Ärzte Zeitung, 15.12.2010

Schwester Agnes wird jetzt auch als Fallmanagerin aktiv

Kassenärztliche Vereinigung, AOK und Barmer GEK starten Modellprojekt AGnES II in Brandenburg.

Schwester Agnes wird jetzt auch als Fallmanagerin aktiv

Brandenburg: Das Modellprojekt Agnes II soll nicht nur delegationsfähige Leistungen erbringen, sondern sich auch um Fall- und Schnittstellenmanagement kümmern.

© moonrun / fotolia.com

POTSDAM (wul). Agnes, die nichtärztliche Praxisassistentin, soll in Brandenburg nicht nur delegationsfähige Leistungen erbringen, sondern sich auch um Fall- und Schnittstellenmanagement kümmern. Darauf haben sich KV, AOK und Barmer geeinigt. Agnes II soll das Modellprojekt heißen.

In Brandenburg gibt es bereits das Modell der "Arztentlastenden, Gemeindenahen, E-Health gestützten, Systemischen Intervention" (AGnES). Während dieses Modell ausschließlich in medizinisch unterversorgten Gebieten zum Einsatz kam, werde der Wirkungskreis nun ausgeweitet.

"Allerdings wird der Fokus weiterhin auf ländlichen Gebieten mit schwächerer Versorgungsstruktur liegen", sagt Frank Michalak, Vorstandschef der AOK Berlin-Brandenburg. AGnES II sei außerdem nicht mehr an einen einzelnen Hausarzt gebunden. Sie kann in Einzelpraxen, aber auch arzt- und praxisübergreifend in MVZ, Ärztehäusern, Ärztenetzen oder auch in den Eigeneinrichtungen der KV eingesetzt werden.

Zunächst soll Agnes II in fünf Regionen eingesetzt werden. Erste Modellprojekte starten am 1. Januar in Lübbenau und Kyritz. Bad Belzig, Cottbus und Fürstenwalde sollen folgen. Denkbar sei, Agnes II in zehn bis zwölf Regionen zu erproben, sagt Ralph Heger von der Barmer GEK.

Das Aufgabenspektrum von Agnes II wird größer. Zwar sollen die Praxisassistentinnen weiter delegationsfähige Leistungen erbringen können, der Schwerpunkt liegt aber vor allem beim Case- und Schnittstellenmanagement. "Der Einsatz im Fallmanagement liegt sehr im Interesse der Kassen, die ihre Versicherten gut betreut und eine enge Verknüpfung zu ihren Versorgungsprogrammen gewährleistet wissen wollen", sagt Michalak.

Die zusätzlichen Aufgaben stellen hohe Anforderungen an die Ausbildung der Fachkräfte. Grundsätzlich kommen laut KV und Kassen Medizinische Fachangestellte mit mindestens drei Jahren Berufserfahrung, examinierte Krankenschwestern, nichtärztliche Praxisassistentinnen (AGnES) oder Fachwirtinnen für ambulante Medizin in Frage.

Allerdings ist auch für diese Berufsgruppen eine Zusatzqualifikation im Casemanagement erforderlich. Das genaue Fortbildungscurriculum wird zur Zeit noch bei der KV in Zusammenarbeit mit den Krankenkassen erarbeitet.

Das Modellprojekt Agnes II wird extrabudgetär honoriert. Für einzelne Standorte wollen die Kassen aber unterschiedliche Vergütungsansätze testen: von Einzelfallvergütung über Monats- bis zur Quartalspauschale. Demnach wird nach Angaben der KV Brandenburg die Agnes II-Fachkraft in Lübbenau pro Fall mit 17,50 Euro vergütet. In Kyritz werde dagegen eine Monatspauschale ausprobiert.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jede achte Frau braucht nach der Geburt Antidepressiva

Etwa elf Prozent aller Frauen leiden im ersten Jahr nach der Geburt an Depressionen. Unter jungen Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren ist der Anteil fast doppelt so hoch. mehr »

Die Malaria-Gefahr wächst

Weltweit steigen Erkrankungszahlen an Malaria seit zwei Jahren wieder. Es trifft nicht nur Kinder in Entwicklungsländern, sondern auch Reisende aus Deutschland. mehr »

„Mütter sind die zentralen Ansprechpartner“

In dieser Woche werben Urologen für die HPV-Impfung. Vor allem bei Jungen besteht Nachholbedarf. Wie sie für eine Impfung gewonnen werden sollen, erklärt der Vorsitzende des Berufsverbandes Dr. Axel Schroeder. mehr »