in der Dominikanischen Republik, aber auch da gibt es Grenzen."

Am Mittwoch begannen Ärzte auf dem vor Port-au-Prince eingetroffenen US-Lazarettschiff "Comfort" die ersten Patienten zu behandeln. Der erste Patient sei ein kleiner Junge gewesen, dessen Haut zu 30 Prozent Verbrennungen aufwies, sagte der Chef des Operationsteams an Bord der "Comfort", Tim Donahue, dem US-Sender CNN. Der Junge sowie ein 20-Jähriger mit gebrochener Wirbelsäule und blutenden Wunden am Kopf wurden zu dem Lazarettschiff gebracht, noch bevor es eigentlich einsatzbereit war. Auf dem US-Schiff können 1000 Patienten gleichzeitig behandelt werden. Für Operationen stehen sechs Säle bereit. In ihren Tanks hat das Schiff mehr als eine Million Liter Trinkwasser. Gebaut wurde das zunächst als Tanker eingesetzte Schiff bereits 1976. Die schwimmende Klinik liegt auch bei rauer See stabil im Wasser, was den Einsatz außerhalb geschützter Häfen erleichtert.

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