Ärzte Zeitung, 21.06.2018

Digitalisierung

Bayern greift nach der Zukunft

Was bedeutet Digitalisierung für das Gesundheitswesen? Das ist teilweise noch schwer fassbar. Eine Initiative aus Bayern versucht, konkret zu werden.

Zukunftsplattform Bayern will Digitalisierung fördern

Bayern digital: Die Zukunftsplattform Bayern will Digitalisierung fördern.

© koi88 / Fotolia

MÜNCHEN. Die Zukunftsplattform Bayern will mit Forderungen an die Politik die Digitalisierung des Gesundheitswesens voranbringen. In der Plattform wirken Vertreter von Berufsverbänden, Kliniken, Krankenkassen, Hochschulen, Wirtschaft und Politik mit. Organisiert wurde sie von der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung.

Die Akteure fordern eine Überwindung der Sektorengrenzen zugunsten einer integrativen Gesundheitsversorgung. E-Health solle mehr als Chance erkannt, weniger als Risiko gefürchtet werden. Eine bundesweite Kampagne wäre dafür nach Meinung der Akteure hilfreich.

Die Initiatoren wollen einen "dynamischen, effizienten Datenschutz", und benennen ein Gleichgewicht zwischen hohen Sicherheitsstandards einerseits, und pragmatischerer Datennutzung andererseits. Eindeutig sollten die Rechte an den Daten zugeordnet sein, "Unsere Gesundheitsdaten gehören uns", so die Forderung. Patienten könnten Daten jederzeit für Heilberufler oder Kassen zur Ansicht freigeben – oder eben auch nicht.

Für den Aufbau der Infrastruktur müsse es staatliche Vorgaben geben, bei der Umsetzung sollten aber mehrere Anbieter im Wettbewerb stehen. Wichtig seien zudem rechtliche Grundlagen, wie digitale Anwendungen in der Regelversorgung implementiert werden können.

Richtlinien für Apps

Beispielsweise solle es Richtlinien geben, wie Apps zu zertifizieren sind. In Sachen GKV-Erstattung digitaler Anwendungen werden klare Verfahren und Fristen gefordert. Bestehende Förderung solle fortgesetzt werden.

Als Schutzmechanismus befürwortet die Plattform für digitale Anwendungen Testläufe, zudem müssten Kontrollmechanismen etabliert werden. Heilberufe sollten sich mehr mit der Technologie auseinandersetzen, um Vorbehalte abzubauen. Die Initiatoren fordern dazu Konzepte für Ausbildung und Weiterbildung.

Ziel der Digitalisierung müsse eine bundesweite, elektronische Gesundheitsakte für alle Gesundheitssektoren sein. Für die Umsetzung sollten aber große Freiräume bestehen. Es müssten auch "vernetzbare Insellösungen" ermöglicht werden.

Für eine solche Vernetzung seien klare Vorgaben zu Standards und Schnittstellen für elektronische Akten und eine innerärztliche Kommunikation wichtig. Kriterien sollten in entsprechenden Katalogen gelistet werden.Ziel sei eine eigene Infrastruktur für das Gesundheitswesen, die zentral eingerichtet und koordiniert werde. Zugleich müsse sie aber transparent und integrativ funktionieren, damit die dezentralen Angebote problemlos daran anknüpfen könnten.

Die zehn Forderungen sind bereits an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) weitergereicht worden. Zudem haben die Akteure der Zukunftsplattform eine Publikation zum Stand bei E-Health in Deutschland erstellt. (cmb)

Der Zustandsbericht ist online abrufbar.

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