Ärzte Zeitung online, 13.03.2017

Frankreich

Ärztemangel kommt im Dreiländer-Eck an

Die Region an der Grenze von Deutschland, Frankreich und der Schweiz gilt als gut versorgt. Doch nun droht der ersten Stadt ein Engpass.

Denis Durand de Bousingen

Huningue. Bislang galt der steigende Ärztemangel in Frankreich als ein typisches ländliches Problem. Dass eine kleine elsässische Stadt, in unmittelbarer Nähe zu Deutschland und der Schweiz gelegen, bald ohne Ärzte auskommen wird, zeigt jedoch, dass das Problem weit über die "typischen" ländlichen Regionen hinausgeht.

7000 Einwohner zählt die Stadt Huningue (Hüningen) an der Dreiländerbrücke in das badische Weil am Rhein. Basel liegt in rund fünf Kilometern Entfernung. Für die dort angesiedelten Pharmakonzerne forschen viele der in Hüningen traditionell vorhandenen Apotheken – die Kleinstadt ist nicht originär von einem Mangel an medizinischen Strukturen betroffen.

Geht es um die tägliche Behandlung der Bevölkerung, ist die Situation heute jedoch anders. Im Stadtzentrum ließ vor einigen Jahren die Kommune eine moderne Gemeinschaftspraxis für vier Allgemeinärzte sowie zwei Pflegerinnen errichten. Doch am 1. April wird der älteste von ihnen in Pension gehen, und die drei anderen wollen aus verschiedenen Gründen nicht mehr dort bleiben. Offiziell geht es um Mietpreise, inoffiziell um Sicherheitsprobleme: In Huningue wohnen nicht nur gut bezahlte Grenzgänger, und mehrmals soll es in der Praxis heftige Streitereien gegeben haben. Einige Bürger wollen gar wissen, dass ein Arzt geschlagen wurde.

Zusammen mit den regionalen Gesundheitsbehörden versucht die Stadt bislang vergeblich, zumindest einen oder zwei Nachfolger für die vier Ärzte zu finden. Zwar könnten die Hüninger Patienten künftig auf Ärzte in der benachbarten Kreisstadt Saint Louis sowie einige andere umliegende Praxen zurückgreifen, jedoch sind die meisten Ärzte älter als 55 und wollen keine neuen Patienten mehr empfangen. Nun wird nach Lösungen gesucht: Soll man die Praxis in eine städtische Poliklinik mit einem angestellten Arzt umbauen oder Ärzte aus dem Ausland suchen? Auch über die Einrichtung einer direkten Buslinie zu benachbarten Ärzten wird nachgedacht.

Dass eine solche Situation im sogenannten Dreiländer-Eck, das vor allem dank Basel zu den reichsten Regionen Europas zählt, entstehen könnte, hätte niemand erwartet. In Frankreich werden Ärzte, die sich freiwillig in unterversorgten Gebieten niederlassen, von der Krankenversicherung finanziell unterstützt. Jedoch können nur bestimmte Gebiete, vor allem im Bergland, derzeit von diesem Anreiz profitieren.

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