Ärzte Zeitung, 07.12.2015

Großbritannien

Hausärzte im NHS zieht es in die Ferne

Ärzteverbände sind beunruhigt: Immer mehr Hausarztstellen im NHS können in Großbritannien nicht besetzt werden. Stattdessen wächst die Bereitschaft, auszuwandern.

Von Arndt Striegler

LONDON. Hausarztmangel in Großbritannien trotz guter ärztlicher Einkommen: Jede zehnte Vollzeitstelle im staatlichen britischen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) für Hausärzte ist derzeit nicht besetzt, weil es an Bewerbern fehlt. Hausärztliche Berufsverbände schlagen Alarm und sprechen von "Ärzteflucht" - wohingegen Gesundheitspolitiker das Problem kleinreden.

Wie aus aktuellen Zahlen des Londoner Gesundheitsministeriums hervorgeht, fehlen landesweit mehrere tausend Hausärzte. War früher der Hausarztmangel oft auf ländliche Regionen beschränkt, mangelt es inzwischen auch in London, Manchester und Birmingham an qualifizierten Allgemeinärzten.

Landesweit können derzeit zehn Prozent aller NHS-Hausarztstellen nicht besetzt werden. Innerhalb der vergangenen drei Jahren hat sich diese Zahl verdreifacht.

Zwei Drittel aller staatlichen Hausarztpraxen gab kürzlich bei einer Umfrage an, dass die Praxis es entweder "schwer" oder "sehr schwer" habe, qualifizierte Hausärzte einzustellen, die bereit sind, für den staatlichen Gesundheitsdienst zu arbeiten.

"Besorgnisserregender Trend"

Zwar hat das Londoner Gesundheitsministerium keine offiziellen Statistiken, wie viele britische Hausärzte jährlich dem Land und damit dem staatlichen Gesundheitsdienst den Rücken kehren. Allerdings berichten hausärztliche Berufsorganisationen wie zuletzt das Royal College of General Practitioners (RCGP) "einen besorgniserregenden Trend, auszuwandern".

In Großbritannien praktizieren derzeit rund 33.000 Vollzeit-NHS-Hausärzte. "Wir beobachten das mit Sorge", sagte ein RCGP-Sprecher der "Ärzte Zeitung". "Wenn die Gesundheitspolitiker nicht ganz schnell das Ruder herumwerfen, um dieser Ärzteflucht zu begegnen, dann werden wir schon bald einen akuten Versorgungsnotstand haben."

Beliebt: Neuseeland, Australien, Kanada

Nach Angaben des RCGP haben im vergangenen Jahr mehr als 500 NHS-Hausärzte ein Zertifikat beim General Medical Council (GMC) angefordert, das Voraussetzung ist, damit in Großbritannien ausgebildete Hausärzte in Ländern wie Australien oder Kanada praktizieren dürfen. Der GMC ist ein Organ der ärztlichen Selbstverwaltung.

Besonders beliebt als Auswanderungsland britischer Hausärzte sind Neuseeland, Australien, Kanada, Hongkong, Singapur und Dubai. In Australien haben sich allein in den vergangenen zehn Jahren rund 5000 in Großbritannien ausgebildete Hausärzte niedergelassen.

Dieser Trend hält an. 21 Prozent aller angehenden Allgemeinmediziner beabsichtigen laut einem Bericht der Tageszeitung "Daily Mail", nach Ausbildungsende auswandern zu wollen.

[07.12.2015, 10:34:53]
Dr. Henning Fischer 
dann soll Großbritannien doch auch versuchen, den Balkan medizinisch auszubeuten

wie Deutschland das ja schon lange schamlos tut.

Soll der Balkan sich doch aus Afrika oder Indien oder sonst woher Ärzte besorgen. Hauptsache der Staubsauger nach Nordeuropa funktioniert.

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