Gesundheit im Vergleich

Älter, kränker, teurer – die EU zieht Bilanz

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BRÜSSEL. Der Anstieg der Lebenserwartung in den 28 EU-Ländern hat sich seit 2011 verlangsamt. Das geht aus dem Bericht „Gesundheit auf einen Blick“ hervor, den EU-Kommission und OECD am Donnerstag veröffentlicht haben. Darin wird auch auf die Bedeutung psychischer Erkrankungen verwiesen. 84.000 Menschen seien in der EU im Jahr 2015 daran gestorben.

Die direkten und indirekten Kosten dieser Erkrankungen belaufen sich auf vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der EU-Länder – mehr als 600 Milliarden Euro. Mit besserer Prävention und effizienterer Versorgung hätten 1,2 Millionen vorzeitige Todesfälle vermieden werden können, heißt es in dem Bericht. 37 Millionen Krankenhauseinweisungen pro Jahr wären demnach vermeidbar gewesen.

Dabei wenden die EU-Staaten immer mehr Geld für Gesundheit auf. Im Vorjahr sind es 9,6 Prozent des BIP gewesen –  zehn Jahre zuvor waren es 8,8 Prozent. In Deutschland lagen diese Kosten laut der Studie im Jahr 2015 bei 4,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, das sind mehr als 146 Milliarden Euro.

Blick auf Gesundheit der Deutschen

Die Deutsche leiden der EU-Vergleichsstudie zufolge relativ häufig an psychischen Krankheiten. Mit einem Anteil von 18 Prozent Betroffenen lag Deutschland im Jahr 2016 über dem EU-Durchschnitt von 17,3 Prozent. Den größten Anteil davon machen Angststörungen aus, dicht gefolgt von Depressionen.

Insgesamt litten EU-weit fast 84 Millionen Menschen an psychischen Erkrankungen. Am häufigsten kommen diese der Untersuchung zufolge in Finnland und den Niederlanden vor, am seltensten in Rumänien, Bulgarien und Polen.

Die Verfasser weisen jedoch darauf hin, dass international sehr unterschiedlich mit psychischen Problemen umgegangen werde. Dort, wo solche Krankheiten eher als Tabu-Thema gelten, könne die Dunkelziffer höher sein. Neben der persönlichen Belastung bringen psychische Erkrankungen auch hohe Kosten mit sich – einerseits für Behandlung und Medikamente, andererseits für den Ausfall oder die beeinträchtigte Arbeitskraft von Beschäftigten.

 „Oft hängt das psychische Wohlbefinden und die Gesundheit mit dem sozialen und wirtschaftlichen Status von Menschen zusammen“, sagte der für Gesundheit zuständige EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis am Donnerstag in Brüssel. Menschen mit niedriger Bildung und geringem Einkommen sind nach Angaben des Berichts häufiger von chronischen Depressionen betroffen und haben insgesamt eine geringere Lebenserwartung. Andriukaitis rief die EU-Staaten dazu auf, weiter an besseren Versorgungs- und Präventionsmaßnahmen zu arbeiten. (fst/dpa)

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