Ärzte Zeitung online, 01.07.2015

TK-Studie

Viele Studenten sind depressiv

Studenten setzt der Stress auf dem Campus zu: Viele leiden unter Depressionen, können kaum entspannen und sitzen zu lange vor dem Bildschirm. Das zeigt eine TK-Studie. Die Kasse selbst spricht von "erschreckenden Zahlen".

Von Susanne Werner

Viele Studenten sind depressiv

Viele Studenten können nicht mehr abschalten. Immer mehr werden psychisch krank.

© dzhafarov / Fotolia.com

BERLIN. Bei 21,4 Prozent der Studierenden in Deutschland wurde 2013 eine psychische Erkrankung diagnostiziert. Die Betroffenen litten am häufigsten unter einer Depression. Der Anteil der Studierenden mit einer psychischen Diagnose ist somit seit 2009 um 4,3 Prozent gestiegen.

Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport der Techniker-Krankenkasse hervor. "Die aktuellen Zahlen sind in der Summe erschreckend", sagte Dr. Jens Baas, TK-Vorstandsvorsitzender, vor Journalisten in Berlin.

4,3 Prozent der Studenten haben 2013 eine Psychotherapie begonnen, rund sechs Prozent ließen sich stationär behandeln. Knapp vier Prozent der Studierenden erhielten Antidepressiva. Mit rund 257 Tagesdosen im Jahr wurden sie somit über zwei Drittel des Jahres mit Medikamenten versorgt.

Vor allem Frauen betroffen

Die TK-Statistik zeigt auch, dass insbesondere Studentinnen betroffen sind. Bei rund 30 Prozent von ihnen wurde 2013 eine psychische Störung diagnostiziert, doppelt so häufig wie bei ihren männlichen Kollegen (15 Prozent).

Die Krankenkasse hatte für die Erhebung Arzneimittel- und Diagnosedaten von rund 190.000 Studierenden ausgewertet und diese mit den Daten von gleichaltrigen Berufstätigen verglichen. Ergänzend dazu war auch ein repräsentativer Querschnitt von 1000 Studentinnen und Studenten zu ihrem Lebensstil befragt worden.

Im Vergleich zeigt sich, dass die psychischen Erkrankungen stark ab dem 27. Lebensjahr ansteigen. Die Raten der psychischen Diagnosen der Studierenden übersteigen dann deutlich entsprechende Erkrankungen bei jungen Erwerbstätigen.

"Ab 32 Jahren bekommen Studierende beider Geschlechter etwa doppelt so viele Antidepressiva verschrieben wie Erwerbspersonen im gleichen Alter", sagte Dr. Thomas Grobe vom AQUA-Institut, das die Zahlen für die TK ausgewertet hatte.

Der Grund für die zunehmenden Diagnosen psychischer Störungen ist offenbar im "Stresslevel auf dem Campus" zu finden. Rund die Hälfte der Studierenden gaben in der Befragung an, regelmäßig unter Stress zu stehen, etwa ein Viertel fühlte sich sogar "unter Dauerdruck".

 Zu den zentralen Belastungsfaktoren zählten die Befragten Prüfungsstress, Doppelbelastung durch Studium und Jobben, finanzielle Sorgen, die Angst vor schlechten Noten sowie das Bangen, später keinen Job zu finden.

Dauerstress ist gefährlich

Auf diesen Stress reagieren viele der Studenten mit Kopfschmerzen, Erschöpfung, Rückenschmerzen oder Schlafproblemen. Stress sei grundsätzlich "nichts Negatives", betonte Baas. Gesundheitsgefährdend werde dieser jedoch, wenn er zu einem Dauerstress werde.

 Erschreckend sei daher, dass viele Studierende eher untaugliche Methoden anwenden würden, um angestaute Belastungen wieder abzubauen. So bezeichnete sich jeder vierte Hochschüler als "Sportmuffel". Gut ein Drittel der Frauen und 43 der Männer versuchen den Stress mit Alkohol wegzutrinken.

Auch Rauchen, Aufputschmittel und Cannabis zählten unter den angehenden Akademikern zu den verbreiteten "Relaxmethoden".Viele der befragten Studenten gaben an, "sich online zu entspannen": 56 Prozent der Frauen klicken sich durch die sozialen Netzwerke, 81 Prozent der Männer lenken sich auf Videoplattformen oder mit Computerspielen ab.

Drei von vier Befragten sehen durchaus, dass die Online-Medien ein Suchtpotenzial haben. Gut die Hälfte gab an, sich dadurch schnell ablenken zu lassen."Das Problembewusstsein ist da, aber der Generation Smartphone fällt es schwer, sich gut zu entspannen", sagte Baas.

Zum gesunden Medienkonsum gehöre auch, abschalten zu können und mit den Inhalten richtig umzugehen. Das Vermitteln einer "gesunden digitalen Medienkompetenz" sei eine Aufgabe der Prävention.

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