Ärzte Zeitung, 06.12.2011

Gesundheitsfonds mit Flankenschutz

Am Montag waren die Zahlen bereits durchgesickert - nun sind sie offiziell: Die Krankenkassen und der Gesundheitsfonds gehen mit einem kräftigen Finanzpolster in ein konjunkturell ungewisses Jahr 2012.

Gesundheitsfonds mit Flankenschutz für schlechte Zeiten

Dicke Polster für den Fonds.

© imagebroker / imago

BERLIN (HL). Die gesetzlichen Krankenkassen haben in den ersten neun Monaten 2011 einen Überschuss von rund 3,9 Milliarden Euro erzielt, im gleichen Vorjahreszeitraum waren es lediglich 277 Millionen Euro.

Den Einnahmen der Kassen in Höhe von 137,7 Milliarden Euro standen Ausgaben von 133,7 Milliarden Euro (plus 2,8 Prozent) gegenüber.

Maßgeblich zum moderaten Ausgabenanstieg haben die erhöhten gesetzlichen Rabatte auf Arzneimittel ohne Festbetrag beigetragen.

Die positive Finanzentwicklung der Krankenkassen kann aber nicht einfach in die Zukunft extrapoliert werden. Traditionell liegen die Ausgaben im letzten Quartal nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums um 1 bis 1,5 Milliarden Euro über denen der ersten drei Quartale.

Ersatzkassen bei den Überschüssen vorn

Anders als vor Schaffung des Gesundheitsfonds fließen den Kassen monatlich gleiche Einnahmen zu; die Liquiditätsschwemme durch Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld ist damit egalisiert.

Sinkende Arzneiausgaben entlasten die Kassen

Veränderung je GKV-Mitglied in Prozent 1. bis 3. Quartal 2011 im Vergleich zum 1. bis 3. Quartal 2010
Leistungsausgaben insgesamt 2,5
Ärztliche Behandlung 2,3
Zahnbehandlung (kons-chirurg.) 2,0
Zahnersatz 1,0
Arznei- u. Verbandsmittel insgesamt - 5,7
Häusliche Krankenpflege 11,2
Krankenhausbehandlung 4,2
Krankheitsverhütung/soziale Dienste 2,9
Krankengeld 9,4
Fahrkosten 5,5
Kuren und Rehabilitation - 0,3
Früherkennungsmaßnahmen 3,8
Leistungen bei Schwangerschaft ohne stat. Entbindung 0,9
Verwaltungskosten 1,5
Ausgaben insgesamt 133.749 Mio.
Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds134.162 Mio. €
Beitragseinnahmen vor dem 1.1.2009 1.292 Mio. €
Übrige Einnahmen 2.234 Mio. €
Einnahmen insgesamt 137.689 Mio. €
Überschuss 3. 940 Mio.
Quelle: BMG/KV 45, Tabelle: Ärzte Zeitung

Die höchsten Überschüsse erzielten die AOKen (1,376 Milliarden Euro) und die Ersatzkassen (1,681 Milliarden Euro). Auch alle anderen Kassenarten liegen im Plus.

Der Gesundheitsfonds zahlte an die Kassen insgesamt 134,2 Milliarden Euro aus. Seine Einnahmen aus Beiträgen und Bundeszuschüssen beliefen sich auf 135,8 Milliarden Euro.

Darin ist auch der Bundeszuschuss von zwei Milliarden Euro enthalten, von denen drei Viertel in den Jahren bis 2014 für den Sozialausgleich und die Finanzierung der Zusatzbeiträge von ALG-2-Empfängern vorgesehen sind.

Ministerium: Polster reicht für nächste Jahr

Nach den Annahmen des GKV-Schätzerkreises wird der Gesundheitsfonds Ende 2011 einen Überschuss von 4,4 Milliarden Euro und eine Liquiditätsreserve von insgesamt 8,6 Milliarden haben.

Davon sind wesentliche Teile gebunden: die zwingende Mindestreserve in Höhe von 20 Prozent einer durchschnittlichen Monatsausgabe und zwei Milliarden Euro für den Sozialausgleich und die Finanzierung der Zusatzbeiträge von ALG-2-Empfängern.

Nach Einschätzung des Bundesgesundheitsministeriums verfügt der Gesundheitsfonds über ein ausreichendes Finanzpolster, um auch für konjunkturelle Einnahmerisiken im kommenden Jahr gewappnet zu sein.

Entlastung von 100 Millionen Euro im Monat

Die Leistungsausgaben sind in den ersten drei Quartalen um 2,5 Prozent je Versicherten gestiegen. Dieser moderate Anstieg wurde im Wesentlichen durch den Rückgang der Arzneimittelausgaben um 5,7 Prozent erreicht.

Durch die Anhebung des gesetzlichen Rabatts für Arzneimittel ohne Festbetrag von sechs auf 16 Prozent ab dem 1. August 2010 wurden die Kassen monatlich um 100 Millionen Euro entlastet.

Zusätzliche Kostensenkungen wurden durch die Rabattverträge, die individuell zwischen Herstellern und Kassen vereinbart wurden, erreicht: Sie beliefen sich auf 1,1 Milliarden Euro in den ersten drei Quartalen 2011 - 400 Millionen Euro mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Die Ausgabensenkungen bei Arzneimitteln werden sich künftig abflachen.

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