Ärzte Zeitung, 06.05.2010

Die Linke sieht den Staat als Nonplusultra

Die Linke sieht den Staat als Nonplusultra

Mehr Plätze für die Versorgung von psychisch kranken Kindern und die Abkehr von der Privatisierung kommunaler Kliniken - das fordert Die Linke für NRW.

Von Anja Krüger

Die Linke sieht den Staat als Nonplusultra

Neues Tarifsystem für Ärzte und keine Kopfpauschale: Die Partei Die Linke will für NRW mehr soziale Gerechtigkeit. © Weihrauch / dpa

KÖLN. Schon die Überschrift macht klar, wohin die gesundheitspolitische Reise mit der Partei "Die Linke" geht. "Gesundheit ist keine Ware - für ein solidarisches Gesundheitswesen" ist das Kapitel im Programm für die Landtagswahl überschrieben. Die Partei stellt sich "entschieden gegen die fortschreitende Entsolidarisierung im Gesundheitswesen". Sie ist gegen die Praxisgebühr, fordert Frauengesundheitszentren mit besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse von Migrantinnen und einen Korruptionsbeauftragten für das Gesundheitswesen.

"Die Linke.NRW steht für eine optimale, wohnortnahe, medizinische Basisversorgung der Bevölkerung, die Über-, Unter- und Fehlversorgung ausschließt" - diese Aussage dürfte wohl auf allgemeine Zustimmung stoßen.

Kontrovers aufgenommen werden dürfte dagegen die kategorische Ablehnung der "Kommerzialisierung der Gesundheitsversorgung". Vehement sprechen sich die Linken gegen die Privatisierung kommunaler Kliniken aus. Bereits privatisierte Krankenhäuser wollen sie rekommunalisieren, ausgelagerte Dienste wie Reinigung, Küche oder Technik zurückführen. Die von der schwarz-gelben Landesregierung geschaffene Möglichkeit zur Privatisierung und Teilprivatisierung von Universitätskliniken will die Linkspartei abschaffen. "Die gegenwärtigen Erfahrungen mit Teilprivatisierungen, insbesondere am Universitätsklinikum Essen, zeigen, dass sie ausschließlich zur Tarifflucht genutzt werden", hat sie beobachtet. Außerdem soll in den Kliniken das Chefarztprinzip samt der damit verbundenen Privilegien zugunsten eines kollektiven Leitungssystems ersetzt werden.

Die Partei sieht sich als Anwältin der Hartz-IV-Empfänger. "Der viel zu niedrige Hartz-IV-Regelsatz in Verbindung mit den Gesundheitsreformen führt bei vielen Menschen zu lebensbedrohlichen Erkrankungen, zu Verschlechterungen des Gesundheitszustands", heißt es. Die Linken setzen sich für zuzahlungsfreie Medikamente, Heil- und Hilfsmittel sowie kostenlose Verhütungsmittel ein. Um die Versorgung von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen zu verbessern, fordert die Partei ein Sofortprogramm für mehr Kapazitäten in der stationären und tagesklinischen Behandlung. Außerdem will sie ein größeres Angebot von Wohngemeinschaften für psychisch Kranke und die Einführung von Runden Tischen für die Reha dieser Patienten. Konkrete Vorstellungen haben die Linken zur Honorierung von Medizinern: "Die Linke.NRW befürwortet eine Bezahlung aller Ärztinnen und Ärzte nach einem zwischen Staat, Krankenversicherungen, PatientInnenvertretungen und Gewerkschaften ausgehandelten, gesetzlich verankerten Tarifsystem."

Topics
Schlagworte
NRW-Wahl (22)
Personen
Anja Krüger (272)
[06.05.2010, 10:02:53]
Frank Lukaszewski 
Positionen der Linken
Die in oben aufgeführtem Text genannten Positionen der Linken zum Thema Gesundheit sind m.E. absolut unterstützenswert. Die wachsende Profitorientierung im Gesundheitswesen ist sozial, ethisch und moralisch mehr als verwerflich. Ärzte sollten Patieten unabhängig von deren sozialer Stellung heilen und nicht darauf aus sein, Porsche zu fahren. Dann ist der Beruf verfehlt; man hätte Börsenspekulant werden sollen!  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wenn Einsamkeit krank macht

Ein Alterspsychotherapeut warnt: Ältere Männer sind besonders häufig suizidgefährdet. Einsamkeit ist ein Grund dafür. mehr »

Diabetes-Experten sind besorgt

Schon bald könnten mehr Lebensmittel "schlechten Zucker" enthalten. Für die Industrie wird der Einsatz von Isoglukose profitabler. mehr »

PKV bekennt sich zur Innovationsoffenheit

Wird es mit der neuen GOÄ erschwert, Privatpatienten neue Leistungen anzubieten? Vom PKV-Verband kommt dazu ein klares Dementi. mehr »