Direkt zum Inhaltsbereich

Japan

Tokio rüstet sich für Ebola

Japans Regierung bereitet sich auf einen möglichen Ebola-Fall vor. Das Gesundheitsministerium verschärft die Auflagen für Reisende aus Westafrika und erweitert die Kompetenzen der Lokalregierungen im Kampf gegen ansteckende Krankheiten.

Veröffentlicht:

TOKIO. Japan ist diese Woche an seinem potenziellen ersten Ebola-Fall vorbeigeschrammt. Nach Zeitungsberichten war ein 45-jähriger Journalist nach einem zweimonatigen Aufenthalt in Liberia am Tokioter Flughafen Haneda mit Fieber aufgefallen und auf Ebola getestet worden - mit negativem Befund.

Seit sich die Atemwegserkrankung SARS 2003 über Asien ausbreitete, ist die Region sensibilisiert für Infektionskrankheiten. Damals wurde erkannt, wie wichtig der grenzübergreifende Informationsaustausch ist. Die Kooperation wurde verbessert und neue Systeme zur Eindämmung ansteckender Krankheiten wurden initiiert.

Trotz oder gerade wegen SARS ist angesichts der exponentiellen Ausbreitung des Ebola-Virus vielerorts von "Ebola-Panik" die Rede, so auch in Japan. Dort geriet darüber selbst der nach mehreren Jahrzehnten erste Ausbruch von Dengue-Fieber, an dem über 100 Menschen im Sommer landesweit erkrankten und der etwa zur Schließung mehrerer großer Parks in Tokio führte, in Vergessenheit.

Krankenhäuser sensibilisieren Patienten

Wer derzeit in Tokio eines der großen Krankenhäuser aufsucht, findet dort neue Hinweistafeln auf Japanisch und Englisch, sich bei Symptomen wie Fieber und Erbrechen und einem Aufenthalt in Westafrika in den letzten drei Wochen umgehend beim Personal zu melden.

Auch an 30 großen Flughäfen in Japan, die eine Quarantänestation haben, werden ab 31. Oktober ähnliche Schilder in neun Sprachen aufgestellt.

Reisende, die in den letzten drei Wochen, der maximalen Inkubationszeit, in den vier derzeit am stärksten betroffenen Ländern Guinea, Liberia, Sierra Leone oder der Republik Kongo waren, müssen dies am Flughafen mitteilen. Sollten sie dies nicht tun, können Beamte der Einwanderungsbehörde sie in die Quarantäne schicken.

Japans Gesundheitsminister Yasuhisa Shiozaki wäre es aber noch lieber, die von dort Einreisenden meldeten sich bei einem öffentlichen Gesundheitszentrum anstatt einem Krankenhaus, zweimal täglich über drei Wochen hinweg. Diese stehen unter einem direkteren Einfluss der Regierung. Außerdem sollen ihre Mitarbeiter ab November an Seminaren zu Ebola teilnehmen.

Lokalregierungen haben nun mehr Macht erhalten, von Patienten mit einer ansteckenden Krankheit zu verlangen, sich auf Ebola testen zu lassen. Das Ministerium führt Simulation dazu durch, wie sie Verdachtsfälle sicher zu den dafür designierten medizinischen Einrichtungen bringen würden.

Kein Quarantänezentrum entspricht US-Anforderungen

Sollte tatsächlich ein an Ebola Erkrankter einreisen, verfügt Japan jedoch über kein einziges Quarantänezentrum, das den von den US-Behörden zur Kontrolle und Prävention von Krankheiten verlangten Biosicherheitsstandard Stufe 4 aufweisen kann, der für Ebola verlangt wird. Zwar gab es einmal Versuche, solche Zentren einzurichten.

Doch eine Hürde dabei war, dass Anwohner ihre Zustimmung dazu verweigerten. (bso/maw)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Ein Medikament unter vielen, das wenigen hilft? 2400 Wirkstoff-Kandidaten in der EU haben den Orphan-Drug-Status.

© artisteer / Getty Images / iStock

Wirkstoff-Kandidaten mit Orphan-Drug-Status

Orphan Drugs – Risiken für ein Modell

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Ein junges Mädchen wird geimpft – gegen HPV? (Symbolbild mit Fotomodellen)

© milanmarkovic78 / stock.adobe.com

Vision Zero Onkologie

Die Elimination des Zervixkarzinoms

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vision Zero e.V.
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Cholesterin

Intensive LDL-Senkung bei hohem Lp(a): Warum das schwierig werden kann

Lesetipps
Ausgestreckte Hand gegenüber einer Impfspritze.

© anyaivanova / Getty Images / iStock

Überprüft

5 Mythen übers Impfen im Faktencheck

Eine Frau in den Wechseljahren leidet unter Hitzewallungen.

© Diane Diederich / Getty Images / iStock

Über eine Million Datensätze

Wie die Menopause Körperprozesse beeinflusst