Ärzte Zeitung, 13.04.2012

Plädoyer für einen grundlegenden GKV-Umbau

Gesundheitsökonom Neubauer will mit neuem Modell den Krankenkassenwettbewerb stärken.

MÜNCHEN (sto). Die gesetzlichen Krankenkassen müssen nach Ansicht der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) wieder selbst über die Höhe ihrer Beiträge entscheiden können.

Spätestens in zwei Jahren drohe in der Gesetzlichen Krankenversicherung wieder ein Defizit, erklärte vbw-Geschäftsführerin Dr. Claudia Wöhler bei einer Fachtagung ihrer Organisation in München.

"Die derzeitigen Mehreinnahmen der Krankenkassen dürfen daher nicht leichtsinnig verteilt werden", sagte Wöhler. Die Kassen müssten die Mittel vielmehr dazu verwenden, um eine Rücklage für die Zukunft zu bilden.

Jetzt sei die Zeit, um die GKV grundlegend umzubauen und die Finanzierung auf eine neue Grundlage zu stellen, meinte Wöhler.

Die heutige Finanzierung über den Faktor Arbeit sei nicht nachhaltig. Außerdem sei es höchst ungerecht, dass die 180 Milliarden Euro, die die GKV derzeit ausgibt, über eine vergleichsweise kleine Einkommensgrundlage finanziert werden, kritisierte Wöhler. Die Versichertenbeiträge müssten deshalb vom Lohn abgekoppelt werden.

Versichertenbeiträge von Kassen individuell festgesetzt

Mit dem Modell des vbw für einen Regionalen Gesundheits-Kombi, das vom Institut für Gesundheitsökonomik unter der Leitung von Professor Günter Neubauer entwickelt wurde, werde der Wettbewerb zwischen Kassen wieder gestärkt, erklärte Wöhler.

In den Regionalen Gesundheits-Kombi, der eine verkleinerte Form des Gesundheitsfonds ist, sollen nach Angaben von Neubauer künftig nur noch der Arbeitgeberanteil sowie Steuermittel aus dem Bundeshaushalt fließen.

Der Arbeitgeberanteil werde eingefroren. Die Versichertenbeiträge würden von den Kassen individuell festgesetzt. Die Prämien wären danach für die bei der jeweiligen Kasse Versicherten einheitlich und einkommensunabhängig.

Ein Vorteil dieses Modells sei, dass regionale Strukturunterschiede und die unterschiedliche Versorgung in den einzelnen Bundesländern besser berücksichtigt werden.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Diese Aspekte schinden den Körper von Astronauten

Die Forschung auf der ISS liefert wichtige Erkenntnisse, ist aber Schwerstarbeit für den Organismus. Was passiert dabei mit dem Körper genau – und wozu das Ganze? mehr »

GBA warnt Spahn vor GKV-Systembruch

Der Versuch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Bewertungsverfahren im Gemeinsamen Bundesausschuss zu umgehen, stößt auf massive Gegenwehr – nicht nur im GBA. mehr »

§219a – Eine Reform und ihr Preis

Nach dem Beschluss im Bundestag, dürfen Ärzte künftig darüber informieren, dass sie Abtreibungen anbieten. Doch glücklich ist mit dem Kompromiss niemand. Auch nicht mit der Studie zu den Folgen einer Abtreibung. mehr »