Ärzte Zeitung, 14.11.2016
 

Optimismus schafft Babys

Deshalb bekommen deutsche Paare so wenige Kinder

3,1 Kinder bringt jede israelische Frau im Schnitt zur Welt – mehr als in jedem anderen westlichen Land. Erstaunlich: Ausgerechnet die strenge Auslegung der Religion befeuert die Zeugung.

Babe-AH.jpg

In Israel kommen mehr als doppelt so viele Kinder pro Frau zur Welt – statistisch gesehen.

© Ramona Heim / Fotolia

TEL AVIV. Israel ist laut der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) das Land mit der höchsten Geburtenrate in der westlichen Welt. Im vergangenen Jahr lag sie bei 3,1 Kindern pro Frau, wie das Zentrale Israelische Statistikbüro mitteilt.

Zum Vergleich: In Deutschland waren es 1,5 Kinder. Für den Demographen Sergio DellaPergola gibt es zwei Erklärungen für die hohe Geburtenrate in Israel: "Die eine ist Optimismus, die andere sind materielle Ressourcen." Die israelische Gesellschaft sei sehr optimistisch, die Menschen seien zufrieden – im Gegensatz etwa zu Deutschland.

"Das ist außergewöhnlich, weil wir so viele Herausforderungen haben, Probleme im Land, international, Momente des Krieges, weit verbreitete Armut", sagt der Professor von der Hebräischen Universität in Jerusalem.

Lebensstandard stark verbessert

Außerdem habe sich der Lebensstandard in Israel in den vergangenen Jahrzehnten stark entwickelt. 2015 habe sich die Hälfte der 8,5 Millionen Israelis einen Urlaub im Ausland leisten können. Die Arbeitslosenrate ist mit prognostizierten 5,4 Prozent in diesem Jahr sehr gering (Angaben des Auswärtigen Amtes).

Die Armut konzentriere sich auf die strengreligiösen jüdischen Familien, in denen der Vater nicht arbeiten gehe – und auf die arabischen Familien, in denen die Mütter nicht arbeiteten. Doch gerade die ultra-orthodoxen Juden seien wiederum die Optimistischsten aufgrund ihrer guten sozialen Netzwerke.

Frauen aus dieser Gruppe bekommen im Schnitt sogar 5,3 Kinder. Kinder gelten in Israel nicht als Karrierebremse. Frauen erhalten während des Mutterschutzes 14 Wochen lang ihr volles Gehalt weiter.

Für die Soziologin Orna Donath hat die hohe Geburtenrate vor allem religiöse und politische Gründe. "Die Pflicht, Kinder zu bekommen, und Mutter zu sein, ist präsent in religiösen Geboten, wie "seid fruchtbar und mehret euch"", sagt sie. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Es kommt Schwung in die Entwicklung neuer Psychopharmaka

Bald könnte es einen Schub für die Entwicklung neuer Psychopharmaka geben. Denn Forscher finden immer mehr über die Entstehung psychischer Erkrankungen heraus. mehr »

Spielt Krebs eine Rolle beim plötzlichen Kindstod?

Ein plötzlicher Kindstod bei einer unbekannten neoplastischen Erkrankung ist selten, aber kommt vor. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie. mehr »

Patienten sollen Verdacht auf Nebenwirkung melden

Alle europäischen Arzneimittelbehörden fordern in einer gemeinsamen Kampagne Patienten auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. mehr »