Ärzte Zeitung, 24.10.2012

Die Frau an der Klinikspitze

"Worauf lässt Du Dich da ein?"

Petra Struve die erste hauptamtliche Ärztliche Direktorin der imland Krankenhäuser im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Dass sie als Frau auf diesem Posten eine Exotin ist, findet sie kaum erwähnenswert.

Von Dirk Schnack

Die Wahl zum Direktor ist Frauen meist verbaut

Eine reizvolle Aufgabe sieht Petra Struve in der Mitgestaltung der Zukunft der imland-Krankenhäuser.

© Dirk Schnack

RENDSBURG. Die imland Krankenhäuser im Kreis Rendsburg-Eckernförde haben eine hauptamtliche Ärztliche Direktorin: Petra Struve wurde vom Aufsichtsrat für die neu geschaffene Stelle ernannt. Sie ist eine der ersten Frauen auf einem solchen hauptamtlichen Posten.

"Worauf lässt Du Dich da ein?" Solche Zweifel, zugleich aber auch ein wenig Stolz gehörten zu den ersten Gedanken Struves, nachdem sie vom Angebot der Klinikleitung unterrichtet wurde.

Lange überlegen musste die Internistin dann aber doch nicht - die Chance auf die Mitgestaltung der Klinikzukunft war reizvoll genug für die Ärztin.

Damit hat die 50-Jährige eine besondere Stellung in mehrfacher Hinsicht: Hauptamtliche Ärztliche Direktoren sind noch immer eine Ausnahme. Dass aber Frauen dieses Hauptamt übernehmen, ist außergewöhnlich.

Schon der klassische Weg - die Wahl des Direktors aus der Riege der Chefärzte - ist Frauen meist verbaut, weil es noch immer kaum weibliche Chefärzte gibt.

Dass Struve mit voller Unterstützung der Chefärzte beider imland-Standorte Ärztliche Direktorin werden konnte, verdankt sie neben ihrer Persönlichkeit auch ihrer vorigen Tätigkeit.

Die Internistin war zuletzt für Medizincontrolling und Qualitätsmanagement der Häuser verantwortlich und hatte damit Einblick in alle Abteilungen. Weil sie in keiner Abteilung verwurzelt ist, fällt ihr Neutralität besonders leicht.

Keine Probleme hat Struve mit der Kombination von Medizin und Ökonomie, die sie auf dem neuen Posten noch stärker fordern wird als zuvor.

"Wirtschaftliche Überlegungen sollten im Arztberuf eine Berechtigung haben. Ärztliche Heilkunst nur aus altruistischen Motiven heraus zu betreiben - das geht heute nicht", steht für Struve fest.

Sie stellt aber auch klar: "Meine ärztliche Haltung würde ich immer über die wirtschaftliche Haltung stellen. Das bleibt oberstes Prinzip."

Netzwerke mit Niedergelassenen bilden

Dass sie als Frau auf diesem Posten eine Exotin ist, findet sie kaum erwähnenswert: "Das Geschlecht spielt dabei eine untergeordnete Rolle."

Wichtiger sind der auch in der Gesundheitspolitik engagierten Ärztin - sie ist Mitglied der Kammerversammlung der Ärztekammer Schleswig-Holstein und Mitglied im Marburger Bund - die Inhalte, mit der sie ihre neue Position ausfüllen kann.

Neben klassischen Verantwortungsbereichen wie Hygiene, Fort- und Weiterbildung und Vertretung der Ärzte nach innen und außen legt sie in ihrer neuen Position auch Wert darauf, dass sie für die niedergelassenen Ärzte in der Region Ansprechpartnerin sein will.

"Die Netzwerkbildung mit den niedergelassenen Ärzten ist mir wichtig", betont sie. Konkrete Projekte kann sie sich etwa in der gemeinsamen Wundversorgung vorstellen - bis hin zu gemeinsamen Verhandlungen mit Kostenträgern.

Für die 235 Ärzte in beiden Häusern will Struve offenbleiben für deren Anliegen, unabhängig von der Position: "Ich bin nicht nur für die Chefärzte da." Dabei könnte der Ansprechpartnerin helfen, dass sie als Ärztin selbst schon einen Bruch in ihrer Laufbahn erlebt hat.

Als Struve vor zehn Jahren als Oberärztin in der Inneren Medizin unter massiver Arbeitsbelastung litt, blieb ihr als Erkenntnis: "Ich schaffe es nicht, mich von der Arbeit zu distanzieren."

Sie wechselte aus der Patientenversorgung in das Medizincontrolling und hat diesen Schritt bis heute nicht bereut.

Ob Struves Ernennung Vorbild für weitere Häuser sein wird, ist offen. Die große Mehrzahl der Krankenhäuser setzt noch auf ehrenamtliche Ärztliche Direktoren. Das imland Krankenhaus entschied sich für den neuen Weg, um Entlastung für die Geschäftsführung zu schaffen.

Über einen nebenamtlichen Ärztlichen Direktor wäre dies nicht zu erreichen gewesen. Ein zurück ist nicht denkbar: Struve hat einen unbefristeten Vertrag. Für sie haben die Chefärzte dies akzeptiert, ein Nachfolger dagegen hätte wieder eine Befristung - ein großer Vertrauensbeweis für die Ärztliche Direktorin.

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