Ärzte Zeitung, 19.10.2010

Embryonenschutz kann Spaltpilz der Koalition werden

Die Präimplantationsdiagnostik ist nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom Juli de facto erlaubt. Kanzlerin Angela Merkel hat sich auf ein Verbot der PID festgelegt - jetzt beginnt ein Machtpoker um Mehrheiten.

Embryonenschutz kann Spaltpilz der Koalition werden

Künstliche Befruchtung unter dem Mikroskop: Was mit den daraus entstandenen Embryonen künftig alles passieren darf, bereitet der Politik derzeit Kopfzerbrechen.

© dpa

BERLIN (fst). Nach dem klaren Votum von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einem Verbot der Präimplantationsdiagnostik droht das Thema zur Belastungsprobe für Union und die Koalition zu werden.

Der CDU-Politiker und Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Peter Hintze, lehnt eine Änderung des Embryonenschutzgesetzes ab. Dazu verwies er auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom Juli.

Darin hätten die Richter erklärt, dass "sowohl das Embryonenschutzgesetz wie unsere verfassungsmäßige Ordnung die Präimplantationsdiagnostik in eng bestimmten Grenzen für zulässig erklärt", sagte Hintze im "Deutschlandfunk".

Merkel hatte beim Deutschlandtag der Jungen Union ihre Position damit begründet, eine Unterscheidung von schweren und minderschweren genetischen Erkrankungen sei nicht möglich. Dem stimmt Hintze zu - und lehnt daher jede Gesetzesänderung ab: "Wenn der Gesetzgeber sich daran gibt, zu versuchen, jeden Einzelfall zu normieren, dann ist die Gefahr des Scheiterns groß", sagte er.

Dagegen zeigte sich der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe (CDU) überzeugt, dass im Bundestag eine Mehrheit für ein PID-Verbot zustande kommen werde. Hüppe hat sich dafür ausgesprochen, auch ohne die FDP nach Mehrheiten für ein Verbot zu suchen.

Für die FDP betonte Generalsekretär Christian Lindner, dass die Richtlinienkompetenz der Kanzlerin in dieser ethischen Frage ende. Er bedauerte im "Handelsblatt", dass Merkel "als Naturwissenschaftlerin die Chancen dieser Methode nicht stärker würdigt". Abgeordnete von CDU und Grünen hatten zuvor ein Moratorium gefordert, das den Umgang mit der PID vorübergehend regelt, bis ein Fortpflanzungsmedizingesetz verabschiedet ist.

Ob diese Idee mehrheitsfähig ist, soll bei einem Treffen der Fraktionsspitzen der Koalition am 27. Oktober geklärt werden.

Lesen Sie dazu auch:
BÄK fordert klare Gesetze für Gentests an Embryonen
Merkel: Tests an Embryonen sind eine Gewissensentscheidung
Neuer Streit in der Koalition um Embryonenschutz

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Merkel macht die PID zur "C"-Frage

[19.10.2010, 23:37:15]
Dr. Nabil Deeb 
Die Präimplantationsdiagnostik up2date in userer Wissensgesellschaft !!!



Preimplantation genetic diagnosis up2date in user knowledge society !


Nabil DEEB
Arzt – Physician – Doctor
PMI-Registered Doctors'Association
53140 Bonn / GERMANY



Die Präimplantationsdiagnostik zur Entdeckung schwerergenetischer Schäden des extrakorporal erzeugten Embryos ist bis heute noch nicht strafbar in unsrem Rechtsstaat .


CGH , Comparative Genomic Hybridisation :

Die CGH - Comparative Genomic Hybridisation (vergleichende genomische Hybridisierung) - ist eine Methode um genetische Veränderungen festzustellen. Sie erlaubt es numerische Unterschiede, Deletionen und Amplifikationen einzelner Chromosomen oder Chromosomenabschnitte festzustellen und ist daher als Screeningmethode geeignet.
Durch vergleichende Hybridisierung verschiedenfarbig markierter Genome auf eine Kontrollmetaphase können genomische Imbalancen zwischen zwei Genomen detektiert werden. Deletionen und Amplifikationen werden durch Unter- bzw. Überrepräsentation einer Hybridisierungssonde auf den betreffenden Chromosomenregionen sichtbar.

Die CGH bedient sich der in situ Hybridisierung mit Painting-Sonden, die ein spezifisches Chromosom in seiner Gesamtheit markieren, und ist eine Sonderform des reverse painting.

Hierbei wird die komplette genomische DNA als Hybridisierungssonde verwendet. Auf diese Weise können in einem einzigen Hybridisierungsvorgang alle Veränderungen innerhalb eines Genoms detektiert werden, die mit einem Zugewinn oder Verlust von DNA-Sequenzen einhergehen.


Einsatzgebiete der „ CGH „ Comparative Genomic Hybridisation :-

Die CGH wird eingesetzt bei Tumoren, wo sich nach der Kultivierung keine keine Metaphasen finden, oder bei Fällen, wo nur Zugewinne und Verluste interessant sind (für solide Tumoren).

Weiters ist der Einsatz der CGH für Paraffinpräparate interessant, wenn z.B. bei einem Elternpaar der Verdacht auf eine balanzierte Translokation besteht, aber alle Aborti der Frau bereits in Paraffin eingebettet sind. In diesen Fällen ist vom Paraffin nachträglich eine CGH möglich .


Verschiedene Entwicklungen in der Reproduktionsmedizin streben die Verbesserung der Effizienz und die Reduktion der Behandlungsbelastung an. Dazu gehören unter anderem die Herstellung von lang wirksamem FSH, die Polkörperdiagnostik und die Identifizierung von Faktoren, welche die Implantationsfähigkeit des Endometriums optimieren.

Die Kryokonservierung von Ovarialgewebe ermöglicht die Erhaltung der Fertilität bei Tumorpatientinnen.


Die neue Technologie in Array-CGH testet alle 23 Chromosomenpaare in der Zelle, und nicht nur eine begrenzte Anzahl .


Polkörperdiagnostik (PKD ) :-

Die Polkörperdiagnostik (PKD) ist eine Untersuchung, die Rückschlüsse auf das Erbgut der mütterlichen Eizelle erlaubt.

Ähnlich wie bei der Präimplantationsdiagnostik (PID) können mit der Polkörperdiagnostik Fehlverteilungen von Chromosomen auf mütterlicher Seite und Anlagen für bestimmte erbliche Erkrankungen mit großer Wahrscheinlichkeit festgestellt oder ausgeschlossen werden.


Der erste Polkörper wird noch vor dem Eisprung, der zweite sechs Stunden nach dem Eindringen des Spermiums von der Eizelle ausgestoßen. Die Polkörper enthalten eine Kopie des mütterlichen Erbguts. Eine Analyse der Polkörper erlaubt deshalb indirekt Schlüsse, ob das Erbgut der Eizelle intakt ist .


Risiken ?
Risiken dieser Untersuchung sind nicht bekannt.

Nachteilig ist, dass durch dieses Verfahren nur Rückschlüsse auf das mütterliche Erbmaterial möglich sind. Außerdem kann nur indirekt auf das in der Eizelle verbelibende Erbmaterial geschlossen werden. Die Analyse anderer genetischer Veränderungen ist nur bedingt möglich .

Die PKD ermöglicht keine Untersuchung des väterlichen Erbguts.


Polkörperdiagnostik (PKD) ist eine Methode zur indirekten genetischen Analyse von Eizellen. Polkörper sind Nebenprodukte des meiotischen Zellzykluses.

Die Biopsie der Polkörper kann durch mechanisches Zonadrilling oder durch laserassistierte Zonaeröffnung .



Die Präimplantationsdiagnostik zur Entdeckung schwerergenetischer Schäden des extrakorporal erzeugten Embryos ist bis heute noch nicht strafbar in unsrem Rechtsstaat . :-


Im Hinblick auf die Gefahrenlage und dem Wunsch seiner Patienten entsprechend führte ein Berliner Gynäkologe ( = Angeklagter !! ) jeweils eine sog. Präimplantationsdiagnostik (im Folgenden: PID) an pluripotenten, d.h. nicht zu einem lebensfähigen Organismus entwicklungsfähigen Zellen durch. Die Untersuchung diente dem Zweck, nur Embryonen ohne genetische Anomalien übertragen zu können. Dies geschah in allen Fällen. Embryonen mit festgestellten Chromosomenanomalien wurden hingegen nicht weiter kultiviert und starben in der Folge ab.


Der 5. (“Leipziger”) Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat das freisprechende Urteil des Landgerichts bestätigt und die Revision der Staatsanwaltschaft demgemäß verworfen. Der Senat ist in Übereinstimmung mit dem Landgericht zu der Auffassung gelangt, dass der Angeklagte §1 Abs. 1 Nr. 2 ESchG (missbräuchliche Anwendung von Fortpflanzungstechniken) und §2 Abs. 1 ESchG (missbräuchliche Verwendung menschlicher Embryonen) nicht verletzt hat.

Aus den genannten Strafbestimmungen kann nicht mit der im Strafrecht erforderlichen Bestimmtheit (Art. 103 Abs. 2 GG) ein Verbot der bei Erlass des Embryonenschutzgesetzes im Jahr 1990 erst im Ausland entwickelten PID abgeleitet werden, die den Embryo nach derzeitigem medizinisch-naturwissenschaftlichem Kenntnisstand überdies nicht schädigt. Das Vorgehen des Angeklagten verstößt weder gegen den Wortlaut noch gegen den Sinn des Gesetzes. Dem bei jeder Gesetzesauslegung zu würdigenden Willen des historischen Gesetzgebers lässt sich ein Verbot einer solchen PID, die der Gesetzgeber nicht ausdrücklich berücksichtigt hat, nicht entnehmen.

Dem mit dem Gesetz verfolgten Zweck des Schutzes von Embryonen vor Missbräuchen läuft die PID nicht zuwider. Das Embryonenschutzgesetz erlaubt die extrakorporale Befruchtung zur Herbeiführung einer Schwangerschaft ohne weitere Einschränkungen. Ein strafbewehrtes Gebot, Embryonen auch bei genetischen Belastungen der Eltern ohne Untersuchung zu übertragen, birgt hohe Risiken in sich; vor allem ist zu besorgen, dass sich die Schwangere im weiteren Verlauf nach einer ärztlicherseits angezeigten und mit denselben Diagnosemethoden durchgeführten Pränataldiagnostik, hinsichtlich derer eine ärztliche Aufklärungspflicht besteht, für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidet. Die PID ist geeignet, solch schwerwiegende Gefahren zu vermindern. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Gesetzgeber sie verboten hätte, wenn sie bei Erlass des Embryonenschutzgesetzes schon zur Verfügung gestanden hätte. Dagegen spricht auch eine Wertentscheidung, die der Gesetzgeber in § 3 Satz 2 des Embryonenschutzgesetzes getroffen hat. Dort ist eine Ausnahme vom Verbot der Geschlechtswahl durch Verwendung ausgewählter Samenzellen normiert worden. Mit dieser Regelung ist der aus dem Risiko einer geschlechtsgebundenen Erbkrankheit des Kindes resultierenden Konfliktlage der Eltern Rechnung getragen worden, die letztlich in einen Schwangerschaftsabbruch einmünden kann. Eine gleichgelagerte Konfliktlage hat in den zu beurteilenden Fällen bestanden.

Der Bundesgerichtshof hat betont, dass Gegenstand seiner Entscheidung nur die Untersuchung von Zellen auf schwerwiegende genetische Schäden zur Verminderung der genannten Gefahren im Rahmen der PID sei. Einer unbegrenzten Selektion von Embryonen anhand genetischer Merkmale, etwa die Auswahl von Embryonen, um die Geburt einer “Wunschtochter” oder eines “Wunschsohnes” herbeizuführen, wäre damit nicht der Weg geöffnet.


Aus BGH – Urteil – Begründung Nr . 29 :

Die durch den Senat vorgenommene Interpretation führt nicht zur Zulässigkeit einer "unbegrenzten Selektion anhand genetischer Merkmale" (vgl. Middel aaO S. 45 m.w.N.). Entscheidungsgegenstand ist der Wille zur Durchführung der Untersuchung auf schwerwiegende genetische Schäden zur Verminderung der genannten gewichtigen Gefahren im Rahmen der PID. Diese Zwecksetzung stellt keine die Strafbarkeit begründende Alternativabsicht dar. Beispielsweise für die Absicht der Selektion von Embryonen zum Zwecke der Geschlechtswahl gilt dies aber nicht. Die Geschlechtswahl wird vom Embryonenschutzgesetz - ausgenommen die in § 3 Satz 2 ESchG bezeichneten Fälle - eindeutig verurteilt (§ 3 Satz 1 ESchG). Dies muss auf die Auslegung des § 1 Abs. 1 Nr. 2 ESchG durchschlagen. Entsprechendes gälte etwa für eine gezielte Zeugung von Embryonen mit bestimmten Immunitätsmustern (vgl. Kaiser aaO Einf Rdn. A 199; Steinke/Rahner aaO S. 30). Ob angesichts der Wertung des - nicht auf die PID anwendbaren (siehe oben) - § 15 Abs. 2 GenDG das Gleiche für die Absicht gälte, genetische Eigenschaften des Embryos für eine Erkrankung festzustellen, die nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft und Technik erst nach Vollendung des 18. Lebensjahres ausbricht, hat der Senat nicht zu entscheiden. Dies lässt unberührt, dass eine eindeutige gesetzliche Regelung der Materie wünschenswert wäre.



Aus BGH Urteil – Begründung Nr . 34:

Mit dem Verbot des § 2 Abs. 1 ESchG wollte der Gesetzgeber ausweislich der amtlichen Überschrift der missbräuchlichen Verwendung von Embryonen entgegenwirken. Die Vorschrift soll gewährleisten, dass "menschliches Leben grundsätzlich nicht zum Objekt fremdnütziger Zwecke gemacht werden darf" (Regierungsentwurf aaO S. 10). Vorrangig gedacht war an die Embryonenforschung (vgl. Kabinettsbericht aaO S. 8 unter lit. c; siehe auch den Vorschlag des Bundesrates unter Nr. 4a und die Stellungnahme der Bundesregierung hierzu in Regierungsentwurf aaO S. 14, 18). Ferner sollte die Abspaltung totipotenter Zellen zum Zweck der Diagnostik untersagt werden, "weil sich eine Schädigung des nach der Abspaltung verbleibenden und zum Embryo-Transfer bestimmten Embryos bisher nicht mit Sicherheit ausschließen" lasse (vgl. Kabinettsbericht aaO S. 8 unter lit. d; ähnlich Regierungsentwurf aaO S. 11 f.). Vergl. ; BGH - Urteil vom 6. Juli 2010 – 5 StR 386/09 .


Zur Information :

§ 1 Abs1 Nr. 2 ESCHG lautet:

(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer .es unternimmt, eine Eizelle zu einem anderen Zweck künstlich zu befruchten, als eine Schwangerschaft der Frau herbeizuführen, von der die Eizelle stammt, …
§ 2 Abs.1 ESchG lautet:
(1) Wer einen extrakorporal erzeugten oder einer Frau vor Abschluss seiner Einnistung in der Gebärmutter entnommenen menschlichen Embryo veräußert oder zu einem nicht seiner Erhaltung dienenden Zweck abgibt, erwirbt oder verwendet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft .


Die Präimplantationsdiagnostik up2date in userer Wissensgesellschaft !!!

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Literatur beim Verfasser



Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Ihr

Nabil DEEB
Arzt – Physician – Doctor

PMI-Ärzteverein e.V.
Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
Palestine Medico International Doctors Association ( P.M.I.) registered association

Department of Medical Research
Département de la recherche médicale

P.O. Box 20 10 53
53140 Bonn – Bad Godesberg / GERMANY

&

Nabil DEEB
Arzt – Physician – Doctor

PMI-Ärzteverein e.V.
Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
Palestine Medico International Doctors Association ( P.M.I.) registered association

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Département de la recherche médicale

P.O. Box 10 01 35
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e.mail: doctor.nabil.deeb.pmi.germany@googlemail.com

or

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