Ärzte Zeitung, 26.05.2011

"Willkommen Baby" soll Zahl der Frühgeburten in Hamburg senken

In Hamburg werden jährlich etwa 1800 Frühchen geboren. Um die Risiken, die damit für Mutter und Kind verbunden sind zu reduzieren, haben Gynäkologen, ein Krankenhaus und die DAK einen IV-Vertrag geschlossen.

Von Dirk Schnack

"Willkommen Baby" soll Zahl der Frühgeburten in Hamburg senken

Viele Schwangere haben Angst, dass ihr Kind zu früh kommen könnte. Tritt der Fall ein, ist es gut, auf ein eingespieltes Team zu treffen.

© binagel / fotolia.com

HAMBURG. Das Vorsorgekonzept "Willkommen Baby" ist als Vertrag zur integrierten Versorgung in Hamburg an den Start gegangen. Niedergelassene Frauenärzte und eine Klinik sind Vertragspartner der DAK.

Ziel ist eine Senkung der Frühgeburtenrate in der Hansestadt. Derzeit werden rund 1800 Frühchen jährlich in Hamburg geboren.

Egbert Schuhr, DAK-Vertragschef in Hamburg, verweist auf die damit verbundenen Folgen: "60 Prozent der Kinder erleiden eine lebenslange körperliche oder psychische Störung. Um dies möglichst zu verhindern, bieten wir Schwangeren ein umfassendes Vorsorgepaket, das sonst nur Privatpatienten erhalten."

Das Marienkrankenhaus ist der erste Vertragspartner aus der Reihe der Hamburger Kliniken. Schuhr hofft auf weitere Perinatalzentren als Teilnehmer, um eine flächendeckende Versorgung zu erreichen.

Das Konzept "Willkommen Baby" bietet den werdenden Müttern etwa zusätzliche Ultraschalluntersuchungen und den Fibronektintest, ein Spezialtest zur Früherkennung einer Frühgeburt. Nach Angeben der DAK übernimmt derzeit keine andere gesetzliche Krankenkasse die Kosten dieses Tests.

An dem jetzt vorgestellten Netzwerk beteiligen sich bislang 70 Hamburger Frauenärzte. "Das Angebot der DAK verbessert die bisherige Versorgung der betroffenen Frauen deutlich. Dies ist der erste und bisher einzige Vertrag zur Integrierten Versorgung in Deutschland, in dem zwei spezielle Vorsorgeverfahren zur Anwendung kommen.", begründete Dr. Wolfgang Cremer, Vorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte in Hamburg, die hohe Beteiligung.

Lässt sich eine Frühgeburt trotz Vorsorge nicht vermeiden, wird die Schwangere von ihrem Frauenarzt im Spezialzentrum untergebracht.

[31.05.2011, 09:25:35]
Rainhild Schaefers 
Psychosoziale Perspektive vernachlässigt
Frühgeburtlichkeit ist ein multifaktorielles Problem, dem man nicht mit rein medizinischer Betreuung begegnen kann. Für sozialbenachteiligte, gewalt-oder auch suchtbetroffene Frauen ist das Wissen um ein Frühgeburtenrisiko ermittelt über ein Fibronektintest eine eher überflüssige Information. Sie werden ihre Lebensumstände und -gewohnheiten nicht auf Basis des Untersuchungsergebnisses ändern (können). Soziale Benachteiligung, Gewalt und Sucht erhöhen bekanntermaßen in einem erheblichen Maße das Frühgeburtenrisiko, sind aber für die Gynäkologin/ den Gynäkologen in ihrer/seiner Praxis nicht immer zu erkennen. Die aufsuchende Tätigkeit von Hebammen böte hier in dem Bemühen die Frühgeburtenrate zu senken eine sinnvolle Ergänzung. Eine Rezeptierung der Hebammenhilfe ist nicht erforderlich, da Hebammen kraft Gesetz auch bei Vorliegen von Risikofaktoren eigenverantwortlich die Betreuung einer Schwangerschaft übernehmen können, solange die Schwangerschaft an sich normal verläuft. Ein Vertrag zur integrativen Versorgung sollte alle Berufsgruppen zusammenführen, die an der Betreuung von Schwangeren beteiligt sind. Hier gehören die Hebammen zweifelsohne dazu.
Es muss die Frage gestellt werden, inwieweit es gelingen kann die Frühgeburtenrate zu senken, wenn man sich auf Screening Verfahren konzentriert, ohne sich den Ursachen einer Frühgeburtlichkeit zu widmen.  zum Beitrag »

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