Ärzte Zeitung online, 29.10.2014

Japan

Tokio rüstet sich für Ebola

Japans Regierung bereitet sich auf einen möglichen Ebola-Fall vor. Das Gesundheitsministerium verschärft die Auflagen für Reisende aus Westafrika und erweitert die Kompetenzen der Lokalregierungen im Kampf gegen ansteckende Krankheiten.

TOKIO. Japan ist diese Woche an seinem potenziellen ersten Ebola-Fall vorbeigeschrammt. Nach Zeitungsberichten war ein 45-jähriger Journalist nach einem zweimonatigen Aufenthalt in Liberia am Tokioter Flughafen Haneda mit Fieber aufgefallen und auf Ebola getestet worden - mit negativem Befund.

Seit sich die Atemwegserkrankung SARS 2003 über Asien ausbreitete, ist die Region sensibilisiert für Infektionskrankheiten. Damals wurde erkannt, wie wichtig der grenzübergreifende Informationsaustausch ist. Die Kooperation wurde verbessert und neue Systeme zur Eindämmung ansteckender Krankheiten wurden initiiert.

Trotz oder gerade wegen SARS ist angesichts der exponentiellen Ausbreitung des Ebola-Virus vielerorts von "Ebola-Panik" die Rede, so auch in Japan. Dort geriet darüber selbst der nach mehreren Jahrzehnten erste Ausbruch von Dengue-Fieber, an dem über 100 Menschen im Sommer landesweit erkrankten und der etwa zur Schließung mehrerer großer Parks in Tokio führte, in Vergessenheit.

Krankenhäuser sensibilisieren Patienten

Wer derzeit in Tokio eines der großen Krankenhäuser aufsucht, findet dort neue Hinweistafeln auf Japanisch und Englisch, sich bei Symptomen wie Fieber und Erbrechen und einem Aufenthalt in Westafrika in den letzten drei Wochen umgehend beim Personal zu melden.

Auch an 30 großen Flughäfen in Japan, die eine Quarantänestation haben, werden ab 31. Oktober ähnliche Schilder in neun Sprachen aufgestellt.

Reisende, die in den letzten drei Wochen, der maximalen Inkubationszeit, in den vier derzeit am stärksten betroffenen Ländern Guinea, Liberia, Sierra Leone oder der Republik Kongo waren, müssen dies am Flughafen mitteilen. Sollten sie dies nicht tun, können Beamte der Einwanderungsbehörde sie in die Quarantäne schicken.

Japans Gesundheitsminister Yasuhisa Shiozaki wäre es aber noch lieber, die von dort Einreisenden meldeten sich bei einem öffentlichen Gesundheitszentrum anstatt einem Krankenhaus, zweimal täglich über drei Wochen hinweg. Diese stehen unter einem direkteren Einfluss der Regierung. Außerdem sollen ihre Mitarbeiter ab November an Seminaren zu Ebola teilnehmen.

Lokalregierungen haben nun mehr Macht erhalten, von Patienten mit einer ansteckenden Krankheit zu verlangen, sich auf Ebola testen zu lassen. Das Ministerium führt Simulation dazu durch, wie sie Verdachtsfälle sicher zu den dafür designierten medizinischen Einrichtungen bringen würden.

Kein Quarantänezentrum entspricht US-Anforderungen

Sollte tatsächlich ein an Ebola Erkrankter einreisen, verfügt Japan jedoch über kein einziges Quarantänezentrum, das den von den US-Behörden zur Kontrolle und Prävention von Krankheiten verlangten Biosicherheitsstandard Stufe 4 aufweisen kann, der für Ebola verlangt wird. Zwar gab es einmal Versuche, solche Zentren einzurichten.

Doch eine Hürde dabei war, dass Anwohner ihre Zustimmung dazu verweigerten. (bso/maw)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jede achte Frau braucht nach der Geburt Antidepressiva

Etwa elf Prozent aller Frauen leiden im ersten Jahr nach der Geburt an Depressionen. Unter jungen Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren ist der Anteil fast doppelt so hoch. mehr »

Die Malaria-Gefahr wächst

Weltweit steigen Erkrankungszahlen an Malaria seit zwei Jahren wieder. Es trifft nicht nur Kinder in Entwicklungsländern, sondern auch Reisende aus Deutschland. mehr »

„Mütter sind die zentralen Ansprechpartner“

In dieser Woche werben Urologen für die HPV-Impfung. Vor allem bei Jungen besteht Nachholbedarf. Wie sie für eine Impfung gewonnen werden sollen, erklärt der Vorsitzende des Berufsverbandes Dr. Axel Schroeder. mehr »