Ärzte Zeitung online, 10.08.2018

OECD

Internationale Wachstumsdelle bei Gesundheitsausgaben

Vorläufige OECD-Zahlen deuten darauf hin, dass die Gesundheitsausgaben in Industriestaaten nur gering gewachsen sind – im Vergleich zur Prä-Finanzkrisenzeit. Im Gegensatz zu den letzten Jahren ziehen Medikamentenausgaben dagegen wieder stärker an.

Internationale Wachstumsdelle bei Gesundheitsausgaben

DIe OECD hat die Gesundheitsausgaben unter die Lupe genommen: Sie stiegen zuletzt in Industriestaaten nur um 2,5 Prozent an.

© Jürgen Fälchle / stock.adobe.com

BRÜSSEL. Das Wachstum der Gesundheitsausgaben in den 36 Mitgliedsländern der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) hat sich 2017 verlangsamt. Nach vorläufigen Zahlen der OECD sind die Ausgaben im Schnitt um 2,5 Prozent gestiegen – für 2016 war eine Zunahme von 3,4 Prozent verzeichnet worden. Dabei bleibt das Wachstum im OECD-Durchschnitt weiter deutlich hinter den Steigerungsraten vor der Finanz- und Verschuldungskrise ab dem Jahr 2008.

Die Staaten sind sehr unterschiedlich aus der Krise herausgekommen. In Portugal, Italien und Spanien haben sich die Gesundheitsausgaben pro Kopf aktuell lediglich auf dem Niveau vor 2009 eingependelt, in Griechenland liegen sie sogar fast 30 Prozent unter dem Wert vor der Krise.

Ganz anders in Litauen und Estland: Obwohl beide Länder radikale Kürzungen vornehmen mussten, liegen die Gesundheitsausgaben dort fast 40 Prozent über dem Level von 2009.

USA auf Platz 1

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) nehmen die USA mit 17,2 Prozent nach wie vor den Spitzenplatz bei den Gesundheitsausgaben ein. Die Schweiz (12,3 Prozent), Frankreich (11,5 Prozent) und Deutschland (11,3 Prozent) folgen im Ranking. Im Durchschnitt der 36 Länder wird für Gesundheit 8,9 Prozent des BIP aufgewendet. Am niedrigsten ist dieser Wert in der Türkei (4,2 Prozent).

Beeindruckend sind die Pro-Kopf-Werte für Gesundheitsausgaben. Sie liegen nach OECD-Angaben fast 70 Prozent über denen für Bildung. Den höchsten Wert verzeichnen wiederum die USA – erstmals waren es im Vorjahr mehr als 10.000 US-Dollar, der OECD-Schnitt liegt bei 4069 Dollar.

Getrieben wurde das starke Ausgabenwachstum 2016 vor allem durch die ambulante Versorgung (4,4 Prozent) und die Langzeitpflege (3,0 Prozent), weniger durch Ausgaben für Medikamente (3,0 Prozent) und stationäre Versorgung (2,2 Prozent).

Auffallend für die OECD ist die Entwicklung bei Arzneimitteln. Nach Jahren fast stagnierender Ausgaben – bedingt durch staatliche Kostenkontrollen und Patentausläufe – zögen diese – auch wegen neuer hochpreisiger Medikamente – wieder an, heißt es. (fst)

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