Ärzte Zeitung, 23.11.2011

Viele psychisch Kranke entlassen sich selbst aus Klinik

Fast jeder vierte Patient, der 2010 in Niedersachsen die Klinik gegen ärztlichen Rat verlassen hat, litt an einer psychischen Störung.

HANNOVER (cben). Immer mehr Patienten in Niedersachsen beenden ihren Klinikaufenthalt auf eigene Verantwortung. Das hat die Techniker Krankenkasse (TK) ermittelt.

Danach haben im vergangenen Jahr rund 39.000 Patienten die stationäre Behandlung gegen den ärztlichen Rat abgebrochen. Das bedeutet einen Anstieg von rund sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so die Techniker Krankenkasse.

Höchste Abbrecherquote bei psychisch Kranken

Die höchste Abbrecherquote gibt es mit acht Prozent bei den Patienten mit psychischen Erkrankungen. Von fast 35.000 Krankenhausentlassungen von psychisch kranken oder verhaltensgestörten Patienten zähle die Techniker Krankenkasse fast 2.900 Entlassungen gegen den Rat der behandelnden Ärzte.

Die psychischen Erkrankungen machen damit 23 Prozent aller stationären Behandlungsabbrüche in Niedersachsen aus. Mehr als 1.300 Patienten gingen gegen den Rat ihrer Ärzte sogar mit einer infektiösen oder parasitären Krankheit vorzeitig nach Hause.

Vor allem Patienten mit infektiösen Darmkrankheiten und "sonstigen bakteriellen" Infektionen verließen vorzeitig die Krankenhäuser.

Auswertung der niedersächsischen Bevölkerung

Die Techniker Krankenkasse beziehe sich auf eigene Auswertungen von Versichertendaten der Ersatzkassen (vdek), bei denen in Niedersachsen mehr als 2,5 Millionen Menschen versichert sind, erklärte ein Sprecher der Krankenkasse.

Die Auswertungen wurden auf die niedersächsische Bevölkerung hochgerechnet. Der prozentuale Anstieg der frühzeitigen Behandlungsabbrüche wurde um die Steigerung der Fallzahlen (2009/ 2010) in den Krankenhäusern bereinigt, hieß es.

Die niedersächsischen Kliniken behandelten 2010 nach Angaben der TK rund 1,6 Millionen Patienten. Die durchschnittliche Verweildauer eines Patienten im Krankenhaus lag bei knapp acht (7,8) Tagen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »