Ärzte Zeitung, 22.05.2009

300 Euro Prämie bei Leistungsverzicht

Versicherte der Securvita können Leistungsumfang einschränken, aber auch ausdehnen

HAMBURG (di). Der einheitliche Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen bröckelt. Bei der Securvita Krankenkasse erhalten gesetzlich Versicherte eine Prämie, wenn sie auf bestimmte Leistungen verzichten.

Der Versicherte stellt sich bei dem Angebot einzelne Leistungsmodule zusammen. Dabei kann der Umfang des Leistungskatalogs erweitert, aber auch verringert werden. Die Krankenkasse aus Hamburg sieht darin eine "Alternative zum starren Kassen-Einheitssystem".

Sie erwartet, dass eine vierstellige Zahl von Versicherten die Möglichkeit nutzen wird, um für eine Prämie von 300 Euro (maximal 20 Prozent des eingezahlten Beitrags) auf bestimmte Leistungen zu verzichten. Dies sind Fahrkosten (mit Ausnahme von Rettungsfahrten), Badekuren, Mutter-Kind-Kuren, Haushaltshilfen, Heilmittel und Homöopathie. Dieser Tarif beinhaltet einen Rettungsschirm: Wer die Prämie erhält und dennoch eine der Leistungen in Anspruch nehmen muss, trägt einen Selbstbehalt von 600 Euro - das Risiko bleibt also auf 300 Euro beschränkt. Die Laufzeit des Wahltarifs beträgt drei Jahre und kann kombiniert werden mit einem weiteren Angebot, bei dem Mitglieder 900 Euro erstattet bekommen, wenn sie in einem Jahr gar keine Leistungen in Anspruch nehmen.

Securvita-Gründer Thomas Martens sieht mit dem Wahltarif, der nach Paragraf 53 SGB fünf erlaubt und nach Auskunft der Kasse bereits vom Bundesversicherungsamt genehmigt ist, eine "neue Epoche der Krankenversicherung" angebrochen. "Wir überschreiten die alten Grenzen der GKV und greifen schon jetzt eine Zukunftsentwicklung auf", sagte Martens. Die Kasse erwartet, dass bald weitere gesetzliche Krankenkassen nachziehen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Wahlfreiheit in bestem Sinne

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