Ärzte Zeitung, 05.05.2010

Schlaflosigkeit wird oft nicht als gesundheitliches Problem erkannt

Hausärzte sollten Patienten mehr auf Schlafprobleme ansprechen. Viele Menschen mit langjährigen Problemen vertrauen sich nicht dem Arzt an.

KIEL (di). "Chronische Schlaflosigkeit ist kein harmloses Lifestyle-Problem, sondern muss sehr ernst genommen werden", sagte Schleswig-Holsteins DAK-Landeschefin Regina Schulz bei der Vorstellung des aktuellen Gesundheitsreports für den Norden. Nach Beobachtung von Dr. Katrin Krämer vom Berliner IGES-Institut spielt das Thema Schlaflosigkeit im Gespräch zwischen Arzt und Patienten bislang kaum eine Rolle. Als Ursachen nannte sie unter anderem:

Schlaflosigkeit wird oft nicht als gesundheitliches Problem erkannt

Wer nachts kaum zur Ruhe kommt, fühlt sich morgens wie gerädert. © David Davis / fotolia.com

  • Der Patient äußert seine Beschwerden gegenüber dem Hausarzt nicht
  • Der Arzt fragt nicht nach Schlafstörungen
  • Ärzte sind in Gesprächsführung und gezielter Fragetechnik nicht genügend ausgebildet
  • Zeitmangel
  • Zu geringes Wissen über die Auswirkungen
  • Fehlende Qualifikation der Hausärzte
Nach Erhebungen des IGES waren 70 Prozent der Menschen mit hochgradigen Schlafproblemen damit noch nie in Behandlung. Dies liegt auch an einem vergleichsweise unbekannten Angebot. Nach Einschätzung der DAK ist den Betroffenen oft nicht klar, an wen sie sich mit ihren Schlafproblemen wenden sollen. Die Zusatzbezeichnung Schlafmediziner führen laut Arztfindex der Ärztekammer Schleswig-Holstein 16 Ärzte zwischen Nord- und Ostsee. Dr. Claus Junghanns von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Uniklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, bietet Therapien gegen Schlafprobleme an. Nach seinen Erfahrungen müssen viele Betroffene eingeschliffene Verhaltensweisen ändern und wieder lernen, den Alltag vor dem Schlafen zu reflektieren.

Betroffen von Schlafproblemen sind vor allem Menschen, die in Schichtdiensten arbeiten - unter anderem auch im Gesundheitswesen - und Vielflieger. Von hochgradigen Schlafproblemen spricht man, wenn die Beschwerden länger als einen Monat andauern, mindestens dreimal pro Woche auftreten und die schlechte Schlafqualität zur Erschöpfung am Tage führt.

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