Plädoyer für einen grundlegenden GKV-Umbau

Gesundheitsökonom Neubauer will mit neuem Modell den Krankenkassenwettbewerb stärken.

Veröffentlicht:

MÜNCHEN (sto). Die gesetzlichen Krankenkassen müssen nach Ansicht der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) wieder selbst über die Höhe ihrer Beiträge entscheiden können.

Spätestens in zwei Jahren drohe in der Gesetzlichen Krankenversicherung wieder ein Defizit, erklärte vbw-Geschäftsführerin Dr. Claudia Wöhler bei einer Fachtagung ihrer Organisation in München.

"Die derzeitigen Mehreinnahmen der Krankenkassen dürfen daher nicht leichtsinnig verteilt werden", sagte Wöhler. Die Kassen müssten die Mittel vielmehr dazu verwenden, um eine Rücklage für die Zukunft zu bilden.

Jetzt sei die Zeit, um die GKV grundlegend umzubauen und die Finanzierung auf eine neue Grundlage zu stellen, meinte Wöhler.

Die heutige Finanzierung über den Faktor Arbeit sei nicht nachhaltig. Außerdem sei es höchst ungerecht, dass die 180 Milliarden Euro, die die GKV derzeit ausgibt, über eine vergleichsweise kleine Einkommensgrundlage finanziert werden, kritisierte Wöhler. Die Versichertenbeiträge müssten deshalb vom Lohn abgekoppelt werden.

Versichertenbeiträge von Kassen individuell festgesetzt

Mit dem Modell des vbw für einen Regionalen Gesundheits-Kombi, das vom Institut für Gesundheitsökonomik unter der Leitung von Professor Günter Neubauer entwickelt wurde, werde der Wettbewerb zwischen Kassen wieder gestärkt, erklärte Wöhler.

In den Regionalen Gesundheits-Kombi, der eine verkleinerte Form des Gesundheitsfonds ist, sollen nach Angaben von Neubauer künftig nur noch der Arbeitgeberanteil sowie Steuermittel aus dem Bundeshaushalt fließen.

Der Arbeitgeberanteil werde eingefroren. Die Versichertenbeiträge würden von den Kassen individuell festgesetzt. Die Prämien wären danach für die bei der jeweiligen Kasse Versicherten einheitlich und einkommensunabhängig.

Ein Vorteil dieses Modells sei, dass regionale Strukturunterschiede und die unterschiedliche Versorgung in den einzelnen Bundesländern besser berücksichtigt werden.

Schlagworte:
Mehr zum Thema
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview

Gerlach: „Es gibt keinen allgemeinen Ärztemangel und keine generelle Überalterung“

Lesetipps
Gemälde von Menschen auf einer tropischen Insel, die um eine übergroße Mango tanzen.

© Preyanuch / stock.adobe.com

Kinetose

Mango, Musik, Medikamente – was gegen Reisekrankheit hilft

In Japan dürfen nur Ärzte oder Pflegekräfte unter ärztlicher Aufsicht impfen.

© [M] David Inderlied / dpa / picture alliance / Springer Medizin Verlag

Strenge Regelungen

Blick über den Tellerrand: Japan ist konservativ beim Impfen

Die Ursache der Appendizitis des jungen Mannes war offenbar eine Aktinomykose, ausgelöst durch Actinomyces israelii, ein gram-positives anaerobes Bakterium, das als Kommensale in der Mundhöhle und auch im Gastrointestinaltrakt vorkommt.

© Dr_Microbe / stock.adobe.com

Untypisches Krankheitsbild

Kasuistik: Hinter dieser Appendizitis steckte ein Bakterium