Ärzte Zeitung online, 24.10.2013

Berlin

Hauptstadt-Pharma legt kräftig zu

Die Pharmabranche gehört zu den wichtigsten Industriezweigen Berlins. Ihre Umsätze sind 2012 kräftig gestiegen. Zurückgegangen ist dagegen die Zahl der Beschäftigten.

BERLIN. Die Pharma-Industrie in Berlin hat sich im vergangenen Jahr behauptet. Nach Umsatz und Beschäftigtenzahl bleibt die Hauptstadt einer der wichtigsten Produktionsstandorte der Branche in Deutschland.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) im Auftrag des Verbandes der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa). 2012 erwirtschafteten die Berliner Pharma-Unternehmen demnach einen Umsatz von gut sechs Milliarden Euro.

Das waren ausweislich der IW-Untersuchung 7,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Deutlich zugelegt hat das Auslandsgeschäft.

Mehr als 4,8 Milliarden Euro des Umsatzes wurden jenseits der deutschen Grenzen erzielt, 17 Prozent mehr als 2011. Berlin liegt damit hinter Hessen und Baden-Württemberg auf Platz drei der wichtigsten Pharmaregionen Deutschlands.

In der Dienstleistungsstadt Berlin ist die Pharmabranche ein Produktionsriese. Sie steuert laut IW den größten Beitrag zur industriellen Produktion in der Hauptstadt bei. 2012 produzierte sie pharmazeutische Erzeugnisse im Wert von knapp 3,8 Milliarden Euro.

Sie erwirtschaftet annähernd 26 Prozent des Umsatzes des verarbeitenden Gewerbes der Stadt, trägt elf Prozent der Investitionen und vereint zehn Prozent der beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe auf sich.

Fischer fordert stärkere Vernetzung der Wissenschaft

Leicht zurückgegangen ist die Beschäftigtenzahl. 2012 arbeiteten 9214 Menschen bei Berliner Pharmabetrieben, 375 weniger als ein Jahr zuvor. Daraus lasse sich nicht schließen, dass die Branche beginne, der Hauptstadt den Rücken zuzukehren, sagte Untersuchungsleiterin Dr. Jasmina Kirchhoff bei der Vorstellung der Zahlen am Mittwoch in Berlin.

Degegen spreche die Zunahme der Investitionen in den Standort. Die lagen 2011 bei 91 Millionen Euro, mehr als neun Prozent mehr als 2010. Die Investitionswerte für 2012 liegen noch nicht vor. Getragen werde das Ergebnis nicht nur von den Berliner Branchengrößen Berlin-Chemie und Bayer, sondern auch von einer Reihe kleinerer und mittlerer Unternehmen.

In Berlin gibt es rund 25 zur Pharmaindustrie zählende Unternehmen, darunter auch Sanofi, Takeda und Pfizer, die in der Hauptstadt zwar keine Produktion, aber ihre Deutschland-Zentralen haben.

vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer strich die Aufwendungen der Unternehmen für Forschung und Entwicklung heraus. Unter den Spitzentechnologiebranchen trage die Pharmaindustrie 43 Prozent der Forschungsinvestitionen. Das sticht den bundesweiten Wert deutlich aus, der bei 30 Prozent liegt.

Diese Zahl korreliert mit dem hohen Akademikeranteil Pharmaunternehmen, der in Berlin bei 36 Prozent, bundesweit bei 24 Prozent liegt. Fischer forderte, nach dem Gründerzentrum in Berlin-Adlershof etwas Ähnliches auch im Umfeld der Freien Universität in Dahlem zu schaffen, um Ausgründungen aus der Grundlagenforschung an den Universitäten zu fördern.

Es sei wichtig, das Wissenschaftsnetzwerk in Berlin weiter zu verdichten. Davon könne die Pharmabranche profitieren. (af)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Der Transgender-Trend

Paradigmenwechsel? Transsexuelle lassen sich sogar selbstbewusst für den "Playboy" ablichten. Psychiater warnen aber vor einem Geschlechtsdysphorie-Hype unter Jugendlichen. mehr »

Deshalb gibt's immer mehr Parkinsonkranke

Die absolute Zahl der weltweiten Parkinsonkranken hat sich seit 1990 mehr als verdoppelt. Forscher haben eine Vermutung, warum der Anstieg in manchen Ländern so stark ist. mehr »

Das Brexit-Brimborium

Unser Londoner Blogger Arndt Striegler hat alle Tests bestanden und ist nun britischer Staatsbürger. Doch auch als Passinhaber ist er sich sicher: Die Briten werden nach dem EU-Ausstieg nicht besser dastehen als vorher. mehr »