Ärzte Zeitung online, 17.02.2015

Union fordert

Kassen sollen für Therapie Pädophiler zahlen

Die AG Gesundheit der Unionsfraktion sieht Nachholbedarf bei Psychotherapie- Angeboten für Menschen mit pädophilen Neigungen. Zahlen soll die gesetzliche Krankenversicherung.

BERLIN. Die Arbeitsgemeinschaft (AG) Gesundheit der Unionsfraktion will zwischen fünf und acht Millionen Euro im Jahr aus Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung für die psychotherapeutische Betreuung von Menschen mit pädophilen Neigungen bereitstellen lassen.

Mit dem Geld sollen etwa 20 Anlaufstellen finanziert werden, die eine niedrigschwellige, anonyme Betreuung der betroffenen Menschen gewährleisten sollen.

In jedem Bundesland solle wenigstens ein Therapieangebot zur Verfügung stehen, heißt es in einem Positionspapier der Fraktion, das der "Ärzte Zeitung" vorliegt. Die privaten Versicherer sollten sich auf freiwilliger Basis beteiligen können.

In Berlin gibt es bereits ein Projekt

Bislang würden diese Behandlungen den Betroffenen mangels Angebot häufig vorenthalten, heißt es in dem Papier.

An der Berliner Charité gibt es seit 2005 das Projekt "Prävention von sexuellem Missbrauch im Dunkelfeld", das sich an bereits straffällig gewordene Täter und potenzielle Täter gleichermaßen richtet. Dieses Projekt wird mit Steuergeld finanziert.

Bei Pädophilie handele es sich um eine krankhafte Störung der Sozialpräferenz, betonen nun die Abgeordneten von CDU und CSU, die der AG angehören.

Sowohl in der international gültigen Diagnosenklassifikation ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch in der in Deutschland geltenden Fassung sei Pädophilie aufgeführt und damit ausdrücklich als Krankheit anerkannt.

Deshalb sollten die Präventionsstellen auch von den Krankenversicherern bezahlt werden müssen.

Gleichzeitig wollen sich die Unions-Parlamentarier für eine Stärkung der Opferbetreuung einsetzen. Es sollen "ausreichend und flächendeckend qualifizierte Betreuungs- und Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden", heißt es in dem Papier.

Bis zu 250.000 Menschen betroffen

Das gelte sowohl für die psychotherapeutischen Behandlungen für die betroffenen Kinder als auch für deren Eltern.

In Deutschland könnten Schätzungen zufolge bis zu 250.000 Menschen pädophile Neigungen verspüren.

Die Sexualstörung entwickele sich in der Pubertät, könne von den Betroffenen selbst nicht beeinflusst und im Laufe des Lebens nicht mehr verändert werden, schreiben die Autoren.

Sie gehen auch darauf ein, dass 60 Prozent der Täter nicht pädophil seien. Sie handelten aus mangelnder Triebkontrolle, wenn sich die Gelegenheit ergebe. Deshalb solle auch das Strafrecht weiterentwickelt werden. (af)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Prävention ist Opferschutz

[18.02.2015, 14:39:04]
Dr. Patricia Klein 
Nicht therapierbar
Meine letzte Information zur Pädophilie von einem spezialisierten Psychiater war, dass es sich um eine nicht behandelbare Störung handelt. Das heißt, die Prophylaxe, damit es nicht zu Kindsschädigung kommt, ist keine Behandlung sondern eine gesellschaftliche (sprich steuerfinanzierte) Aufgabe.
Warum immer mehr gesellschaftliche Probleme als Krankenkassenaufgaben deklariert werden, ist mir ein Rätsel... zum Beitrag »
[18.02.2015, 12:41:08]
Monika Baumgartl 
Deutschland ist ein Land für Täter
Frau Dipl.-Psych. Gradl, bitte kämpfen Sie für die Durchsetzung der Therapie bei Ihrer kleinen Patientin / kleinen Patienten.

Wir sehen das bereits im Strafrecht, dass es (Im Namen des Volkes?) wohl schlimmer ist, Steuern nicht korrekt abzuführen, als seinem "krankhaften" Trieb nachzugeben. Es beginnt sogar schon vorher, als Täter steht Dir ein Pflichtverteidiger zu Seite, sollte sich der Täter keinen leisten können. Als Opfer hast Du diese Möglichkeit nicht. Es gibt hier zwar so wichtige Organisationen, wie Weißer Ring etc., doch sind dies Institutionen, die nicht staatlich sind. D. h. der Steuerzahler unterstützt den Täter, jedoch nicht das Opfer. Ich will hier gar nicht das Konzept der Pflichtverteidigung in Abspruch stellen, jeder (auch ein Täter) soll ein Recht auf einen fairen Prozess haben, jedoch gilt dieses Recht wohl leider noch nicht für Opfer. Ein Opfer darf auch nicht so einfach öffentlich den Namen seines Peinigers nennen, da dieser dann die Möglichkeit hat gegen die Namensnennung vorzugehen (Persönlichkeitsrechte des Täters und die Möglichkeit zur Resozialisierung dessen).
Die "Rückfallquote" (unterstellen wir mal, Triebgesteuert zu sein, sei eine Erkrankung,) ist weitaus höher, als bei Drogenabhängigen. Soviel mal zum Nutzen dieser Therapien. Wenn einer merkt, dass er so einen Trieb hat, ist es natürlich eine gute Sache, wenn er versucht Wege zu finden, diese nicht ausleben zu "müssen". Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden, im Gegenteil.
Allerdings sollten wir bedenken, dass es teilweise für Opfer von sexueller und / oder häuslicher Gewalt, je nach regionaler Lage, fast unmöglich ist, einen Therapieplatz (ambulant oder stationär) zu erhalten, zumindest nicht, in einer der traumatischen Einwirkung angemessenen Zeit und Menge.
Viele dieser Opfer legen dann, auf Grund der fehlenden Notfall und langfristigen Betreuung ein selbstzerstörerisches Verhalten an den Tag (Suizid(versuche), BPS (Borderline), Over-Eating, Magersucht, Bulimie, Alkohol, Drogen etc....), ganz davon abgesehen, dass diese Störungen auf Grund des Traumas zusätzlich eine Lebenskatastrophe für die Opfer und der Angehörigen ist, sind auch hier die Kosten für das Gesundheitssystem weitaus höher, als die richtige Behandlung am Anfang.
Wieso also, macht das Gesundheitssystem den Beruf des Psychologen / Psychiaters nicht interessanter für zukünftige Studenten? Wieso werden, wie in Ihrem Fall, einem 5-jährigen! Opfer nicht die Behandlungen anerkannt, die es braucht?
Ich frage mich gerade, ob das überhaupt gewollt ist, denn viele dieser Opfer, werden später Konsumenten der achso teuren (und nur die Symptomatik verschleiernden) Antidepressiva der Pharmaunternehmen.
Sollten sich hier nicht die Krankenkassen gegen dieses System stellen und endlich den Opfern helfen?
Wenn dies geschehen ist, kann gerne darüber gesprochen werden mehr (auch nicht unwichtige) Therapieplätze für (potentielle) Täter zu errichten, die dann allerdings in erster Linie an die Täter gehen sollen, die kommen BEVOR sie straffällig wurden und nicht das Konzept der Therapie statt Strafe in Anspruch nehmen wollen.
MfG eine besorgte Überlebende zum Beitrag »
[17.02.2015, 18:15:28]
Dipl.-Psych. Anita Gradl 
Ist es wirklich eine Krankheit???
Pädophile sollen auf Krankenschein behandelt werden? Ich musste mir letzte Woche von einem Gutachter gefallen lassen,dass eine Langzeittherapie für ein missbrauchtes Kind auf eine Kurzzeittherapie gekürzt wurde mit dem Argument dass dies nicht die Aufgabe drs Gesundheitssystems sei umd erst abzuwarzen sei, ob eine krankheitswertige Störung vorliege. So sei die Behandlung als Anpassumgsstörung zu sehen und dafür reicjen doch bei einer 5jährigen 25 Std. Und nun sollen potentielle Täzer prophylaktisch die wenigen Therapieplätze belegen, obwohl man da nicht von einer "HEILUNG" sprechen kann sondern mur von einer Triebkontrolle. Armes Deutschland zum Beitrag »

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