Union fordert

Kassen sollen für Therapie Pädophiler zahlen

Die AG Gesundheit der Unionsfraktion sieht Nachholbedarf bei Psychotherapie- Angeboten für Menschen mit pädophilen Neigungen. Zahlen soll die gesetzliche Krankenversicherung.

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BERLIN. Die Arbeitsgemeinschaft (AG) Gesundheit der Unionsfraktion will zwischen fünf und acht Millionen Euro im Jahr aus Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung für die psychotherapeutische Betreuung von Menschen mit pädophilen Neigungen bereitstellen lassen.

Mit dem Geld sollen etwa 20 Anlaufstellen finanziert werden, die eine niedrigschwellige, anonyme Betreuung der betroffenen Menschen gewährleisten sollen.

In jedem Bundesland solle wenigstens ein Therapieangebot zur Verfügung stehen, heißt es in einem Positionspapier der Fraktion, das der "Ärzte Zeitung" vorliegt. Die privaten Versicherer sollten sich auf freiwilliger Basis beteiligen können.

In Berlin gibt es bereits ein Projekt

Bislang würden diese Behandlungen den Betroffenen mangels Angebot häufig vorenthalten, heißt es in dem Papier.

An der Berliner Charité gibt es seit 2005 das Projekt "Prävention von sexuellem Missbrauch im Dunkelfeld", das sich an bereits straffällig gewordene Täter und potenzielle Täter gleichermaßen richtet. Dieses Projekt wird mit Steuergeld finanziert.

Bei Pädophilie handele es sich um eine krankhafte Störung der Sozialpräferenz, betonen nun die Abgeordneten von CDU und CSU, die der AG angehören.

Sowohl in der international gültigen Diagnosenklassifikation ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch in der in Deutschland geltenden Fassung sei Pädophilie aufgeführt und damit ausdrücklich als Krankheit anerkannt.

Deshalb sollten die Präventionsstellen auch von den Krankenversicherern bezahlt werden müssen.

Gleichzeitig wollen sich die Unions-Parlamentarier für eine Stärkung der Opferbetreuung einsetzen. Es sollen "ausreichend und flächendeckend qualifizierte Betreuungs- und Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden", heißt es in dem Papier.

Bis zu 250.000 Menschen betroffen

Das gelte sowohl für die psychotherapeutischen Behandlungen für die betroffenen Kinder als auch für deren Eltern.

In Deutschland könnten Schätzungen zufolge bis zu 250.000 Menschen pädophile Neigungen verspüren.

Die Sexualstörung entwickele sich in der Pubertät, könne von den Betroffenen selbst nicht beeinflusst und im Laufe des Lebens nicht mehr verändert werden, schreiben die Autoren.

Sie gehen auch darauf ein, dass 60 Prozent der Täter nicht pädophil seien. Sie handelten aus mangelnder Triebkontrolle, wenn sich die Gelegenheit ergebe. Deshalb solle auch das Strafrecht weiterentwickelt werden. (af)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Prävention ist Opferschutz

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