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Ärzte Zeitung online, 01.09.2017
 

Im Portrait: Christine Aschenberg-Dugnus

Wahlziel: Wieder Gesundheitsausschuss!

Christine Aschenberg-Dugnus hat schon Berliner Luft geschnuppert. Für die FDP war sie bis 2013 pflegepolitische Sprecherin im Bundestag. Jetzt will sie zurück. Das Thema Gesundheitspolitik ist ihr von Hause aus vertraut.

Von Dirk Schnack

Wahlziel: Wieder Gesundheitsausschuss!

Christine Aschenberg-Dugnus (FDP) klebt Plakate in ihrem Wahlkreis. Wenn sie auf Wahlveranstaltungen ist, hält ihr Mann ihr zu Hause den Rücken frei.

© privat

BAD SEGEBERG. Frau, Politikerin, Rechtsanwältin – "alle drei reden gerne", sagt Christine Aschenberg-Dugnus. Damit bereitet sie die Ehrenamtlichen in der Praxis ohne Grenzen in Bad Segeberg schon mal darauf vor, dass sie nicht nur zum Zuhören gekommen ist. Zugleich hat sie das Eis gebrochen. Die bei ihrem Eintreffen etwas gespannte Atmosphäre ist jetzt lockerer. Mit Praxisgründer Dr. Uwe Denker spricht sie über Lücken im Krankenversicherungssystem, lässt sich Beispiele von Menschen schildern, die von keiner Solidargemeinschaft aufgefangen werden und die erkrankt in Not geraten sind.

Hilfe für Nicht-Versicherte

Christine Aschenberg-Dugnus

Geboren 1959, verheiratet, eine Tochter

Seit 2001 Rechtsanwältin in eigener Kanzlei

Seit 2003 Mitglied und seit 2014 Stellvertretende Vorsitzende des Bundesfachausschusses Gesundheit der FDP

2009 bis 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages, pflegepolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion

Rund eine Stunde lang nimmt sich die FDP-Politikerin Christine Aschenberg-Dugnus Zeit, um mit Menschen zu sprechen, die in Not geratenen Mitmenschen ehrenamtlich und unbürokratisch helfen. Bei der FDP, verrät der früher niedergelassene Allgemeinmediziner Uwe Denker vorab, erwarte man bei diesem Thema nicht unbedingt das größte Entgegenkommen. Er lädt immer wieder Politiker aller Parteien ein, um darüber zu informieren, dass es in Deutschland nicht versicherte Menschen gibt und eine ehrenamtliche Hilfe für sie keine Dauerlösung sein kann – er fordert eine politische Lösung.

Deshalb sitzt heute Christine Aschenberg-Dugnus in der Praxis ohne Grenzen. Fotos an der Wand zeigen, dass sich schon viel Politprominenz über die Praxis informiert hat. Der frühere Bundespräsident Christian Wulff, der ehemalige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen oder Ex-Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. Nun die frühere Bundestagsabgeordnete Christine Aschenberg-Dugnus – und vielleicht die künftige.

Denn die in Strande bei Kiel wohnende Rechtsanwältin hat gute Aussichten, nach dem Ausscheiden der FDP vor vier Jahren wieder in den Bundestag einzuziehen. In Schleswig-Holstein steht sie hinter Wolfgang Kubicki und Bernd Buchholz auf Platz drei der Landesliste ihrer Partei. Buchholz ist seit kurzem Wirtschaftsminister im Norden und es gilt als unwahrscheinlich, dass er nach Berlin geht. Bei den derzeitigen Umfragewerten ist Aschenberg-Dugnus damit fast sicher im Bundestag. Dort möchte sie sich wieder um Gesundheitspolitik kümmern und würde gerne im Gesundheitsausschuss mitarbeiten.

Anders als bei manch anderen Politikern ist ihr das Thema nie sperrig oder fremd vorgekommen. Ihr Vater war niedergelassener praktischer Arzt, ihr Mann ist Zahnarzt. Die Rechtsanwältin wusste schon bei ihrem Start in die Politik, dass Freiberuflichkeit nicht das Gleiche wie Selbstständigkeit ist. Sie kannte die Nöte der Niedergelassenen mit der Abrechnung und wusste, welche Auswirkungen Gesetzesänderungen auf die Existenz der Freiberufler haben können.

Als das Ehepaar Aschenberg-Dugnus in den 90er Jahren seine Existenz im Norden aufbaute, wollte es sich auch kommunalpolitisch engagieren. Bei zwei Selbstständigen mit Kind war das auf Dauer nur für einen realistisch. "Mein Mann hält mir seitdem den Rücken frei. Dafür musste ich ihm das Versprechen geben, mich um Gesundheitspolitik zu kümmern", berichtet sie. An dieser Konstellation hat sich bis heute nichts geändert. Zahnarzt Dr. Helmut Dugnus praktiziert in Kiel, seine Ehefrau kümmert sich um Gesundheitspolitik. Zunächst als Gemeindevertreterin, dann auf Kreis- und Landesebene und als bisheriger Höhepunkt von 2009 bis 2013 als Mitglied des Deutschen Bundestags und pflegepolitischer Sprecherin ihrer Partei.

Der Ehemann klebt Wahlplakate

Nun will sie zurück in den Bundestag und nimmt dafür Termine in ganz Deutschland wahr. Von Freiburg bis Flensburg ist sie im Einsatz für ihre Partei, immer geht es um das Gesundheitswesen: Krankenhäuser, Pflegeheime, Arztpraxen oder ehrenamtliche Helfer stehen auf ihrer Besuchsliste. Während sie vor Ort mit den Menschen spricht, klebt ihr Mann im Wahlkreis Plakate.

Die Gesundheitspolitik beschäftigt sie auch nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag. "In meinem Büro informiere ich mich jeden Morgen eine Stunde lang über aktuelle Entwicklungen. Es passiert so viel im Gesundheitswesen, dass man sonst schnell den Anschluss verliert", sagt die 57-Jährige. Wissen und Erfahrung helfen ihr auch an diesem Tag. Sie kann nicht nur Informationen sammeln und vage Versprechen geben, sondern fragt detailliert nach und bremst überhöhte Erwartungen.

Der Wunsch eines Helfers, mit einer Gesetzesänderung den Menschen wirksamer helfen zu können, relativiert sie mit Blick auf die damit verbundene Zeitverzögerung: "Für eine Gesetzesänderung muss man dicke Bretter bohren. Und man muss nicht jedem Problem ein Gesetz hinterherwerfen." Den von Denker angeregten Fonds aus Versicherungsbeiträgen, mit dem Härtefällen geholfen werden kann, hält sie dagegen für eine gute und umsetzbare Lösung. Speziell für die von Denker geschilderten Härtefälle – es kommen überwiegend in Not geratene Mittelständler, die sich keine Versicherung mehr leisten können – sieht auch sie Handlungsbedarf: "Es darf nicht schlimm sein, wenn man mal scheitert. Der Mittelstand schafft bei uns die Arbeitsplätze."

Am Ende des Termins verspricht sie den Ehrenamtlichen, in Berlin für eine Lösung einzutreten. Von einer Frau, die von sich selbst sagt, dass sie ein Nein schwer akzeptieren kann, ist diese Zusage wertvoll. Die Frau, Politikerin und Rechtsanwältin hat wie angekündigt geredet – aber auch zugehört.

Weitere Beiträge zur Serie:
"Bundestagskandidaten im Portrait"

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